Tragödie in Eichenau: Vater erdrosselt seine Familie

Eichenau - Wolfgang A. hat seine Familie ausgelöscht. Kripo und Staatsanwaltschaft tappen noch weitgehend im Dunkeln. Die Obduktion der Leichen gibt aber erste Antworten.

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Zwei Grablichter brennen vor dem gepflegten Reihenhaus in der Kirchstraße. Blumen liegen auf dem Treppenabsatz. Jemand hat einen kleinen Zettel geschrieben: „Lasst uns nicht vergessen, dass das Leben schön sein kann“, steht dort. Daran konnte sich Wolfgang A. (40) wohl nicht mehr erinnern, als er seine Frau und seine beiden Töchter tötete.

Die Fotos vom Tatort

Familiendrama in Eichenau

Nach dem bisherigen Ermittlungsergebnis war für die Ehefrau Simone A. (42) und für die beiden siebenjährigen Kinder Nele und Mara Strangulieren die Todesursache. Laut tz hatte der Vater ihnen Kabelbinder um die Hälse geschlungen und zugezogen. Beide Kinder hatten zudem Verletzungen im Kopfbereich, laut Polizei hervorgerufen durch „Einwirkung mit stumpfen Gegenständen“. Das heißt, vermutlich prügelte Wolfgang A. auch noch auf die Zwillinge ein. Nachdem er seine Familie ausgelöscht hatte, bereitete der 40-Jährige seinen eigenen Tod vor. Er drehte einen Gas-Kugelgrill bis zum Anschlag auf und legte sich ins Bett. Laut Obduktionsbericht starb Wolfgang A. an einer Kohlenmonoxidvergiftung. „Bei dem Mann wurden optisch keine Beeinträchtigungen festgestellt“, berichtet die Polizei.

Laut Staatsanwaltschaft wurde die Gewalttat „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ bereits am Wochenende verübt. Am Samstag wurden die A.s zum letzten Mal lebend gesehen. Der Arbeitgeber von Simone A. hatte am Dienstag die Polizei verständigt, weil seine Angestellte seit Montag unentschuldigt fehlte. Nachmittags fanden die Beamten dann die vier Leichen, alle in einem anderen Zimmer des Hauses.

Kriminalpolizei sucht weiter nach Hinweisen

Ob der Vater Nele und Mara betäubte, bevor er sie tötete, ist völlig unklar. Auch den genauen Tathergang kennt die Polizei nicht. Laut Sprecher Hans-Peter Kammerer könne man das auch nach der Obduktion noch nicht sagen – alles andere sei reine Spekulation. Einen Abschiedsbrief haben die Beamten nicht gefunden, laut Kammerer suche man noch immer danach. Einen eindeutigen Hinweis zum Motiv der Tat gebe es bislang nicht.

Wolfgang A. arbeitete seit Jahren von daheim aus als freiberuflicher Projektmanager. Er soll zuletzt keinen einzigen Auftrag mehr gehabt haben – doch laut Kammerer gebe es keine Hinweise auf finanzielle Probleme der Familie. Möglicherweise durchlebte das Paar aber auch eine Ehekrise. Sie hatten harte Zeiten hinter sich, denn die kleine Mara litt an Krebs. Die schwere Krankheit schien jedoch überwunden zu sein, beide Schwestern gingen zur Schule.

Die Kriminalpolizei sucht weiter nach Hinweisen, wie es zu der Verzweiflungstat kommen konnte. „Wir befragen die Nachbarn, Angehörige, Freunde und Bekannte – jeden, der uns helfen kann“, so Kammerer. Zudem werden die Spuren in dem Reiheneckhaus weiter untersucht.

„Ein guter Papa macht doch so etwas nicht.“

Unterdessen steht die Gemeinde unter Schock. Das Kriseninterventionsteam des Malteser Hilfsdienst besuchte gestern den Hort der katholischen Schutzengelkirche in unmittelbarer Nähe des Tatortes. Auch die beiden siebenjährigen Zwillinge haben hier gespielt, gebastelt und Hausaufgaben gemacht. Auf einer großen Tafel hätten die Kinder Abschiedsgrüße an Nele und Mara geschrieben und gemeinsam ein Bild gemalt, erzählt der für den Hort zuständige Diakon Ulrich von Wurmb-Seibel.

In einer Schlussrunde habe jedes Kind eine Kerze angezündet und in stiller Andacht der Toten gedacht. Alle Kinder hätten mit großer Betroffenheit auf die Nachricht reagiert. Ein kleiner Bub fasste das Unfassbare in seine eigenen Worte: „Ein guter Papa macht doch so etwas nicht.“

Von D. Plange, J. Mell, S. Weinzierl und T. Schmidt

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