Sie kämpfen um ihr leben: Noah (20) aus Freising und Niclas (16) aus Kirchdorf. 

Typisierungsaktionen

Drei Jugendliche hoffen auf Lebensretter

  • schließen

Freising/Moosach - Es ist ein tragisches Schicksal, das drei Jugendliche in Oberbayern verbindet. Noah (20), Niclas (16) und Lucas (18) suchen einen Stammzellenspender. Für jeden der drei ist die Spende lebenswichtig.

Drei Jugendliche aus Oberbayern kämpfen um ihr Leben. Für zwei von ihnen fand in Freising gestern eine Pressekonferenz statt, um möglichst viele Menschen zu erreichen, die sich typisieren lassen. Dass es Tränen bei einer Pressekonferenz gibt, ist nicht alltäglich. Doch als die Eltern der schwer kranken Jugendlichen erzählten, wie es den Familien nach der Diagnose geht und wie tapfer ihre Kinder diese schwere Zeit meistern, mussten alle Anwesenden um Fassung ringen.

Der 20-jährige Noah und seine Familie wurden bereits 2009 von der erschütternden Diagnose aus der Bahn geworfen. Er war 13 Jahre alt, als die Ärzte bei ihm Leukämie feststellten. Noah kämpfte, nach einem Jahr hatte er den Krebs besiegt und galt als geheilt. „Er hat ein Jahr seiner Jugend verloren“, sagt sein Vater Clemens Rock. Am 3. Dezember 2016 traf die Familie erneut der Schicksalsschlag. Noah hatte plötzlich starke Schmerzen. Im Klinikum Großhadern bestätigte sich der schreckliche Verdacht: Der Krebs ist zurückgekehrt.

Familie Kiepe aus Kirchdorf (Kreis Freising) trifft die Diagnose ebenfalls völlig unvorbereitet. Nachdem der 16-jährige Niclas morgens auf dem Weg zur Schule im Bus ohnmächtig wurde, stellte ein Arzt fest, dass seine Blutwerte sehr schlecht sind. So schlecht, dass Niclas sofort in die Haunersche Kinderklinik eingewiesen wurde. Der erste Verdacht: Leukämie. Nach einer Knochenmarkpunktion stand fest, dass es nicht Blutkrebs ist. Von seinen Eltern Sonja und Olaf Kiepe fiel eine tonnenschwere Last ab – bis sie in die besorgten Gesichter der Ärzte blickten und wussten, dass die Diagnose schlimmer sein könnte als befürchtet. So ist es auch. Einige Wochen später stand fest: Niclas leidet an MDS – das Myelodysplastische Syndrom. In seinem Knochenmark werden zu wenig funktionstüchtige Blutzellen gebildet. Auch ihn kann nur eine Stammzellenspende retten.

Für beide Jugendliche hat die Stiftung Knochenmarkspende Bayern (AKB) am 18. Februar eine Typisierungsaktion an zwei Orten in Freising organisiert. Im Landkreis Ebersberg findet am selben Wochenende ebenfalls eine Typisierungsaktion statt. Dort geht es um das Leben des 18-jährigen Lucas aus Moosach. Auch er ist an Leukämie erkrankt. Er hat Untersuchungen und Chemotherapien hinter sich. Doch auch für ihn hängt alles davon ab, dass der richtige Stammzellenspender gefunden wird. Die Moosacher Feuerwehr, bei der er Mitglied ist, hat die Typisierungsaktion für ihn organisiert.

Lucas (18) aus Moosach ist an Leukämie erkrankt.

„Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt“, sagt Niclas’ Vater Olaf Kiepe, der um Fassung ringen muss, wenn er über das Schicksal seines Sohnes spricht. Die große Hilfsbereitschaft tut den Familien gut, sie hilft ihnen, nun nach vorne zu schauen. „Wir schaffen das zusammen“ – davon ist Niclas inzwischen überzeugt.

Einer der weiß, wie viel Kraft man aus der Solidarität schöpfen kann, ist Vincent Kammerloher. Der heute 25-Jährige hat Dank einer Stammzellenspende die Leukämie besiegt. Inzwischen hat er seinen Lebensretter von damals kennengelernt. „Vor meiner Transplantation hatte ich zwei Brüder. Heute habe ich einen dritten“, sagt er. Kammerloher wünscht den drei Jugendlichen, dass auch sie ihren Seelenverwandten finden. Ihren Lebensretter.

Claus Schröcker und Martin Prankl wissen, wie es ist, Lebensretter zu sein. Beide sind bei der AKB registriert und haben totkranken Menschen ein zweites Leben geschenkt. „Es ist ein Klacks im Vergleich zu dem, was die Patienten und Familien aushalten müssen“, sagt Martin Prankl. Und Claus Schröcker ergänzt: „Das Gefühl, dass jemand mit deinen Stammzellen weiterleben kann, ist einfach unbeschreiblich.“

Die Typisierungsaktion

Die Typisierungsaktion für Noah und Niclas aus dem Kreis Freising hat die Stiftung Knochenmarkspende Bayern organisiert. Sie findet am Samstag, 18. Februar, von 10 bis 16 Uhr an zwei Orten statt: im Foyer des Wissenschaftszentrums Weihenstephan (Gregor-Mendel-Straße 2) und in der Aula des Josef-Hofmiller-Gymnasiums. Spenden können alle zwischen 17 und 45 Jahren. Was den Eltern der Betroffenen sehr wichtig ist: Eine Erkältung ist kein Hindernis, man muss nicht 100 Prozent fit sein, um sich typisieren zu lassen. Die Typisierungsaktion für Lucas organisieren seine Kameraden von der Feuerwehr. Sie findet am Sonntag, 19. Februar, von 11 bis 16 Uhr in der Rudolf-Obermayr-Halle in Moosach im Landkreis Ebersberg statt. Die Stiftung Knochenmarkspende Bayern hat für Niclas und Noah außerdem Spendensammlungen organisiert. Die Kontodaten sind: IBAN: DE55 7025 0150 0022 3946 13, Verwendungszweck „Niclas/Noah-Freising“. Das Spendenkonto der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) lautet DE86 7009 1500 0100 6068 80, Stichwort: „Lucas“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auto stürzt in die Donau - Fahrerin tot
Ein Auto ist im Kreis Dillingen in die Donau gefahren. Taucher fanden am Samstagnachmittag die Fahrerin im Wageninneren.
Auto stürzt in die Donau - Fahrerin tot
Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen
Es ist das größte Hüttenbauprojekt, das die Alpenverein-Sektion Oberland je in Angriff genommen hat: Ab September wird die Falkenhütte im Karwendel für 6,3 Millionen …
Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen
Gefahr für Schwammerlsucher - Bereits 200 Anrufe bei Giftnotruf
Der nasse Sommer lässt die Pilze sprießen. Kundige Sammler füllen ihre Körbe für einen leckeren Schmaus. Doch gleichzeitig vergiften sich immer wieder Menschen.
Gefahr für Schwammerlsucher - Bereits 200 Anrufe bei Giftnotruf
News-Ticker: Diesen Münchner im Himmel brachte der Orkan in Schieflage
Ein Unwetter war angekündigt worden - doch es kam heftiger als befürchtet. Orkanböen und dicke Regenwolken sind über Bayern hinweggezogen und haben deutliche Spuren …
News-Ticker: Diesen Münchner im Himmel brachte der Orkan in Schieflage

Kommentare