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Barfuß auf der Bühne: LaBrassBanda.

Krach um Auftritt bei Gaufest

Trachtler: LaBrassBanda besudelt das Brauchtum

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Ruhpolding - Sie sind barfuß und Lederhosen tragen sie grundsätzlich ohne Träger: die Musiker von LaBrassBanda. Einigen Traditionalisten ist das zu modern: Sie wollen die Musiker nicht bei der Gaufestwoche in Ruhpolding.

Über LaBrassBanda gibt es tausend Dinge zu wissen. Um die Burschen vom Chiemsee aber richtig zu verstehen, hilft eine Geschichte aus dem Jahr 2013 besonders: Damals traten sie beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest auf, einer Riesen-Show mit Übertragung im Fernsehen. Dass ihre Musik vom Band kommen sollte, erfuhren sie erst kurz vor der ersten Probe. Da war der Spaß vorbei. Sie quengelten so lange, bis die Techniker auf Live-Musik umstellten – und fetzten erst dann richtig los (Hier geht's zu einem Video.)

Soll also niemand sagen, die Burschen von LaBrassBanda seien nicht echt oder: nicht echt bayrisch. Vielleicht ein bisschen anders bayrisch. Als Frontmann Stefan Dettl die Anekdote beim letzten München-Konzert erzählt, steht er barfuß auf der Bühne des Circus Krone. Kein Gamsbarthut, dafür klatscht das schweißnassem T-Shirt gegen seine Lederhose. Auch dafür ist die Band bekannt. Auch dafür liebt man die Blasmusik-Verrückten. Nur nicht überall.

Max Bertl ist Bayerns oberster Trachtler.

Einige traditionelle Trachtler finden das Auftreten der Band zum Beispiel höchst unpassend. Dass sie am 23. Juli sogar bei der Gaufestwoche in Ruhpolding (Kreis Traunstein) spielen soll – im Bierzelt –, ist für sie ein Skandal. Ist LaBrassBanda würdig, bei diesem Trachten-Riesenereignis zu spielen? Der Streit zwischen Traditionalisten und Modernen, jungen und alten Trachtlern tobt seit Tagen. Losgepoltert hatte Otto Dufter, der Ehrenvorsitzende des Bayerischen Trachtenverbands. Sogar mit einem Boykott hatte er gedroht. Sein Nachfolger Max Bertl, 68, sagt davon nichts, findet aber trotzdem deutliche Worte. Die Musik habe ja sicher ihre Berechtigung. „Aber sie passt nicht zu einem Gautrachtenfest.“ Sie sei halt was für jüngere Trachtler. Auch Erich Tahedl, der beim Trachtenverband die Geschäfte führt, ist die LaBrassBanda-Musik zu modern. „Man muss nicht auf jeden Zug aufspringen, der vorbeifährt.“

Alles soll möglichst bleiben, wie es halt seit 130 Jahren ist. Den Gedanken muss man verstehen, denn für den Gauverband 1 mit seinen gut 100 Mitgliedsvereinen kommt das Trachtenfest gleich nach Ostern und Weihnachten. Zehn Tage feiern sie Bayern, wie sie es am liebsten haben. Mit Musikertreff, Preisplattln und Festumzug mit 8000 Teilnehmern. 20 000 Gäste sind realistisch. Ruhpolding im Ausnahmezustand.

Dann sollte aber auch für alle Altersgruppen etwas dabei sein, findet Hermann Feil, 47, Vorsitzender des Gebirgstrachtenerhaltungsvereins „D’Miesenbacher“. Sie richten das 124. Trachtenfest im Gau 1 aus. Zehn Tage weiß-blaue Seligkeit, aber wenn es nach Feil geht, „bitte nicht zehn Tage Heimatabend“. Lieber einen guten Mix aus Altem und Neuem. „Jeder tut etwas für Bayern. Der Gamsbart-Fürst und der Stefan Dettl mit seiner Musik.“

Das klingt ein wenig nach Zwei-Fronten-Krieg. Ende letzter Woche haben sich Feil und Dettl zu einer Lagebesprechung getroffen. Wie damit umgehen, wenn sich ein Musiker wie Stefan Dettl, der in tiefem Bairisch singt, Bayern, wo es geht, besingt und auch sonst seine Verbindung zur Heimat nicht versteckt, als Brauchtums-Besudeler bezeichnen lassen muss?

Dettl, der mit seinen Kollegen gerade durch Deutschland, Österreich und die Schweiz tourt, ist zutiefst enttäuscht. „Es ist eine Sache des fehlenden Respekts“, schreibt er in einer Stellungsnahme. Vor allem jungen Trachtenvereins-Mitgliedern gegenüber, denen die Traditionalisten „kein selbstbestimmtes Heimatgefühl, keine angemessene Einstellung zum Brauchtum“ zutrauen. Die Kritiker, heißt es dann, hätten ihr Urteil gefällt, ohne die Musik zu kennen, und ohne zu wissen, „wie sehr wir an unserer bayerischen Heimat hängen“. Die Lage ist ernst. „Es geht um die Zukunft der Trachtensache.“

Dass Dettl damit Recht hat, ist auch den Trachtlern bewusst. Der Streit wird nachhallen. Und er soll es auch. Klar ist, dass der LaBrassBanda-Auftritt Ende Juli stattfinden wird. So sagt es jedenfalls Hermann Feil. Danach will er sich mit den Alt-Trachtlern Dufter, Bertl und Co. zusammensetzen. So ist es vereinbart. Es wird darum gehen, wie weit sich Bayerns Trachtler künftig für die Moderne öffnen dürfen. Das Gespräch ist dringend nötig. „Wir wollen die Tradition nicht verlassen“, sagt Feil. „Aber wir müssen unsere Jungen in der Realität abholen.“

Die ist seit einiger Zeit barfuß unterwegs.

Marcus Mäckler

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