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Heike Hardi, Jugendleiterin des Trachtenvereins D'Ammertaler Ottendichl, gibt die bayerischen Traditionen mit Begeisterung an den Nachwuchs weiter.

Was macht eigentlich ein Trachtenverein?

Zwischen Laptop und Lederhose

Turnschuhe zur Lederhose bei den Herren oder knappe Ledershorts bei den Damen? Bei einem solchen Anblick würde einem echten Trachtler aus dem Verein vermutlich der Gamsbart zittern. Aber was machen Trachtenvereine eigentlich? Hier ein kurzer Überblick:

Lederhose und Dirndl gelten im Ausland als Inbegriff des Deutschen. Die eine bayerische Tracht existiert allerdings nicht: So tragen die Oberbayern Adlerflaum, Gamsbart und Lederhose, die Oberpfälzer hingegen Flitterhaube und Hut. Weitere Details? Kennen die Mitglieder der Trachtenvereine. Für diese sind die Themen "Trachterhaltung und -forschung" das täglich Brot.

Was genau ist eigentlich eine Tracht?

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Der Begriff „Tracht“ wird im Allgemeinen für traditionelle und historische Kleidung der Landbevölkerung gebraucht. Die Kleidung sollte vor allem Besitz und Wohlstand präsentieren: Je mehr Stoff verwendet wurde, je mehr Knöpfe auf der Weste saßen, desto reicher der Träger oder die Trägerin. In einigen Regionen setzte man deshalb die Westenknöpfe so eng nebeneinander, dass sie kaum Platz hatten, die Röcke wurden so tief in Falten gelegt, dass sie fast unzumutbar schwer waren. Erste Trachten entstanden Ende des 15. Jahrhunderts; doch als Ende des 19. Jahrhunderts ein Großteil der Landbevölkerung in die Fabriken und Städte abwanderte, wurde die Kleidung "städtischer" und auch aus den Dörfern verschwanden die meisten Trachten.

Die bayerische Tracht

Nicht nur auf der Wiesn: Trachten haben sich zum Massenphänomen entwickelt.

Unter bayerischer Tracht versteht man zumeist die oberbayerische Gebirgstracht: Lederhose für den Mann und „Dirndlgwand“ für die Frau. In den 1930er-Jahren wurde das Dirndl durch die Operetten "Im Weißen Rössl" und "Familie Trapp" auch international bis in die USA bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Dirndl-Hype allerdings vorbei, in den 1960er- und 70er-Jahren wurden Trachten nur von Touristen zum Oktoberfest getragen. Seit den 1990er-Jahren ist das Dirndl aber wieder am Kommen und hat sich innerhalb der letzten Jahre regelrecht zum Massenphänomen entwickelt. Für Heike Hardi, Jugendleiterin im Trachtenverein, ist die bayerische Tracht aber mehr als eine wiederentdeckte Mode: "Sie gehört für mich zur bayerischen Lebensart. Die Tracht ist genau wie die Jeans und der Anzug ein Teil der täglichen Kleidung."

Was macht eigentlich ein Trachtenverein?

Den ersten Trachtenverein gründete 1883 der Volkschullehrer Josef Vogl in Bayrischzell. Der Zweck: "Wiederauffrischung der im Verschwinden begriffenen kleidsamen Volkstracht".

Traditionell findet am ersten Wiesn-Sonntag der große Trachten- und Schützenzug statt.

Nach und nach entstanden Trachtenvereine im ganzen Land und auch heute noch versuchen diese, lokale Trachten und historische Brauchtümer am Leben zu erhalten. „Ich finde, es ist in der heutigen Zeit besonders wichtig, Bräuche nicht sterben zu lassen. Für mich besteht kein Widerspruch darin, offen für Neues zu sein und sich gleichzeitig der Tradition verpflichtet zu fühlen“, so Heike Hardi. Die Mitglieder der Trachtenvereine sind dazu angehalten, die lokale oder regionale Tracht möglichst häufig und original zu tragen und damit ihre Heimatverbundenheit auszudrücken. Hardi: „Unsere Jugend braucht sich außerhalb der Wiesn nicht für die Tracht zu schämen.“

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Die Mehrzahl der bayerischen Trachtenvereine ist im "Bayerischen Trachtenverband" organisiert. Neben der Trachtenpflege und -forschung stehen dort der Volkstanz und Schuhplattler sowie die Volksmusikpflege im Mittelpunkt: Auftritte werden arrangiert (so auch die Aufführungen von Plattler- und Tanzgruppen bei der Eröffnung der Fußball-WM 2006), Veranstaltungen wie das Gesamtbairische Tanzfest, Wirtshaussingen oder Ziachspielertreffen auf die Beine gestellt ... und "Tanz und Musi" an Interessierte sowie den Nachwuchs weitergegeben: "Wir übermitteln unseren Kindern und Jugendlichen z.B. die bayerischen Tänze und zeigen ihnen außerdem, dass man in der Gemeinschaft viele schöne Dinge erleben kann", erzählt Jugendleiterin Hardi.

Tracht, Tradition ... und Internet

Dabei wird stets auf ein "boarisches G`wand" Wert gelegt, denn auch nach außen hin soll der Sinn für Tracht und Brauchtum gefördert werden. Dafür nutzt der Verband neben öffentlichen Auftritten vor allem das Internet. Auch wenn es um Traditionen geht, werden moderne Techniken und Medien zur Verständigung mit Gleichgesinnten und als "Fenster zur Welt" genutzt. Laptop und Lederhose halt.

mg

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