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Aufgeheizte Stimmung beim Wolf-Krisengipfel - „Bis die Politik entscheidet, schafft er Fakten“

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Von: Mathias Weinzierl, Dominik Göttler

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Auf einer Karte haben die Landwirte Wolfsrisse und -sichtungen der vergangenen Monate dokumentiert.
Auf einer Karte haben die Landwirte Wolfsrisse und -sichtungen der vergangenen Monate dokumentiert. © Effner

Nach einer Reihe von Wolfsrissen im Chiemgau ist die Wut bei den Landwirten groß. Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) stellt sich hinter die Forderung nach einem Abschuss.

Bergen - Eine höchst aufgeheizte Stimmung unter den mehr als 40 Landwirten und Schafhaltern erwartete Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) bei ihrem Besuch am Montagabend in Bergen (Kreis Traunstein*). Nach der zuletzt deutlich gestiegenen Zahl an Weidetier-Rissen, jüngsten Attacken auf eine Ziege in einem Offenstall und dem Video von einem Wolf, der durch den Bergener Ortskern spaziert, fragen sich viele: Was kommt als Nächstes?

Als wichtigste Botschaft stellte sich Kaniber hinter den vom Traunsteiner Landrat Siegfried Walch formulierten Abschussantrag für den Wolf. Sollte die DNA-Analyse der jüngsten Risse auf den gleichen Wolf als Verursacher hindeuten, müsse die sofortige Entnahme möglich sein.

„Meiner Überzeugung nach ist die Rückkehr des Wolfes in so einem eng besiedelten Gebiet nicht machbar“, sagte sie: „Es ist unsere größte Sorge, dass es einen Tourismus in dieser Form dann nicht mehr geben wird. Auch die Almwirtschaft wird nicht mehr möglich sein.“ Kaniber erklärte, die jüngsten Ereignisse in der Region würden von einem „sehr massiven Übergriff“ zeugen. Dass sich das Tier ungezwungen mitten im Ort bewege*, zeige, „dass der Wolf seine Scheu verloren hat“.

Landwirte versehen Wolfssichtungen mit Stecknadeln nach

Auf Einladung des Ortsverbands Bergen des Bayerischen Bauernverbands (BBV) hatte sich Kaniber am Montagabend im Bergener Festsaal den Fragen der Landwirte gestellt. Wie drängend die Situation inzwischen ist, hatten die Landwirte in einer eigens angefertigten Collage deutlich gemacht. Anhand von Stecknadeln und mit Datum versehenen Bildern sind darauf minutiös die Wolfssichtungen und -risse der vergangenen Monate im südlichen Chiemgau zwischen Aschau und Inzell erfasst.

Aktuelle, vom Landesamt für Umwelt bestätigte Tierrisse in Unterwössen am vergangenen Freitag sowie jüngst am vergangenen Sonntag in Marktschellenberg befeuerten die Diskussion zusätzlich. „Es muss jetzt endlich was passieren, im Landkreis stehen 170 bestoßene Almen auf dem Spiel“, sagte BBV-Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer.

Landesamt für Umwelt: Das Tier im Video war ein Wolf

Ein Sprecher des Landesamts für Umwelt bestätigte unterdessen, dass es sich auf dem Handyvideo, das in Bergen aufgenommen wurde, zweifelsfrei um einen Wolf handle. Weitere DNA-Proben nach Rissen in der Region werden derzeit noch ausgewertet. Seit Mitte November liegt der Regierung von Oberbayern der Antrag auf Abschuss des Wolfes im Kreis Traunstein vor. Die Entscheidung steht aus.

Der Bayerische Bauernverband erklärte den Aktionsplan Wolf der Staatsregierung gestern in einer Mitteilung für gescheitert. Die darin vorgeschriebenen umfassenden Analysen würden schnelle Entscheidungen verhindern, hieß es. BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler kritisierte: „Bis die Politik entscheidet, schafft der Wolf bereits Fakten!“ *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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