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Mit einer schweren Gehirnerschütterung, einer ausgekugelten Schulter und mehreren Knochenbrüchen kam Peter Meding nach der Prügel-Attacke ins Krankenhaus. Heute steht der 50-Jährige vor einem großen Schuldenberg, weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll.

Peter Meding

Tutzinger S-Bahn-Retter soll ins Gefängnis

Traubing - Peter Meding hat Zivilcourage gezeigt und Kinder vor gewalttätigen Jugendlichen beschützt. Dabei wurde er selbst verprügelt, ist seitdem arbeitsunfähig. Wegen einer Lappalie steht ihm nun der Gang ins Gefängnis bevor.

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Brutal hatten der damals 22-jährige Jürgen F. und sein Kumpel Daniel H. (18) Peter Meding im Februar 2008 verprügelt. Aus Rache, weil Meding sich einmischte, als sie eine Gruppe von Kindern provozierten. Meding leidet noch heute unter den Folgen des Übergriffs, kann seinen Beruf als Veranstaltungstechniker aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben und hat einen hohen Schuldenberg aufgehäuft, unter anderem weil die Arbeitsgemeinschaft für Beschäftigung (Arge) ihm das Arbeitslosengeld gestrichen hat.

Die Täter wurden nur zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Zwar ging die Staatsanwaltschaft in Berufung, bislang hat sich dahingehend aber noch nichts getan. Auch Medings Schmerzensgeldklage über 160 000 Euro ist noch offen.

Das Opfer selbst soll jetzt aber den Gang ins Gefängnis antreten: Weil er einen Bußgeldbescheid über 1500 Euro nicht bezahlen kann, droht ihm eine 60-tägige Haftstrafe. Der Grund: Meding war vor einem Jahr mit einem nicht zugelassenen Traktor in der Gegend von Paderborn gefahren. Den Bußgeldbescheid konnte er aufgrund seiner Schuldensituation nicht begleichen, im Januar fand daraufhin eine Gerichtsverhandlung statt. Weil er noch immer kein Geld hat, flatterte jetzt der Bescheid des Amtsgerichts Paderborn ins Haus, er müsse nun eben für 60 Tage ins Gefängnis in Landsberg am Lech. Doch damit noch nicht genug: Die Arge drohte dem 50-Jährigen, ihm zum Monatsende seine Wohnung in Traubing (Landkreis Starnberg) aufzukündigen. Wie es jetzt für ihn weitergehen soll? „Gute Frage, nächste Frage“, sagt der 50-Jährige mit einem bitteren Lachen.

Es kommt also knüppeldick für einen Mann, der Zivilcourage zeigte und eigentlich ein Held sein sollte. Stattdessen ist sein Leben aus den Fugen geraten, statt Hilfe von Seiten der Behörden zu erhalten, wollen diese ihn ins Gefängnis schicken.

Auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte der Leiter der Staatskanzlei, Siegfried Schneider (CSU), gestern, sich den Fall Peter Meding genau anzuschauen und zu prüfen, inwieweit hier ein Zusammenhang zwischen der Tat und dem späteren persönlichen Schicksal besteht. Schneider erklärte aber, dass niemand, der einen Dienst für die Gesellschaft geleistet habe, durch dabei entstandene Schäden benachteiligt werden dürfe. „Wir sollten gerade Menschen, die durch ihren Mut ein Zeichen setzen, dann, wenn sie Schwierigkeiten haben, auch unterstützen.“

Schneider stellte auch gleich eine Überlegung an, wie solchen Menschen zu helfen sein könnte. „Wir sollten durchaus überlegen, ob wir nicht eine Art Fonds zur Verfügung stellen“, sagte der CSU-Politiker.

von Melanie Maunz und Matthias Kristlbauer

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