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Tote Hose bei der 2. Europameisterschaft im Dirndlspringen in Aschaffenburg.

Dirndl-Springen in Aschaffenburg

Im Trachtenoutfit vom Sprungturm

Dirndl statt Badehose und Bikini: In Aschaffenburg hüpfen Sportler und Spaßvögel im Trachtenkleid vom Sprungturm. Die Hälfte der Teilnehmer ist männlich - und verliert beim Sprung ins Becken allerhand Verkleidung.

„Chantal“ hat etwas vergessen. Nervös tänzelt sie am Beckenrand entlang und holt den kleinen grünen Schirm. „Atemlos durch die Nacht“ dröhnt es aus den Lautsprechern, bei jedem Schritt wackeln die beiden Plastikpuppen, die sie an ihrer Hüfte festgebunden hat. Dann steigt „Chantal“ den Sprungturm nach oben, atmet durch. Sekunden später klatscht sie mit dem Bauch auf der Wasseroberfläche auf. Die beiden Puppen schwimmen an der Oberfläche - ebenso zwei Brüste aus Plastik, die glitzernde Sonnenbrille und die blonde Perücke. John Caba steigt mit verrutschtem Dirndl aus dem Becken und lässt sich feiern.

Es ist ein ungewöhnlicher Turmspring-Wettbewerb, zu dem das Freibad in Aschaffenburg am Samstag geladen hat. Statt in Badehosen und Bikini hüpfen die Teilnehmer in Trachtenkleidern vom Ein-, Drei- oder Fünf-Meter-Brett des Freibads. Theoretisch, denn die zehn Teilnehmer wählen alle die größte Höhe. Schließlich gilt es, die Jury aus Politikern, Trachtenhändlern und Verantwortlichen der Stadt zu überzeugen. Dabei seien vor allem vier Punkte bedeutsam, erklärt Moderator Michael Ehrlich: Die Auswahl eines passenden Dirndls, ein überzeugender Auftritt auf dem Weg zum Sprung, die Höhe des gewählten Bretts und die Schwierigkeit des gezeigten Sprungs.

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Wettbewerb haben die Stadtwerke aus Südbayern übernommen. Die erste Ausgabe in Aschaffenburg war für das Freibad im vergangenen Jahr jedenfalls ein Erfolg. Rund 30 Teilnehmer und zahlreiche Zuschauer hatten für Begeisterung und den Ruf nach einer Wiederholung gesorgt.

Doch ganz so leicht sollte es in diesem Jahr nicht werden. Am frühen Nachmittag ist es bewölkt, leichter Wind weht, später nieselt es - nicht wirklich perfektes Wetter für einen Freibadbesuch. Entsprechend leer ist es am Sprungturm, Publikum ist quasi nicht vorhanden. Stimmung will zunächst trotz DJ und Mallorca-tauglicher Musik nicht so recht aufkommen. Letztlich stehen fünf Männer und fünf Frauen bereit, zur „Europameisterschaft im Dirndl-Springen“, wie Ehrlich die Veranstaltung nennt. Einige haben sich die Trachtenkleider an einem eigens aufgestellten Stand geliehen, andere haben ihr eigenes dabei. Eine riskante Entscheidung, denn immer wieder reißen beim Aufprall auf dem Becken Nähte.

Spaß haben die Teilnehmer trotzdem. Gegen Ende kommt bei den etwa 80 Besuchern sogar etwas Stimmung auf, als „Chantal“ alias John Caba erneut antreten muss. Er und eine Teilnehmerin landen im Stechen, weil beide 59 von 60 möglichen Punkten erzielt haben.

Noch einmal geht es also für Caba auf den Sprungturm. Die Zuschauer klatschen, das Dirndl ist wieder ausgestopft, die Perücke sitzt. Letzte Absprachen mit dem Fanclub am Beckenrand - aus Frankfurt sind er und einige Freunde angereist, gleich drei Springer kommen aus ihren Reihen. Eine Rolle soll es werden - und sie klappt auch, fast schon zu gut: Caba dreht sich eineinhalb Mal und knallt erneut mit dem Bauch auf die Wasseroberfläche. Wieder 59 Punkte, Caba gewinnt. Und verkündet, er werde den gewonnenen Gutschein im Wert von 500 Euro an ein Kinderhospiz spenden.

dpa

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