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86-Stunden-Einsatz an Ostern: Sea-Eye-Mitglieder verteilen Rettungswesten an Flüchtlinge.

Überlebenskampf im Mittelmeer

Trotz Kritik: Darum rettet „Sea-Eye“ weiter Flüchtlinge

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Regensburg - Am Osterwochenende retteten die freiwilligen Helfer der „Sea-Eye“ 970 Menschen aus dem Mittelmeer. Nicht alle finden das Engagement der Helfer gut – doch die Organisatoren reagieren mit noch mehr Einsatz.

Am Dienstagmittag tuckert die Sea-Eye, ein giftgrüner ehemaliger Fischkutter aus Rügen, gerade zurück nach Malta. Auftanken, in jeder Hinsicht, bevor es am Wochenende wieder hinaus geht. Hinaus aufs Mittelmeer, in die Meeresbucht vor der libyschen Küste, die ungefähr so groß ist wie die Bundesrepublik. Und in der allein in den vergangenen Monaten hunderte Menschen den Tod gefunden haben.

Es liegen ereignisreiche Tage hinter der achtköpfigen Crew. 970 Menschen hat die Sea-Eye an diesem Wochenende aus völlig überladenen Schlauchbooten gerettet, sagt Sprecher Hans-Peter Buschheuer. Für mindestens zehn Flüchtlinge sei aber jede Hilfe zu spät gekommen. Am Ostermontag war das 26 Meter lange Schiff so überfüllt, dass die Crew ein „Mayday“, also ein Notsignal, absetze, mit der dringenden Bitte an die Marine, die rund 200 Menschen von Bord zu holen. „Die Flüchtenden waren zum Teil 36 Stunden ohne Versorgung dicht an dicht an Bord. Das waren keine menschenwürdigen Zustände mehr“, sagt Buschheuer.

Lage am Osterwochenende besonders kritisch

Nachts auf der Sea-Eye: Die an Ostern aufgegriffenen Menschen versuchen sich vor dem Wasser zu schützen.

Denn die Sea-Eye bringt keine Flüchtlinge an Land. Die Crew versorgt die Menschen mit Rettungswesten, entlastet kenternde Boote mit Rettungsinseln und kümmert sich um Verletzte. Und sie setzt Notrufe an die Seenotleitstelle MRCC in Rom ab, die dann die Rettungseinsätze koordiniert und etwa Schiffe der italienischen Küstenwache oder der europäischen Frontex-Flotte schickt.

Dass die Lage am Osterwochenende besonders kritisch wurde, lag an mehreren Faktoren, sagt Buschheuer. Bei anfangs ruhigem Wellengang wagten wieder mehr Flüchtlinge die gefährliche Fahrt über das Meer. Doch dann kam ein Wetterumschwung. „Viele Schlauchboote lagen schräg über Wasser, das bedeutet unmittelbare Lebensgefahr“, sagt Buschheuer. Hinzu kam, dass die Militärschiffe, die auf dem Weg zur Sea-Eye waren, unterwegs selbst so viele Menschen aufgegriffen hatten, dass sie bereits voll waren. So wurde der Einsatz zum Geduldsspiel. Er dauerte 86 Stunden.

„Wir können die Menschen doch nicht dort ertrinken lassen“

Für Buschheuer ist das, was die Helfer im Mittelmeer leisten, eine humanitäre Pflicht. „Wir können die Menschen doch nicht dort ertrinken lassen.“ Es gibt aber auch Kritik an dem Engagement der in Regensburg gegründeten Nicht-Regierungs-Organisation und den gleichgesinnten Helfern im Mittelmeer. Frontex-Chef Fabrice Leggeri sowie Österreichs Außenminister Sebastian Kurz warfen den Seerettern kürzlich vor, sich zu Partnern der Schlepper zu machen. Durch die Aufgriffe nahe der libyschen Küste würden die Schlepper motiviert, immer mehr Flüchtlinge in seeuntüchtigen Booten aufs Meer zu schicken.

Buschheuer will dieses Argument nicht gelten lassen. „Die meisten Menschen haben schon tausende Kilometer Fußmarsch, Folter oder Zwangsprostitution hinter sich. Sie flüchten, weil ihnen die Flucht über das Mittelmeer weniger schlimm vorkommt, als ihre bisherige Situation.“ Und nicht weil sie wüssten, dass sie möglicherweise gerettet und nach Europa gebracht werden. „Wir haben auch nie ausgeschlossen, dass es nicht Registrierungszentren in Afrika geben kann. Es müssten dort aber menschenwürdige Bedingungen herrschen.“

Mehr Freiwillige als je zuvor

Das Problem liege ganz wo anders, sagt Buschheuer. Denn dass die Boote vor allem von der libyschen Küste aus ins Mittelmeer stechen, habe einen Grund. „Offensichtlich lässt die libysche Küstenwache sie durch. Das ist ein schweinisches Geschäft, das sich dort so mancher gut bezahlen lässt.“ Rund 41 000 Flüchtlinge sind nach UNHCR-Angaben in diesem Jahr über das Mittelmeer nach Europa gekommen. Die Zahl der Toten und Vermissten wird auf über 800 geschätzt.

Von der Kritik an ihrem Engagement wollen sich die Helfer deshalb nicht beeinflussen lassen. „Seit wir öffentlich kritisiert wurden, melden sich noch mehr Freiwillige als zuvor“, sagt Buschheuer. Allein in den vergangenen vier Monaten waren es 200. Und auch die Spenden, über die sich Sea-Eye ausschließlich finanziert, reißen nicht ab. Das wollen die Organisatoren nutzen. Im Mai soll ein zweites Schiff in See stechen. Mit dem Seefuchs, einem ehemaligen Forschungsschiff, wollen die Retter ihre Bemühungen gegen das Sterben im Mittelmeer verdoppeln.

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