Trauerfeier für verhungerte Sarah in Thalmässing

Thalmässing - Mit einer Trauerfeier will die Gemeinde Thalmässing an diesem Sonntag der verhungerten dreijährigen Sarah gedenken.

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"Statt eines Hauptgottesdienstes wird es eine "Andacht der Stille und Klage" geben", sagte der Pfarrer der St. Gotthard-Kirche, Frank Zimmer, am Freitag. Die Bewohner von Thalmässing (Landkreis Roth) seien geschockt. "Sie fragen sich, wie das in der heilen Welt dieses kleinen Ortes passieren konnte", sagte Zimmer.

Die dreijährige Sarah war unter den Augen ihrer Eltern verhungert. Wegen des bedrohlichen Gesundheitszustands des Mädchens hatten die Eltern am vergangenen Wochenende einen Notarzt gerufen, zwei Tage darauf starb das Kind. Eine spätere Obduktion ergab, dass das Mädchen an Unterernährung gestorben ist. Laut Medienberichten soll Sarah kurz vor ihrem Tod nur noch acht Kilogramm gewogen haben - normal ernährte Kinder ihres Alters wiegen etwa das Doppelte.

Gegen die 26-jährige Mutter und den drei Jahre älteren Vater wird wegen gemeinschaftlichen Totschlags durch Unterlassung ermittelt. Der 29-jährige Lastwagenfahrer sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Dessen Anwalt Jochen Horn erklärte, sein Mandant wolle sich bald gegenüber den Ermittlern äußern. "Voraussichtlich soll es kommende Woche eine Vernehmung geben." Bisher hatte der Vater bei Befragungen der Staatsanwaltschaft keine Angaben zu den Tatvorwürfen gemacht.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Thomas Koch, erklärte: "Wir wissen nur aus der Presse, dass sich der Beschuldigte äußern möchte. Er kann aber jederzeit ein Signal geben, dann wäre zu jedem Zeitpunkt eine Vernehmung möglich."

Sein Mandant sei sehr angegriffen, sagte Horn. "In Gesprächen zeigt er sich erschüttert. Auch die Situation mit seiner Frau setzt ihm zu." Die 26 Jahre alte Mutter von Sarah liegt derzeit mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung auf der Intensivstation einer Klinik. "Eine weitere Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes sei nicht auszuschließen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Haftbefehl gegen sie habe noch nicht vollstreckt werden können.

Über ihren Anwalt ließen Sarahs Großeltern inzwischen mitteilen, dass sie als Nebenkläger auftreten werden. Beide hätten von Anfang an größtes Interesse daran gehabt, "dass die Umstände, die zum Tod ihrer Enkelin Sarah führten, restlos aufgeklärt werden". Die Großeltern hätten mittlerweile als Zeugen ausgesagt, hieß es in einer Mitteilung der Anwaltskanzlei. Wann und Wo der inzwischen freigegebene Leichnam von Sarah beigesetzt wird, war am Freitag noch unklar.

dpa

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