Landschaft, Leute und... Regen!

Darum lieben Touristen Bayern

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München – Chiemsee, Zugspitze, Neuschwanstein. Die Touristen lieben Bayern. Merkt man. Der Freistaat steuert heuer auf einen Übernachtungsrekord zu.

Auf Bayern ist Verlass, es ist ein Paradies für Touristen – in jeder Hinsicht. Am Wochenende schlug ein verzweifelter Urlaubsgast aus Tschechien auf der Rosenheimer Polizeiinspektion auf. Er sagte, er habe seine Frau verloren. Ein Handy habe er nicht dabei. Das Einzige, das er wisse sei: Das Hotel, das sie gebucht haben, liege in Rosenheim. Und habe laut Eigenwerbung eine sensationelle Schweinshaxe. Für die Beamten war es nach ein bisserl intensivem Überlegen ein Leichtes, den Mann ins richtige Hotel zu schicken. Wieder einen Touristen glücklich gemacht.

So läuft das in Bayern – es ist ein Gästewunderland. Das sagen zumindest die neuen Zahlen, die das Landesamt für Statistik gerade bekannt gegeben hat. Bis einschließlich Mai diesen Jahres verzeichnete die Tourismusbranche bereits 29,5 Millionen Übernachtungen. Es sieht vieles danach aus, dass Bayern auf einen neuen Übernachtungsrekord zusteuert, da die urlauberstarken Sommermonate noch gar nicht in der Statistik vorkommen. In den letzten zehn Jahren sind die Übernachtungszahlen in Bayern fast jedes Jahr kontinuierlich gestiegen (siehe Grafik).

Für Frank-Ulrich John vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband zahlt sich nun aus, dass die bayerischen Hotel- und Gaststättenbesitzer zuletzt „extrem viel investiert hätten. Das Preis-Leistungsverhältnis ist besser als je zuvor.“ Die Menschen schätzen die Landschaft und die gepflegten Unterkünfte. „Es muss auch nicht jeden Tag 30 Grad haben“, sagt John. „Die Gäste aus den arabischen Staaten zum Beispiel lieben Regen.“ Die freuen sich, wenn mal ein paar Tropfen auf sie niederprasseln.

Andere Länder, andere Sitten. Christina Pfaffinger, die Geschäftsführerin vom Chiemsee-Alpenland Tourismus, ist aufgefallen, dass die Dänen gerade Oberbayern entdecken. Insgesamt verbucht die Region, die sie betreut, rund drei Millionen Übernachtungen pro Jahr. 85 Prozent der Touristen kommen dabei aus Deutschland. Außerdem kommen neuerdings immer mehr Urlauber aus der Schweiz in den Chiemgau, das hat es früher so auch nicht gegeben – aber Bayern ist oftmals schlicht günstiger als ein Urlaub daheim in der Schweiz.

Die Italiener schätzen die Region traditionell wegen der bayerischen Festkultur. Das Rosenheimer Herbstfest, aber auch kleinere Dorffeste, gelten als Touristenmagneten. Urlaub auf dem Bauernhof, sagt Pfaffinger, nimmt stark zu. Viele Gäste wollen unbedingt bei einem Privatvermieter unterkommen. Um ins Gespräch zu kommen und ganz nebenbei Land und Leute kennenzulernen. „Das Geheimnis unserer Gegend“, sagt Pfaffinger, „ist die Mischung.“

Auch Anton Weinberger, der Chef der Tourist-Info in Garmisch-Partenkirchen, ist zufrieden mit dem bisherigen Sommergeschäft. „Nach dem desaströsen Winter sind wir jetzt sehr, sehr gut gebucht.“ Viele arabische Gäste verbringen ihren Urlaub in der Marktgemeinde. „Das ist auffällig“, sagt Weinberger.

Das ist auch eine Entwicklung, die Robert Salzl, der Präsident des Vereins „Tourismus Oberbayern München“ beobachtet. „Heute kommen achtmal so viele Gäste aus dem arabischen Raum als noch vor zehn Jahren. Aus China sind es dreimal so viele.“ Während ein deutscher Tourist im Schnitt 107 Euro pro Tag ausgibt, lassen arabische Gäste über 250 Euro liegen, Gäste aus China sogar noch mehr. Herrliche Zeiten für Bayerns Touristenhochburgen.

Stefan Sessler

Rubriklistenbild: © dpa

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