Die Trachten-Bibel

München - So zieht sich Bayern an: In einem bemerkenswerten Bildband zeigt der Trachtenverband, dass Gwand-Kultur im Freistaat weit mehr ist als Lodenjanker und Dirndlschürze.

Es ist der Dirndl-Duden, das Lexikon der Lederhosen, die Bibel der Tracht. Es zeigt Loferl, Schaikl, Miedergwand – alles, was seit Generationen in Bayerns Kleiderschränken hängt und heute zu Festtagen ausgeführt wird: Es zeigt Tracht. Das neue Buch „Trachtenlandschaft Bayern“ präsentiert die kaum vorstellbare Gwand-Vielfalt im Freistaat. „Ein Standardwerk“, sagte Trachtlerchef Max Bertl, als er am Dienstag das druckfrische Trumm Tradition in München vorstellte.

Was trägt der Ebersberger Trachtler am Sonntag zum Kirchgang? Was sagt die Kopfbedeckung über den Familienstand der Dame im Inntal aus? Wer trägt den Gamsbart vorne am Hut und wer an der Seite? Warum hat das eine Mannsbild mehr Falten im Stiefel als das andere? In dem großen Bildband steht’s drin.

Fünf Jahre lang haben sie im Verband aus allen Gauen tausende Bilder gesammelt – die Fotos zeigen Menschen im Gwand ihrer Heimat. Oberland, Chiemgau, Pfaffenwinkel, Franken, Bayerwald und und und. Auf 320 Seiten posieren junge Madln in Tanztracht oder mit Gretlfrisur, ältere sind in teures Spenzergewand geschlüpft oder präsentieren sich mit posamentenverzierten Hauben. Kurze Texte zwischen Bilderseiten erklären den Unterschied zwischen dem „Greasamaten“, einem grünen Männerhut aus dem Berchtesgadener Land, und dem „Scheibling“, einem samtigen Miesbacher Haarfilzhut.

Mini-Dirndl und knallbunte Pseudo-Lederhosen sucht der Leser vergebens. Das ist keine Tracht, sagt Walter Weinzierl, einer der Buch-Initiatoren. Allerhöchstens eine Modeerscheinung. Die neue Trachten-Bibel ist aber auch kein historisches Buch. „Davon gibt es genug“, meint Weinzierl. Das Gwand aus dem Buch tragen die Trachtler jetzt, heute. Einen Beweis dafür braucht’s nicht. Allein beim Schützenumzug zum Oktoberfest marschieren jedes Jahr tausende Trachtler mit. Trotzdem hat der Verband am Dienstagmittag sieben Paare, aus jedem Regierungsbezirk eines, geladen, zum Fototermin. Die Kleidung könnte kaum unterschiedlicher sein: die bekannte Miesbacher Tracht mit weißer Schürze aus Oberbayern und das schlichte Bauerngwand aus der Oberpfalz in bescheidenem Dunkelblau zum Beispiel.

Brauchtum in Bayern ist eben mehr als Klischee, Dirndl, Lederhose. Es ist bunt, vielfältig – und lebendig. Schön, dass es jetzt den Beweis in Hochglanz gibt.

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