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Bestandteil der Lederhosn: Das Messer in der Seitentasche. Trachtler tragen es mit Stolz und wollen es wie in den vergangenen Jahrzehnten auch weiterhin bei öffentlichen Veranstaltungen einstecken dürfen.

Bundesrat berät über Waffengesetz

Trachtler wehren sich gegen ein Verbot: „Das Messer gehört zur Tracht“

Bayerische Trachtler sind in Aufruhr. Weil eine Änderung des Waffengesetzes Anfang Juni im Bundesrat diskutiert werden soll, fürchten sie um ihre Trachtenmesser. Zahlreiche Verbände wollen am Dienstag in der Staatskanzlei ihre Sorgen vortragen.

München – Die Landesregierungen von Niedersachsen und Bremen haben dem Bundesrat einen Entwurf zur Änderung des Waffengesetzes vorgelegt. Er zielt unter anderem darauf ab, dass Waffen an Orten verboten werden können, an denen sich viele Menschen aufhalten. Trachtenverbände sind alarmiert: Sie sehen ihre traditionellen Trachtenmesser in Gefahr.

Trachtler-Vorsitzender Max Bertl hat offenen Brief verfasst 

„Uns schreckt dieses Thema auf“, sagt Max Bertl, Landesvorsitzender des Bayerischen Trachtenverbands. Zwar rüttle der Gesetz-Entwurf nicht an der Ausnahmeregelung in der Brauchtumspflege, „aber es steht nicht immer das im Gesetz, was im Entwurf steht“. Er stellt klar: „Ich will nicht um Ausnahmen betteln müssen.“ Deswegen hat er einen offenen Brief verfasst, Verbände vom Bayernbund bis zum Jagdverband informiert und das Thema beim morgigen Treffen mit Staatskanzleichef Florian Herrmann auf die Tagesordnung gesetzt. Inzwischen hat Bertl zahlreiche Anrufe und E-Mails aufgebrachter Trachtler erhalten. Allen gibt er Recht: „Das Messer gehört zur Tracht!“ Auch bei Dorf-, Wald- oder Volksfesten. „Da gibt’s nix zu diskutieren.“ In 60 Jahren als Trachtler sei ihm noch nie eine gefährliche Situation mit dem Messer untergekommen.

Das kann Anton Hötzelsperger bestätigen. Der Pressesprecher des Bayerischen Trachtenverbands hatte auch gestern am Priener Festsonntag (Landkreis Rosenheim) sein Messer in der Lederhosn. „Warum sollte ich es dahoam lassen?“ Es gehöre zur Tracht und sei beim Brotzeit machen recht praktisch. Aus seiner Sicht ist es typisch deutsch, alles überzubewerten. „Das geht an der Realität vorbei.“ Er gibt zu Bedenken: „Wenn ich jemanden verletzten wollte, bräuchte ich ihm nur einen Haferlschuh drüber hauen – dann wäre das auch eine Waffe.“ Einzige Ausnahme ist für Hötzelsperger das Münchner Oktoberfest. „Jeder weiß, dass das Trachtenmesser dort nicht geduldet ist. Provozieren wollen wir nicht.“

Lesen Sie auch: Den Trachtlern gehen die Chefs aus: Oft droht deshalb die Vereinsauflösung 

Wer verstehen will, warum das Messer zur Lederhosn gehört, der muss in die Geschichte blicken. „Die Lederhosn war früher ein Arbeitsgewand“, erklärt Thomas Niggl, Vorsitzender des Trachtenvereins Kirchstoana in Bad Tölz. „Auch Holzarbeiter und Flößer trugen sie und hatten immer ein Messer dabei – aus praktischen Gründen.“ Der „Hirschfänger“ diente ursprünglich dazu, einem bei der Hetzjagd verwundeten Hirsch durch einen gezielten Stich zu töten. Jetzt erfüllt auch er repräsentative Zwecke und kann beim Brotzeit machen verwendet werden. Generell ist Niggl gegen ein Messer-Verbot in der Öffentlichkeit. Aber auch er hat seines schon einmal abgegeben – bei einer Party im Rahmen des Bad Tölzer Gaufests. „Die Ordnungskräfte hatten uns darum gebeten“, sagt Niggl. „Bei Halligalli mit vielen jungen Leuten ist das schon nachvollziehbar“, räumt er ein.

Ein rigoroses Messer-Verbot auf dem Dachauer Volksfest wollten die betroffenen Trachtler allerdings nicht akzeptieren. Dort fand die Stadt Ende 2018 einen umstrittenen Kompromiss: Die Dachauer Trachtenvereine Ampertaler und Schlossbergler dürfen ihre Trachtenmesser und Bestecke lediglich zum Volksfestauftakt tragen, die restlichen neun Tage nicht. Manfred Hinterscheid, Vorsitzender der Ampertaler war empört: „Solange man am Glückshafen ein Messer-Set gewinnen kann, wollen wir auch mit unseren Messern aufs Volksfest gehen dürfen.“

CORINNA KATTENBECK

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