Trotz 2. Röhre: Ein Bahn-Nadelöhr bleibt

München – Die vielfach belastete Strecke München-Riem bis Markt Schwaben soll nicht viergleisig ausgebaut werden, auch eine auf der Strecke der S 2 angedachte Express-S-Bahn wird gestrichen. Das ergibt sich aus dem neuen Bahn-Bedarfsplan des Bundes.

800 Seiten und ein Minister, der frohlockt: Dass der Bahnknoten München mit seinem Kernvorhaben, dem Bau einer 2. S-Bahn-Röhre, im neuen Bedarfsplan für Bundesschienenwege als bauwürdig eingestuft wird, hat Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) vergangene Woche mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Freilich enthält das Mammutwerk auch unangenehme Überraschungen, die Bahn-Experten in der Region sehr kritisch sehen – zum Beispiel den Verzicht auf den Ausbau eines Nadelöhrs. Der Bund wird, so heißt es im neuen Bedarfsplan eindeutig, auf den Bau von zwei zusätzlichen Gleisen zwischen München-Riem West und Markt Schwaben verzichten. Dieser wäre zum Beispiel für den von Aschheim, Feldkirchen, Kirchheim, Poing und Markt Schwaben geforderten 10-Minuten-Takt der S 2 Voraussetzung. Der Ausbau wäre aber zu teuer, heißt es im Bedarfsplan. „In Anbetracht der beschränkten Kapazitäten“ sei auch eine angedachte Express-S-Bahn von München via Erding zum Flughafen „nicht mehr realisierbar“.

Stattdessen will sich der Bund allein auf den Bau eines zweiten Gleises zwischen Markt Schwaben und Mühldorf konzentrieren und so die Kosten für das Gesamtprojekt von 1,78 auf 1,06 Milliarden Euro drücken. Nur unter dieser Voraussetzung, so heißt es im Bedarfsplan, erhalte der Ausbau der heute durch Regional- und Güterverkehr überlasteten Mühldorfer Strecke den erforderlichen Nutzen-Kosten-Faktor von über 1,0.

Hingegen erklärt der CSU-Verkehrspolitiker Erwin Huber den viergleisigen Ausbau Riem-Markt Schwaben für verzichtbar. „Er ist ja nicht Teil des Bahnknotens München im engeren Sinne“, sagt Huber. Auch das bayerische Wirtschaftsministerium hält den Ausbau für „zunächst“ aufschiebbar. Er solle aber bei der nächsten Fortschreibung des Bedarfsplans 2015 berücksichtigt werden.

Dirk Walter

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