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Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (links) und Tschechiens Regierungschef Petr Necas.

Tschechiens Regierungschef in Bayern

"Neue Epoche der Beziehungen"

München - Bei einer Rede im Landtag im Rahmens seines Bayernbesuchs hat Tschechiens Regierungschef Petr Necas die Vertreibung der Sudentendeutschen bedauert.

Im Rahmen seines Bayernbesuchs hat der tschechische Regierungschef Petr Necas am Donnerstagmorgen eine Rede im bayerischen Landtag gehalten.

Er bedauerte die Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg und erinnerte an das gemeinsame Erbe beiderseits der heutigen Landesgrenzen, wie die dpa berichtet.

München ist im tschechischen Gedächtnis ein sehr belasteter Ort: 1938 stimmten dort England, Frankreich und Italien im Münchner Abkommen der Abtrennung des Sudetenlands zu - ohne dass die Prager Regierung gefragt wurde. „Für die meisten Tschechen bleibt die Stadt München bis heute das Symbol dieser Zerschlagung“, sagt Necas, der als erster tschechischer Ministerpräsident Bayern besucht.

Auch das Thema Vertreibungen am Ende des Zweiten Weltkriegs sparte er nicht aus: Necas bedauert die Vertreibung nicht mit einem persönlichen Satz, sondern einem fast wörtlichen Zitat aus der deutsch-tschechischen Erklärung von 1997. „Wir bedauern, dass durch die Vertreibung und zwangsweise Aussiedlung der Sudetendeutschen nach Kriegsende aus der ehemaligen Tschechoslowakei, die Enteignung und Ausbürgerung, unzähligen Menschen viel Leid und Unrecht angetan wurde.“

Die Zurücknahme der Benes-Dekrete, die die CSU über Jahrzehnte gefordert hatte, lehnt die tschechische Regierung auch heute ab. Man könne nicht in die Zeit vor 80 Jahren zurückkehren, sagte der Tschechiens Regierungschef dazu. Damit blieben die unterschiedlichen Rechtspositionen bestehen, so Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer: "Das ist auch nicht mehr umkehrbar."

Bayern und Prag auf dem Weg zur Annäherung

Der Aussöhnung soll dieser Umstand aber nicht weiter im Wege stehen: Bayern und das frühere Böhmen seien über Jahrhunderte ein gemeinsamer Kulturraum gewesen, sagte Necas. „Unsere gegenseitigen Beziehungen scheinen eine Schicksalsgemeinschaft zu sein, die von Inspiration und Bereicherung, aber auch von Traumata und Vorurteilen geprägt ist“, sagt Necas. Er will „das gegenseitige Vertrauen und die Freundschaft“ stärken. „Lasst uns auf diesem Weg gemeinsam weitergehen, wegen unserer Vorfahren und im Interesse unserer Nachkommen.“

Am Ende erntet Necas begeisterten Beifall auch der Vertriebenen-Funktionäre auf der Zuschauertribüne.

Das Ziel des ersten Besuchs eines tschechischen Premiers in Bayern - die Versöhnung und Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Prag und München - ist damit erreicht: Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer hatte schon am Mittwoch von einer neuen Epoche der Beziehungen gesprochen. Auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) wertete Necas' Rede schon vorher als historischen Augenblick. Nach Jahrzehnten der Trennung, der Sprachlosigkeit und der Vorurteile auf beiden Seiten hätten Bayern und Tschechen wieder zu einem freundschaftlichen Miteinander gefunden.

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