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Viel zu tun während des Oktoberfests: Bayerns Polizei fehlt der Nachwuchs.

BDK-Landesvorsitzender Wengenmeir

Trotz neuer 300 Stellen: Polizei kritisiert Personalmangel

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München – Bayerns Polizei soll in wichtigen Bereichen stärker besetzt werden. Hans Wengenmeir, Landesvorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK), fürchtet, dass die Umschichtung personelle Löcher aufreißen wird.

München – Bayerns Polizei soll 2016 in wichtigen Bereichen stärker besetzt werden – doch das könnte unerwünschte Nebeneffekte haben. Hans Wengenmeir, Landesvorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK), befürchtet, dass die Umschichtung andernorts personelle Löcher reißen wird. Er glaubt: Auslöffeln müssten das die kleinen Dienststellen.

Insgesamt hat Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fürs kommende Jahr 300 neue Stellen zugesagt. 150 Beamte sollen in der Schleierfahndung arbeiten, je 50 weitere bei Sondereinheiten wie dem SEK, bei der Kriminalpolizei sowie in der Prävention gegen islamistische Radikalisierung (wir berichteten). Diese Stellen sollen mit erfahrenen Leuten besetzt, also aus dem Bestand rekrutiert werden. Wengenmeir sagt, Ersatz für die Basis-Dienststellen sei „nicht mal mittelfristig in Sicht“.

„Diese Zeit müssen wir überbrücken"

Um jede frei werdende Stelle sofort nachzubesetzen, fehlt laut Wengenmeir schlicht der Nachwuchs. Schon jetzt gelinge es zum Beispiel der Bereitschaftspolizei nur gerade so, die Pensions-Abgänger zu ersetzen. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Peter Schall, sieht das genauso. Es werde eine Lücke entstehen; immerhin dauert die Ausbildung junger Polizisten drei Jahre. „Diese Zeit müssen wir überbrücken. Die Dienststellen vor Ort müssen das abfangen.“

Hans Wengenmeir, Landesvorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK).

Im Innenministerium sieht man das Problem nicht. „Sicher gehen wir an die Grenzen unserer Ausbildungskapazitäten“, sagte ein Sprecher. Die Lücken „werden wir aber durch unsere hohen Einstellungszahlen ziemlich schnell schließen können“. Überdies seien in der jüngsten Vergangenheit stets mehr Polizisten ausgebildet worden als in den Ruhestand gingen. 2015 stehen unterm Strich 1005 neue Polizisten 930 Abgängen gegenüber. 2014 war das Verhältnis sogar 1150 zu 720. Und auch die Prognose fürs kommende Jahr sieht gut aus. Das Innenministerium rechnet mit 1400 Neueinstellungen von Polizisten – bei 800 Ruhestandsabgängen: ein Plus von 600 Beamten.

Pensionswellen stehen noch bevor

Beim BDK spricht man von Momentaufnahmen, die das grundsätzliche Problem nicht wettmache. Die großen Pensionswellen stehen noch bevor, allgemein rechnet man mit einem Anstieg der Zahlen bis ins Jahr 2020. Nicht wenige rechnen damit, dass sich das Personal-Problem bis dahin noch verschärfen wird.

Die Not ist dennoch längst zu spüren. Am Freitag machten die GdP-Gruppen Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, Starnberg und Dachau einen Brief öffentlich, in dem sie Personalmangel und Überarbeitung beklagen. Durch die Flüchtlingssituation, schreiben die Autoren, habe sich die Situation noch verschärft. „Wir sind am Limit“, heißt es dort. Ihre eigentlichen Aufgaben könnten sie ohne eine Personalaufstockung nicht mehr erledigen.

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