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Flüchtlinge in einer Turnhalle (Archivbild).

Problem der Unterbringung

Flüchtlinge in Turnhallen: Kein Platz für Schüler und Vereine

München - Weil zum ersten Schultag viele Turnhallen mit Flüchtlingen belegt sind, müssen Schüler und Vereine ausweichen. So ist die Lage im Moment.

Besonders erholsam waren die großen Ferien für Astrid Barbeau nicht. „Mitte August kam die erste vorsichtige Nachricht vom Landratsamt“, sagt die Schulleiterin. Es dauerte noch einige Tage, aber dann hatte sie Gewissheit: In der Sporthalle des Rainer-Maria-Rilke-Gymnasiums in Icking (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) werden zum Schuljahresbeginn weder die Basketballkörbe noch die Weichbodenmatten zum Einsatz kommen – zumindest nicht für den Sportunterricht. Die Turnhalle wird zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert. „Wir richten Plätze für 80 Bewohner her“, sagt Wolfgang Krause vom Landratsamt. Wann die ersten Asylbewerber einziehen, steht noch nicht fest. „Aber wohl noch im September.“

Icking ist nur ein Beispiel. Bayernweit werden wegen der anhaltend hohen Flüchtlingszahlen wieder Notfallpläne aktiviert, immer mehr Turnhallen werden erneut mit Feldbetten und Bodenschutzmatten zu improvisierten Unterkünften umgestaltet. Das stellt die Schulen und ihre Träger vor eine organisatorische Herausforderung.

In Oberbayern sind die meisten Landkreise betroffen. Kreis Dachau: zwei belegte Hallen. Starnberg: zwei. Weilheim: drei. Ebersberg: drei, eine in Vorbereitung. Kreis München: fünf. Landkreise wie Garmisch-Partenkirchen, wo keine Sporthalle belegt ist, sind die Ausnahme. Dort konnten die Hallen freigehalten werden, weil alternative Unterkunftsmöglichkeiten vorhanden waren. Solche Alternativen wollen jetzt viele Landkreise schaffen. In Dachau und Freising etwa sind Traglufthallen geplant, um die Sporthallen zumindest in wenigen Wochen für den Unterricht frei zu bekommen. Nicht überall wird das gelingen.

In Icking mussten Astrid Barbeau und ihre Kollegen den Stundenplan noch einmal überarbeiten. Die Schulleiterin hat viel telefoniert in den vergangenen Tagen, um Alternativen für ihre Schüler zu finden. Ein Teil des Sportunterrichts soll in die benachbarte Grundschulhalle verlagert werden. Auch mit einer Privatschule in der Nähe stehe man kurz vor einer Einigung. „Wir versuchen, Unterrichtskürzungen möglichst zu vermeiden“, sagt sie. Die Sportstunden sollen stattfinden – wenn auch „nicht am gewohnten Ort und nicht in gewohnter Weise.“ Wolfgang Krause vom Landratsamt ist da nicht ganz so optimistisch. „Wir tun alles, um die Auswirkungen zu kompensieren. Aber ganz ohne Ausfälle wird es wohl nicht gehen.“

Im Kultusministerium wirbt man zwar für Solidarität, verweist aber auf die Eigenverantwortlichkeit der Schulen. Zwar würden belegte Hallen gemeldet, weil aber die Sachaufwandsträger für alternative Planungen zuständig sind, führt das Ministerium keine Statistik. Ein Ministeriumssprecher betont aber: „Bislang melden die Schulen keine großen Probleme. Die Mehrheit hat keine Unterrichtsausfälle.“ Insgesamt seien die Schulen „gut organisiert“.

Der Präsident des Bayerischen Landkreistags Christian Bernreiter (CSU) fürchtet, das eine anhaltende Belegung von Turnhallen für Zorn in der Bevölkerung sorgen wird. „Die Stimmung an der Basis ist, glaube ich, eh etwas anders als öffentlich dargestellt. Wenn nun Schulen und Vereine in den Winter hinein die Hallen nicht nutzen können, dann kriegt man Widerstand.“ Auch er setzt in seinem Landkreis Deggendorf auf Traglufthallen zur Entlastung, seit Ende der Woche ist die bislang belegte Klosterturnhalle in Metten frei. Noch könne man die Belastungen stemmen – „aber wir brauchen dringend eine klare Linie aus Berlin“. Die vermisst Bernreiter bisher.

In Icking zeigen die Eltern bislang Verständnis, sagt Schulleiterin Barbeau. „Der Elternbeirat hat wirklich konstruktiv mitgeholfen, alle waren offen.“ Weil alle Seiten beteuern, dass es sich nur um eine Übergangslösung handelt. Aber was, wenn das Provisorium zwangsläufig zur Dauerlösung wird? Daran will im Moment niemand denken. Barbeau geht derzeit von sechs bis neun Monaten aus. Die Busfahrt in die benachbarte Grundschulhalle in Icking dauert nur wenige Minuten. Dennoch: Das tägliche Pendeln zum Sportunterricht soll nicht zur Regel werden.

Alle aktuellen Informationen zur Flüchtlingskrise in München und Bayern finden Sie in unserem Ticker.

Von Dominik Göttler

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