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Der tschechische Vizepremier Pavel Belobrádek (M.) war schon öfter bei den Sudetendeutschen zu Gast, hier 2015 in München mit dem Sprecher der Volksgruppe, Bernd Posselt (re.), und Kultusminister Ludwig Spaenle.

Treffen am Pfingstwochenende

Tschechischer Vizepremier kommt zu den Sudetendeutschen

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Zum 68. Sudetendeutschen Tag in Augsburg kommen am Pfingstwochenende auch hohe tschechische Regierungsvertreter. Unter anderem werde Vizepremier Pavel Belobrádek erwartet, kündigte der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt (CSU), am Freitag in München an.

München– Er sei der bislang ranghöchste tschechische Politiker bei dem Treffen. „Das ist eindeutig ein bedeutender Fortschritt.“ Auch Kulturminister Daniel Herman habe sein Kommen zugesagt.

Herman besuchte schon im vergangenen Jahr das Sudetentreffen in Nürnberg, er war damals von den Sudetendeutschen mit stehenden Ovationen gefeiert worden. Dass nun Belobrádek komme, zeige eindeutig, dass der erstmalige Besuch eines Ministers 2016 „keine Eintagsfliege“ war.

Der Besuch von Belobrádek ist in der Tschechischen Republik umstritten. Im Oktober finden dort Neuwahlen statt, da sind solche Besuche ein Politikum. Der Christdemokrat werde von Nationalisten und Kommunisten angefeindet, berichtete Posselt. Zuletzt hatte der tschechische Außenminister Lubomír Zaorálek, ein Sozialdemokrat, darauf hingewiesen, dass Belobrádek als Repräsentant seiner Partei, nicht jedoch in offizieller Mission, nach Augsburg reisen werde.

Posselt hält das für wenig überzeugend. Wichtig sei aber, dass in Augsburg neben tschechischen Politikern auch mehrere hundert nicht-prominente Tschechen erwartet würden, die an einer Verständigung mit den Sudetendeutschen interessiert seien. Diese Kontakte „werden wir auf Dauer erheblich ausbauen“, kündigte Posselt an. Die Bereitschaft auf tschechischer Seite sei zweifellos vorhanden. So habe in einer Meinungsumfrage erstmals eine Mehrheit in Tschechien die Vertreibung der deutschen Bevölkerung als Fehler bezeichnet. Auch dass der Brünner Stadtrat den sogenannten Todesmarsch von Brünn eindeutig verurteilt habe, sei ein ermutigendes Zeichen. Allerdings seien die Benes-Dekrete, in denen die Vertreibung 1945/46 angeordnet worden war, „leider noch formal in Kraft“, bedauerte Posselt.

Der ehemalige CSU-Europa-Abgeordnete warnte vor Extremisten, denen es darum gehe, „Europa zu zerlegen“. Demgegenüber wollen „wir Sudetendeutsche unseren Beitrag zu mehr Nachbarschaftlichkeit und zur europäischen Einigung leisten“.

Allerdings nicht alle. Posselt kritisierte „Rechtsradikale“ innerhalb der Sudetendeutschen, die seit 2015 die geänderte Grundsatzerklärung und Satzung anfeinden. Damals wurde die „Wiedergewinnung der Heimat“ als Satzungsziel gestrichen. 2016 war die Abstimmung von der Sudetendeutschen Bundesversammlung wiederholt worden – ungefähr drei Viertel stimmten dafür. Die Auseinandersetzung vor Gericht, ob das rechtens war, ist immer noch nicht abgeschlossen. Posselt gab sich am Freitag aber siegesgewiss: „Das wird niemals mehr rückgängig gemacht und wenn wir zehn Mal abstimmen.“

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