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Die Heiligenfigur des Auferstandenen wird in der Kirche Mariä Geburt in Anzing an Christi Himmelfahrt per Seilwinde nach oben gezogen, wenn Pfarrer Bernhard Waldherr das Evangelium gelesen hat. Diesen barocken Brauch gibt es nur noch in wenigen Kirchen.

Vom Familienprogramm bis zur Wallfahrt

Traditionen an Himmelfahrt: Erst Kirche, dann Vatertag

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München - „Aufgefahren in den Himmel“ – so heißt es im Glaubensbekenntnis. Am Donnerstag wird der Tag gefeiert, der hinter diesen Worten steht: Christi Himmelfahrt. Für manche ist jedoch einfach nur Vatertag. Eine Konkurrenz?

Sanftmütig streckt Jesus seinen rechten Arm zum Segen in die Luft. In der anderen Hand hält er die Siegesfahne. Er trägt einen rot-goldenen Umhang, über seinem Kopf prangt der kreuzförmige Heiligenschein. Im Dach schlagen die Kirchenglocken zwölf Uhr, es duftet nach brennenden Kerzen und dem dunklen Holz der Kirchenbänke. Noch wartet die kniehohe Figur des Auferstandenen in der Ecke auf ihren Einsatz. Doch am Donnerstag wird sie ihren Platz am Taufaltar verlassen und langsam nach oben steigen – dann wird Jesus in den Himmel auffahren.

Selten gewordener barocker Brauch

Für die katholische Gemeinde in Anzing (Kreis Ebersberg) ist der 40. Tag nach Ostern ein großer Feiertag. Denn die Kirche Mariä Geburt gehört zu den wenigen katholischen Gotteshäusern, die noch dem barocken Brauch des Himmelfahrtsaufziehens nachgeht. „Ich lese das Evangelium, danach wird das Erzählte nachgestellt“, sagt Pfarrer Bernhard Waldherr. Und das sieht so aus: Die Heiligenfigur steht im Mittelgang. Am Karabiner hinter dem Heiligenschein ist eine Seilwinde befestigt, an der der Auferstandene hinaufsteigt. Die Kurbel quietscht leicht, Christus dreht sich langsam und schickt so seinen Segen in alle Himmelsrichtungen, bis er schließlich im Heiliggeistloch an der Decke verschwindet und die Gemeinde „Christus fuhr gen Himmel“ anstimmt. „Das hat etwas Meditatives und ist immer wieder schön“, sagt Pfarrer Waldherr.

Vatertag ist keine Konkurrenz

Auch bei der evangelischen Kirche bringt Himmelfahrt die großen Christusfeste zum Abschluss, sagt Johannes Minkus, Kirchenrat und Sprecher des Landeskirchenamts. „Das ist seit früher Zeit her ein großes Fest“, so Minkus. Dass der weltliche Vatertag allerdings auf den selben Tag fällt, sei nie offiziell eingeführt worden. „Wegen mir könnte er auch an einem anderen Tag sein.“ Minkus betrachtet den Vatertag aber nicht als Konkurrenz für Christi Himmelfahrt. „Ich glaube, eine Konkurrenz ist eher, dass bei schönem Wetter viele den Feiertag nutzen, um etwas zu unternehmen.“

Um beides zu verknüpfen, stellen viele Kirchen die Familien bei den Gottesdiensten in den Mittelpunkt. Wie zum Beispiel in der Kirche „Christi Himmelfahrt“ in München-Waldtrudering. „Es ist unser Namenstag und für unsere Pfarrei und mich als Pfarrer ein besonderer Tag“, sagt Pfarrer Theo Seidl. Als die Kirche 1933 errichtet wurde, gab man gerne Namen, die sich auf das Leben Jesu bezogen. „Wir feiern mit einem Festgottesdienst, danach gibt es Essen und für die Kinder Spiele rund um die Kirche“, so Seidl. Deswegen gebe es keinen Grund, gegen reine Vatertagsfeiern zu polemisieren. „Wenn Leute ihren Tag so verbringen wollen, soll uns das recht sein.“

"Vatertagsschießen" auf Asphalt

Das sieht auch Eduard Schwaiger so. Der Vorsitzende des Eisschützenclubs Uffing am Staffelsee (Kreis Garmisch-Partenkirchen) organisiert jedes Jahr das Vatertagsschießen am Asphaltplatz: mit Weißwurst-Frühschoppen, Kartenspielen und Eisstockschießen. „Wir haben das von unseren Vorgängern übernommen“, sagt Schwaiger. In Uffing bleiben die Väter aber nicht unter sich. „Es ist ein Kommen und Gehen von Familien.“ So sei das auch keine Konkurrenz zur Kirche. „Vatertag ist ja Christi Himmelfahrt.“

Traditioneller Kreuzritt

In Scheyern (Kreis Pfaffenhofen) nehmen deswegen auch gerne Vatertagsausflügler am traditionellen Kreuzritt teil. „Die fahren mit ihren Gespannen einfach mit, weil dort viele Leute sind“, sagt Pater Lukas vom Kloster Scheyern. Dabei gehe es primär um den Spaß, so der Pater. Aber eigentlich ist der Kreuzritt eine Flurprozession, bei der die Reliquie des Kreuzpartikels aus Jerusalem eine große Rolle spielt. „Früher gab es den Umritt, damit das Gebiet geschützt ist und die Grenzen markiert sind.“ Wenn die rund 100 Reiter und Pferde den Weg vom Maierhof zum Kloster bestritten haben, werden sie gesegnet.

Kombination von Vatertag und Himmelfahrt

Über 2000 Trachtler pilgern alljährlich an Christi Himmelfahrt zur Wallfahrtskapelle Birkenstein (Kreis Miesbach). „Das ist seit über 70 Jahren Tradition“, sagt Schwaiger, Vorsitzender des Oberlandler Gauverbands. „Wer Vatertag feiern will, kann danach einkehren.“ Das macht auch Schwaiger so – seit über 30 Jahren.

Diese Kombination von Christi Himmelfahrt und Vatertag hält auch Christoph Kappes, stellvertretender Sprecher des Erzbischöflichen Ordinariats, für sinnvoll. „Die ,Herrenpartien‘ zum Vatertag haben sich aus der Brotzeit entwickelt, die es nach der Prozession gab“, sagt er. Somit seien die beiden Feste eng verbunden. Pfarrer Waldherr sagt: „Das einzige, was mich nervt, ist, dass so viele den Feiertag nur noch als Vatertag bezeichnen.“

Susanne Weiss

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