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Schluck für Schluck: Viele Senioren brauchen viel Unterstützung, um ausreichend zu trinken. In vielen Pflegeheimen fehlt die Zeit. Doch einige Heimleiter sind bereits kreativ geworden.

Flüssigkeitsmangel mit drastischen Folgen 

Gegen das stille Verdursten: Trink-Initiative für Pflegeheime

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In vielen Pflegeheimen trinken die Senioren zu wenig – besonders an heißen Tagen. Mittlerweile gehen Verantwortliche verschiedene neue Wege, um ältere Menschen zum Trinken zu animieren.

München – Den Pflegekräften fehlt die Zeit, die alle Senioren zum Trinken zu animieren. Der Münchner Pflege-Experte Claus Fussek versucht deshalb seit Jahren, Ehrenamtliche als Trinkpaten zu gewinnen. Doch manche Heimleiter haben andere kreative Lösungen gefunden.

Sohn findet 85-jährige Mutter in kritischem Zustand vor

Dieter Eder (Name geändert) sieht sofort, dass etwas nicht stimmt, als er den Aufenthaltsraum des Pflegeheims betritt. Seine 85-jährige Mutter sitzt zusammengesackt in ihrem Rollstuhl, sie ist nicht ansprechbar. Es ist ein schwül-warmer Tag – und Eder vermutet sofort, dass sie viel zu wenig getrunken hat. Er verständigt den Notarzt, im Krankenhaus erfährt er, dass er Recht hatte. Seine Mutter bekommt drei Infusionen, erst danach stabilisiert sich ihr Zustand.

Der Vorfall liegt ein gutes Jahr zurück. Eders Mutter lebt noch immer in dem Pflegeheim südlich von München. Doch seit damals ist er in ständiger Sorge, dass es noch einmal soweit kommen könnte. Er und seine drei Geschwister besuchen sie zweimal täglich. Sie nehmen sich viel Zeit, fordern sie immer wieder zum Trinken auf, besonders an heißen Tagen. Die Pflegekräfte können das in den meisten Heimen nicht leisten. „Im Trinkprotokoll waren an diesem Tag damals 750 Milliliter eingetragen“, erzählt Eder. „Der Arzt hat mir bestätigt, dass das nie und nimmer sein kann.“ Oft stand im Zimmer seiner Mutter eine volle Teetasse auf dem Tisch, wenn er zu Besuch kam. Sie ist schwer sehbehindert. „Wenn sie die Tasse nicht in die Hand bekommt, kann sie nicht trinken“, erklärt der 45-Jährige. Ihm und seinen Geschwistern bleibt nichts anderes übrig, als selbst dafür zu sorgen, dass ihre Mutter nicht noch einmal wegen Flüssigkeitsmangels in die Notaufnahme muss.

Ehrenamtliche können die Senioren zum Trinken animieren

Doch mehrstündige tägliche Besuche sind nicht für alle Angehörigen möglich. Deshalb plädiert der Münchner Pflege-Experte Claus Fussek schon seit Jahren für Trinkpatenschaften. Nicht nur Familienangehörige, sondern auch Ehrenamtliche könnten seiner Meinung nach die Pflegekräfte entlasten und die Senioren zum Trinken animieren. „Bei vielen alten Menschen muss man einfach dabei bleiben, damit sie trinken“, sagt er. Zum einen, weil das Durstgefühl im Alter nachlasse. „Aber auch deshalb, weil sie Angst haben, nicht rechtzeitig zur Toilette zu kommen.“ Denn auch für diese Hilfe fehlt den Pflegekräften oft die Zeit. Das sei zwar ein schwer hinnehmbarer Zustand – aber in vielen Heimen eben nun mal die Situation, sagt Fussek.

Claus Fussek Pflege-Experte.

Obwohl die Idee der Trinkpaten schon einige Sommer alt ist, ist dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung in Bayern bisher kein Heim bekannt, das die Idee bereits umgesetzt hat. Fälle, bei denen Senioren wegen Flüssigkeitmangels in der Notaufnahme gelandet sind, allerdings schon, berichtet Ottilie Randzio, die leitende Ärztin im Bereich Pflege des MDK. „Wenn alte Menschen zu wenig trinken, lassen erst die kognitiven Fähigkeiten nach, im schlimmsten Fall kann es aber sogar zu Harnwegserkrankungen und Nierenversagen kommen“, erklärt sie. Sie beobachtet das Problem ebenfalls seit vielen Jahren. „Eigentlich müssten es die Pflegekräfte schaffen, dass alle Bewohner genug trinken“, sagt auch sie. „Aber wenn wir schon wissen, dass es nicht so ist, weil es viel zu wenig Pflegende gibt, müssen wir eben neue Wege gehen.“

Heimleiter lassen sich besondere Aktionen einfallen

Einige Heimleiter in Bayern tun das bereits. Zum Beispiel Anke Franke. Sie leitet das Alten- und Pflegeheim Maria Martha Stift in Lindau. „Wir versuchen auf die Trinkvorlieben unserer Bewohner einzugehen, um sicherzustellen, dass sie genug Flüssigkeit zu sich nehmen“, sagt sie. Statt Hagebuttentee aus der Schnabeltasse gibt es im Sommer zum Beispiel frische Säfte oder Bowle. Einmal pro Woche bringt ein Mitarbeiter eine Saftpresse auf jede Etage, sodass sich die Senioren Säfte selbst machen können. Franke hat dafür gesorgt, dass im Heim überall Wasser angeboten wird. „Im Sommer gibt es außerdem viel Obst und Eis.“ All das sind Ideen, die die Pflegekräfte kaum zusätzliche Zeit kosten. Franke ist überzeugt: „Jede Einrichtung könnte das umsetzen.“

Sie selbst könne das Gejammer, dass in Pflegeheimen die Zeit fehlt, nicht mehr hören, sagt sie. Der Stellenschlüssel sei zwar vorgegeben, doch gute Arbeitsbedingungen könne trotzdem jede Heimleitung schaffen. Als sie vor 14 Jahren in Lindau anfing, wurden Bewohner auch noch im Stehen gefüttert. Solche Szenen gebe es bei ihr heute nicht mehr, sagt Franke. „Unser Personal ist geschult und sensibilisiert worden.“ Trotz Zeitdruck nutzen ihre Pflegekräfte jede Gelegenheit, um mit den Senioren anzustoßen oder sie spielerisch zum Trinken zu animieren. Das, sagt sie, ist viel effektiver als ein „Sie müssen trinken.“

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