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Man sieht ihr die (fast) 102 Jahre nicht an: Elisabeth Corell vor ihrem Altenheim.

Die treueste Wählerin Bayerns

Vaterstetten - Am Sonntag feiert Elisabeth Corell ihren 102. Geburtstag. Davor geht sie wählen. Ehrensache. Bei allen 16 Bundestagswahlen zuvor hat sie bereits ihr Kreuzchen gemacht – seit 60 Jahren immer an der gleichen Stelle. Ein Besuch bei der treuesten Wählerin Bayerns.

Die Parteien können soviel plakatieren, wie sie wollen. Kein Grinse-Politiker, keine Wahlwerbung, kein Wahlversprechen, kein CSU-Kugelschreiber, kein FDP-Gummibärchen ändern Elisabeth Corells Meinung. Die Frau ist unbestechlich. Bereits seit 16 Bundestagswahlen. Seit 1949. Sie ist die treuestmögliche Sozialdemokratin. Das Kreuz in der Wahlkabine kommt dahin, wo die Sozen stehen. Basta.

So wird sie es auch am Sonntag machen. „Ich wähle, was ich schon immer gewählt habe.“ Das ist schon zeitlich sinnvoll. SPD, Kreuz, zack, raus dem Wahllokal. Denn gleich danach muss Corell feiern. Sie hat Geburtstag. Der Tisch ist auf halb zwölf reserviert. Es ist Elisabeth Corells 102. Geburtstag. Die Kinder kommen, die Enkel, die Urenkel. Frank-Walter Steinmeier kommt nicht. Ihn wird sie erst gegen 18 Uhr sehen, wenn die 102-Jährige den Fernseher anschaltet, die ersten Wahlprognosen abwartet und schaut, ob sie auch heuer einen Sozialdemokraten zum Kanzler gemacht hat. Bei Brandt, Schmidt, Schröder hat es bereits geklappt.

Es ist nicht so, dass Corell etwas gegen sämtliche andere Parteien hätte. „Seehofer mag ich, Guttenberg ist mir sympathisch“, sagt die fröhliche Frau, die in einem Vaterstettener Altenheim (Kreis Ebersberg) lebt. Beim Namen Stoiber schüttelt sie den Kopf. An ihn kann sie sich nicht mehr erinnern. Stoiberzeit, Steinzeit, längst vergessen. Wer seit 60 Jahren an jeder einzelnen Bundestagswahl teilgenommen hat, hat nicht mehr jeden einzelnen Kanzlerkandidaten parat – auch wenn er noch so ambitioniert war.

Gerade in der Lokalpolitik traut sie aber auch anderen Parteien Kompetenz zu. Symphatisch findet sie Vaterstettens CSU-Bürgermeister Robert Niedergesäß, 38. „Der tut was für die Alten.“ Niedergesäß ist auch der Mann, der den Senioren zum Geburtstag immer die Geschenkkörbe überbringt. Corell hat viel gewählt in ihrem Leben, aber wie schafft man so viele Bundestagswahlen? Öfter mal Schweinsbraten, viel Reisen, keine Diät, kein Sport, keine CSU. So ungefähr lautet Corells Rezept. „Und nicht aus der Rolle fallen“, sagt sie.

Das sollen auch die Sozialdemokraten nicht – und sie stehen unter Beobachtung. Corell schaut Tagesthemen, und sie liest jeden Tag den Münchner Merkur. „Ich fange mit meiner Zeitung vorne an – und höre hinten auf.“ So entgeht ihr nichts. Daher weiß sie, welche neuen Ideen Merkel, Münte, Westerwelle, Steinmeier und Anhang gerade haben. Aber eigentlich kennt sie schon alles. Steuersenkung, Steuererhöhung, Rentenkürzung, Rentenerhöhung – alles schon da gewesen. Wer 1949 bei der ersten Bundestagswahl schon vierfache Mutter war, dem braucht kein Politiker mehr die Welt erklären. Corell wird morgen ihr Kreuzchen machen. So oder so, SPD.

Stefan Sessler

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