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Wie in einem Film. Ein 48-jähriger soll zum Missbrauch via Internet angestiftet haben.

Details zum Prozess

Philippinin für Missbrauch ihrer Kinder bezahlt: Kinderschänder verurteilt 

Ein 48-Jähriger aus dem Landkreis Altötting soll via Internet einer Philippinin Anweisungen zum Missbrauch Ihrer Kinder gegeben haben. Jetzt wurde er verurteilt.

Update 10. März, 16:59 Uhr: 

Über zwei Jahre chattete er mit „Rosa“. Die Philippinerin missbrauchte gegen Geld ihre eigenen Kinder vor der Webcam - nach den Wünschen des Mannes aus Oberbayern. Nun ist er verurteilt worden.

Traunstein (dpa/lby) - Die philippinischen Kinder sollten sich vor der Kamera ausziehen, tanzen - und erotische Spiele vorführen. Rosa, die Mutter, hatte ihre Kleinen im Internet feilgeboten - für zahlende Kunden, etwa im reichen Deutschland. Ein Mann aus Oberbayern muss dafür nun ins Gefängnis. Das Landgericht Traunstein verurteilte den 48-Jährigen aus dem Landkreis Altötting am Dienstag wegen Anstiftung zum teils schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sowie wegen Besitzes kinderpornografischer Bilder und Videos zu fünfeinhalb Jahren Haft.

Schon zwei Mal war der Mann einschlägig mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und hatte Strafbefehle über je acht Monate auf Bewährung erhalten. Einmal war es Kinderpornografie, ein anderes Mal fasste er seine Tochter an. Die erste Ehe zerbrach. Richter Jürgen Zenkel sprach von einer gewissen Unbelehrbarkeit. Dass der Mann nach weniger als fünf Jahren wieder straffällig wurde, wirkte sich strafverschärfend aus.

Im vergangenen August war der Mann in Untersuchungshaft genommen worden. Die Staatsanwaltschaft Traunstein und das Bundeskriminalamt (BKA) beschrieben die Tat damals als „noch neuen Modus Operandi des „Webcam Child Sex Tourism““ (WCST). Das Verfahren in Traunstein war eines der ersten dieser Art in Deutschland. Die bisherigen Fallzahlen zum WCST seien niedrig, hieß es beim BKA. Es gebe aber wahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer. Das Kinderhilfswerk Terre des hommes in den Niederlanden, das sich mit dieser Form des virtuellen Sextourismus befasst hat, schätzt unter Berufung auf Experten, dass auf den Philippinen Zehntausende Kinder Opfer sind. Allerdings gebe es nur wenige Statistiken. WCST hinterlasse fast keine Beweise.

Das Internet habe dem Mann die Taten erleichtert, sagte auch der Richter. Müsse man als Sextourist in den Flieger steigen, so habe er hier ganz bequem die „Leistung direkt ins Haus“ bekommen. „Die Tatgelegenheiten häufen sich und die Schwelle sinkt“, sagte Zenkel. Das Entdeckungsrisiko sei auch nicht hoch. „Man hat es Ihnen tatsächlich sehr leicht gemacht.“

Teils war es dem Angeklagten zufolge auch Rosa, die das Geschehen forcierte. Es ging um Geld. Zahlungen des Angeklagten über mehr als 3000 Euro für die Dienste listet die Anklage auf. Tatsächlich zahlte der hoch verschuldete Mann aber mehr als 10 000 Euro an Rosa. Sie habe ihm gesagt, sie brauche Geld für die Schule. „Dann habe ich das halt gezahlt“, sagte er vor Gericht. Er habe gedacht, er könne damit helfen. Die Kinder waren zu Beginn der virtuellen Treffen vier bis acht Jahre alt, beim letzten Fall sieben bis elf. Die Kleinste sei aber nicht involviert gewesen, sagte der Mann. Auch seien die von ihm gewünschten Handlungen nur angedeutet gewesen. „Das hat mir gelangt.“

Acht konkrete Fälle listet die Anklage auf. Wahrscheinlich aber trafen sich Rosa und der 48-Jährige im Chat viel öfter. „Hi Baby“ begrüßten sie sich - man kannte sich gut. Das Chatprotokoll, das die Ermittler auf dem Rechner des Mannes fanden, umfasste 110 Seiten. Allerdings geht daraus nicht hervor, ob das, was darin verbal beschrieben war, auch wirklich gleichzeitig vor einer Webcam geschah.

Deshalb war für Gericht und Anklage das Geständnis des Mannes „sehr wertvoll“, wie Staatsanwältin Veronika Ritz sagte. Sie hatte sechseinhalb Jahr verlangt, Verteidiger Axel Reiter hatte auf vier Jahr und acht Monate plädiert. Haupttäterin sei die Mutter, sagte er. Sein Mandant habe Einsicht und Reue gezeigt.

