Triste Zeiten für  bayerische Brauer

Nach dem kalten Frühjahr hat der verregnete Sommer den Bierdurst gebremst. Sorgen bereitet den bayerischen Brauern aber auch der anhaltende Preiskampf im Handel.

Katerstimmung statt Feierlaune: Die allgemeine Aufbruchstimmung in der Wirtschaft nach der Krise geht an Bayerns Bierbrauern bisher vorbei. Im ersten Halbjahr sorgte das lange nasskalte Wetter für ein kräftiges Absatzminus, das sich auch in den wenigen schönen Wochen während der Fußball-Weltmeisterschaft nicht wettmachen ließ. Kopfschmerzen bereitet den Unternehmen aber auch der härter werdende Wettbewerb durch Rabattaktionen im Einzelhandel. Nach dem jahrelangen Abwärtstrend durch den sinkenden Bierkonsum kommt damit weiterer Druck auf den Kessel. Während noch vor etwa fünf Jahren nur etwa ein Fünftel des gesamten Sortiments zu Aktionspreisen im Handel angeboten wurde, ist es inzwischen mehr als die Hälfte, sagt Walter König vom Bayerischen Brauerbund. “Auch traditionsreiche Marken sind davon betroffen.“ Vor allem die großen Discounter heizen den Konkurrenzkampf an.

Was die Verbraucher freuen dürfte, ist den Brauereien gar nicht recht. Angesichts enger Kalkulationen in der Branche bringe diese Abwärtsspirale für manche Unternehmen Probleme mit sich, sagt König. Auch der Handelsverband Bayern (HBE) geht davon aus, dass sich die Rabattschlacht um den Gerstensaft weiter verschärft. “Die Deutschen sind ein Volk von Schnäppchenjägern und achten auf jeden Cent“, sagt HBE-Sprecher Bernd Ohlmann. Das zeige sich gerade beim Billigbier, das in den vergangenen Jahren immer mehr Abnehmer fand. Dabei wurden die Preisnachlässe immer größer. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung in einer aktuellen Studie zum deutschen Biermarkt. Während Billigmarken in den vergangenen Jahren stetig gewachsen seien, stagnierten die Umsätze bekannter Premium-Biere oder gingen zurück, heißt es darin.

Enger könnte es für die Brauereien auch auf der Rohstoffseite werden: Experten fürchten, dass durch die heftigen Wetterumschwünge in den vergangenen Monaten die Gerste knapp werden könnte. “Wir rechnen durch die Hitze mit einer Ertragsminderung von 15 Prozent“, sagt der Pflanzenbaureferent des Bayerischen Bauernverbandes, Matthias Kick. Zuletzt minderte das nasse Wetter zusätzlich die Qualität. Wahrscheinlich werde es insgesamt Ernteeinbußen von 30 Prozent geben. Die Preise sind schon deutlich gestiegen - eine Folge des Trends an den weltweiten Warenterminbörsen, wie der Bauernverband betont: Rund 10 Euro kosteten 100 Kilogramm im vergangene Herbst, jetzt sind es 17 Euro. Kurzfristige Bierpreis-Anstiege müssen die Verbraucher deshalb allerdings noch nicht befürchten, sagt Brauerbund-Sprecher König: Die Unternehmen seien bis ins kommende Jahr hinein mit Gerstenmalz eingedeckt. Kick sieht den Mangel an Braugerste ohnehin als hausgemachtes Problem der Brau- und Malzwirtschaft. “Die Jammerei ist in meinen Augen selbst verschuldet.“

Vor allem die großen Brauereien und Mälzereien importierten billigere Ware aus Argentinien, Australien, Frankreich und Skandinavien. Weil außerdem das Risiko für die Bauern hoch und die Preise verglichen mit anderen Getreidesorten niedrig sind, hätten die heimischen Bauern ihren Anbau von Gerste stetig zurückgeschraubt. “Das Anbaurisiko ist nicht honoriert worden, deswegen gehen die Landwirte raus aus dem Braugerstenanbau.“ Während es 2007 noch 140 000 Hektar Anbaufläche in Bayern gab, sind es heuer noch 104 000 Hektar. Wenn die Qualität nicht stimmt, wird die Gerste zu Futtermittel verarbeitet - und dafür wird weniger gezahlt. Um den Hopfen als zweite unerlässliche Bier-Zutat müssen sich die Brauer dagegen in diesem Jahr weniger Sorgen machen.

Gerade in der kühlen und feuchten Witterung der vergangenen Wochen sei er gut, gediehen, sagt König. Zur Hopfenschätzung in diesen Tagen rechnet der Brauerbund deshalb mit guten Zahlen. Lichtblick für die Branche bleibt zudem das Auslandsgeschäft. Während im Krisenjahr 2009 der Export nur stagnierte, ist die Nachfrage im ersten Halbjahr dieses Jahres wieder gut angelaufen. Vor allem in den liebsten Urlaubsländern der Deutschen wie Italien, Österreich, Frankreich, Portugal und Griechenland wird viel Bier von Herstellern aus dem Freistaat getrunken, aber auch Polen und Russland gelten als zukunftsträchtige Märkte.

dpa

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