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Überzeugter Neustart: Präsident Robert Salzl und Geschäftsführerin Kornelia Kneissl haben sich für den oberbayerischen Tourismusverein ein ehrgeiziges Ziel gesetzt.

Ehrgeizige Ziele

Tourismusverein: Neustart auf verbrannter Erde

München – Der oberbayerische Tourismusverein hat nach der Insolvenz seiner Vorgängerorganisation einen Neuanfang gestartet. Leicht wird es nicht, den Imageschaden auszubügeln. Doch beim Neustart hilft ein erfahrener Pilot: Robert Salzl. Sein Ziel ist ehrgeizig: Oberbayern soll die beliebteste Reiseregion Europas werden.

Robert Salzl hat die schönsten Orte der Welt gesehen. Der ehemalige Lufthansa-Manager hat fünf Jahrzehnte lang beobachtet, wie sich Metropolen und Regionen auf allen Kontinenten verkaufen. Wie sie Touristen anlocken – oder ihr Potenzial nicht richtig nutzen. Auf jedem Rückflug hatte Robert Salzl ein paar neue Ideen an Bord. Nun ist die Zeit für diese Ideen gekommen.

Vor knapp fünf Monaten hat sich der Verein Tourismus Oberbayern/München, kurz TOM, gegründet. Er ist die Nachfolgeorganisation des Tourismusverbandes Oberbayern, der im Oktober 2012 Insolvenz angemeldet hatte, weil EU-Fördergelder jahrelang missbräuchlich verwendet worden waren. Dem Verein muss nun ein Neustart auf verbrannter Erde gelingen. „Was damals passiert ist, war ein Schock für die Mitglieder, da braucht es einen Moment, um sich davon zu erholen.“ 360 Kommunen und Organisationen hatten sich damals in dem Verband zusammengeschlossen. 51 Mitglieder konnten Salzl und sein Team bereits zurück ins Boot holen. „Das ist für den Anfang nicht schlecht“, sagt der 72-Jährige. Aber er macht sich nichts vor, weiß genau, dass es dauern wird, das Vertrauen zurückzugewinnen.

Deshalb grenzt sich der Verein bewusst von dem Verband ab, das Präsidium ist kleiner, dafür gibt es viele Ausschüsse, unter anderem für die Finanzen. Fördergelder aus Brüssel will der Verein erstmal gar nicht anfordern. Robert Salzls Optimismus soll für den Anfang reichen – und mitreißen. „Es geht jetzt darum, möglichst viele Mitglieder zu überzeugen, dass sie davon profitieren, sich dem Verein anzuschließen“, sagt er. „Es gibt ein paar Profis, die ihre Teilregionen schon hervorragend vermarkten.“ Garmisch-Partenkirchen und Berchtesgaden beispielsweise. Sie gehen ähnliche Wege und könnten gegenseitig voneinander profitieren, Ideen austauschen oder sich vielleicht sogar zusammentun und Busreisen für ihre Touristen anzubieten, um sich breiter aufzustellen, sagt Salzl. „Aber es gibt auch viele Regionen, die ihre Schätze noch besser zur Geltung bringen könnten“, sagt er. Im Ebersberger oder im Hofoldinger Forst beispielsweise steckt viel ungenutztes Potenzial, glaubt Salzl. „Da gebe es viele Themen, die man vermarkten könnte: Kinder und Natur, Lehrpfade, Pilze sammeln.“

Genau solchen Regionen will der Verein unter die Arme greifen, Ideen und Schulungen anbieten – und motivieren. „Wir müssen Oberbayern nicht attraktiver machen, sondern nur besser präsentieren. Aus einzelnen Edelsteinen ein Schmuckstück machen.“

Die Voraussetzungen sind dafür besser als in jeder anderen Region, sind Salzl und die TOM-Geschäftsführerin Kornelia Kneissl überzeugt. „Wir haben die Metropole München und die Berge und Seen, wir haben Brauchtum und Hochkultur, Tradition und Innovation“, sagt Kneissl. „Von Gott gegebene Vorteile, die wir nur noch besser zur Geltung bringen müssen.“ Es geht um mehr, als moderne Hotels zu bauen, sagt Klaus Stöttner, Tourismus-Experte der CSU. Das Heimatgefühl, die Kombination zwischen Tradition und Moderne mache Oberbayern für viele Touristen so attraktiv. „Das kann keine Region alleine vermitteln, ist er überzeugt. Dafür brauchen wir einen übergeordneten Verein, der dieses Bild auch im Ausland vermittelt. Der Oberbayern aus seinem Tourismus-Schlaf wachküsst.“

Das Ziel, das sich Robert Salzl gesetzt hat, ist noch ein ganzes Stück ehrgeiziger: „Wir wollen Oberbayern zum Reiseziel Nummer eins in Europa machen“, kündigt er an. Momentan sind die Kanaren europäischer Spitzenreiter, wenn es um Urlaubsgäste geht. Aber Robert Salzl geht es um mehr als Umsatzzahlen. „Wenn Reisende gefragt werden, wo Angebot, Freundlichkeit, Service oder Sauberkeit auf dem höchsten Niveau sind, muss die Antwort immer Oberbayern sein“, sagt er.

Robert Salzl ist überzeugt, dass das zu schaffen ist. Vielleicht dauert es zwei Jahre, vielleicht auch fünf. Seine Motivation reicht auch, falls es noch länger dauert. Als ehemaliger Pilot ist er oft gefragt worden, wo auf der Welt es am schönsten ist. Seine Antwort war immer dieselbe: Oberbayern.

Katrin Woitsch

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