Der Mann, in Handschellen vorgeführt, hatte zu Anfang die Vorwürfe eingeräumt. „Es hat sich leider tatsächlich so zugetragen.“ Er bedaure zutiefst, dass er sich habe hinreißen lassen. Im Gefängnis will er eine Therapie machen. Bisher hatte diese nicht den nötigen Erfolg gebracht. Denn über seine sexuellen Vorlieben sprach er nicht. „Es war mir zu peinlich.“ Am Schluss sagt er unter Tränen: „Ich bin froh, dass das vorbei ist.“ Richter Zenkel wünscht ihm, „dass Sie ein Leben ohne diese Probleme führen können.“ Das nächste Mal wäre die Strafe noch höher.

Rosa, die beschuldigte Mutter, sitzt seit eineinhalb Jahren auf den Philippinen in der Zelle einer Polizeistation. Die Ermittler vermuten, dass der Mann aus Oberbayern nicht ihr einziger Kunde war. Ob und wann ihr der Prozess gemacht wird, ist offen. Unklar bleibt auch, wie es den Kindern geht, ob auch sie therapeutische Hilfe bekommen. In staatlicher Obhut sollen sie sein, sagte ein Ermittler am Rande des Verfahrens.


Update 10. März, 14:16 Uhr: 

Traunstein - Das Landgericht Traunstein hat einen Mann wegen Anstiftung zum sexuellen Missbrauch von philippinischen Kindern via Internet zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 48-Jährige aus dem Landkreis Altötting hatte über mehr als zwei Jahre von zuhause aus mit einer Philippinin gechattet und dabei Anweisungen für den Missbrauch ihrer kleinen Kinder gegeben. Das Gericht sprach ihn auch wegen Besitzes kinderpornografischer Bilder und Videos schuldig, die Ermittler auf seinem Rechner entdeckt hatten.


Update 10. März, 14:04 Uhr: 

Es sind schwere Vorwürfe: Ein Mann aus Bayern soll via Internet mit einer Mutter auf den Philippinen gechattet und dabei Anweisungen für den Missbrauch ihrer drei kleinen Kinder gegeben haben. Zum Prozessauftakt hat der Mann gestanden.

Auf seinem Rechner wurden auch Bilder und Videos gefunden, so dass er auch wegen Besitzes kinderpornografischen Materials schuldig zu sprechen sei, sagte Staatsanwältin Veronika Ritz am Dienstag vor dem Landgericht Traunstein. Die ersten Taten hatte der Mann innerhalb von fünf Jahren nach einer einschlägigen Bestrafung verübt. Sie seien als Anstiftung zum schwerem sexuellen Missbrauch zu werten, so die Staatsanwältin. Zugunsten des Mannes spreche sein Geständnis. Zudem sei er davon ausgegangen, dass das Geld, das er der Mutter überwies, den Kindern für ihren Schulbesuch zugute kommen würde.

Verteidiger Axel Reiter hielt eine Strafe von vier Jahren und acht Monaten für ausreichend. Sein Mandant habe Einsicht und Reue gezeigt. Haupttäterin sei zudem die Mutter.

Traunstein  - Mit einem Geständnis des Angeklagten hat im oberbayerischen Traunstein der Prozess um den ferngesteuerten Missbrauch von philippinischen Kindern via Internet begonnen. Er bedaure zutiefst, dass er sich zu den Taten habe hinreißen lassen, ließ der Mann am Dienstag zum Prozessauftakt über seinen Anwalt erklären. Der 48-Jährige aus dem Landkreis Altötting hatte laut Anklage über mehr als zwei Jahre von zuhause aus mit einer Philippinin gechattet und dabei Anweisungen für den Missbrauch ihrer drei kleinen Kinder gegeben.

Die Kinder mussten den Ermittlungen zufolge vor der Webcam posieren und sexuelle Praktiken nach den Wünschen des Angeklagten ausführen. Dieser soll für die Dienste über die Jahre mehr als 3000 Euro an die Mutter gesandt haben.

Zu Beginn der virtuellen Treffen waren die Kinder vier bis acht Jahre alt. Die Kleinste sei aber nicht involviert gewesen, sagte der Mann. Auch seien die von ihm gewünschten Handlungen vielfach nur angedeutet gewesen. Dem einschlägig vorbestraften Mann wird Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sowie der Besitz kinderpornografischer Bilder und Videos vorgeworfen. Ihm drohen 2 bis 15 Jahre Haft.

Im August 2017 war der Mann in Untersuchungshaft genommen worden. Die Staatsanwaltschaft Traunstein und das Bundeskriminalamt (BKA) schrieben damals vom „noch neuen Modus Operandi des „Webcam Child Sex Tourism““ (WCST). Bilder und Videos sammelte der Mann auf seinem Rechner. Es ist einer der ersten Prozesse um diese Art von Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch in Deutschland.

dpa

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