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Zertrümmerter Kiefer, gebrochene Jochbeine und Augenhöhlen: Der Vater hat die Verletzungen von Alex (36) noch am Tag der Tat in der Klinik dokumentiert.

Prügelopfer von Regensburg: So brutal wurde ich zugerichtet

Regensburg - Er wurde innerhalb von 40 Sekunden ins Koma geprügelt: Nach der unfassbaren Prügelattacke vor der McDonald's-Filiale in Regensburg spricht jetzt das Opfer.

Die Bilder, die die Überwachungskamera vor der McDonald’s-Filiale in der Regensburger Defreggerstraße aufgezeichnet hat, sind von kaum fassbarer Brutalität. Da liegt ein Mann auf dem Boden, auf den zwei andere eindreschen, als ob sie von Sinnen wären. Sie stiefeln ihn, treten ihm ins Gesicht und in den Bauch und sie prügeln mit Fäusten auf ihn ein. 40 Sekunden dauert die Gewaltorgie – dann flüchten die eiskalten Schläger. Ihr Opfer Alex S. (Name geändert) haben sie ins Koma geprügelt. Hilflos überlassen sie den 36-Jährigem seinem Schicksal.

Die grausamen Bilder der Überwachungskamera

Opfer ins Koma geprügelt: Fahndung mit Videobildern

Das war um 4 Uhr morgens am 2. Weihnachtsfeiertag – inzwischen ist Alex S. wieder zuhause. Dass er überlebt hat, verdankt er den Ärzten am Regensburger Uniklinikum. Wie schwer er verletzt wurde und was er über die Täter denkt – das berichtete Alex S. jetzt der tz.

Alex’ Mutter kann nicht fassen, dass man ihren Sohn halb tot geschlagen hat

Das Sprechen fällt dem 36-Jährigen noch schwer und nach elf Tagen im Koma hat Alex S. auch noch große Probleme, sich zu konzentrieren. Und trotzdem erscheint es – wenn er seine Verletzungen auflistet – wie ein Wunder, dass er jetzt überhaupt im Haus seiner Eltern in Schierling (Kreis Regensburg) auf der Couch liegen und erzählen kann: Die Stiefeltritte haben seinen Kiefer zertrümmert, Zähne abgebrochen und die Mittelgesichtsknochen (das Jochbein links und rechts) regelrecht zersplittert. „Normalerweise“, sagt Alex S., „hat ein Mensch vier Gesichtsfelder, ich hab’ jetzt sechs!“ Sogar die Knochen der Augenhöhle mussten die Ärzte mit Titanplatten verschrauben. Auf dem linken Auge sah Alex zunächst nur Schatten, auf dem rechten Auge Doppelbilder. „Die Täter haben ihm auch das Knie ins Auge gerammt“, erklärt dazu sein Vater. Aber die schwerste Verletzung ist seinem Sohn gar nicht anzusehen. Denn als Alex ins Krankenhaus eingeliefert wurde, machte den Ärzten vor allem die Lunge Sorgen! Durch die brutalen Tritte wurden offenbar Speisereste aus dem Magen in die Lunge gedrückt. Die Folge: eine Lungenentzündung und akutes Lungenversagen. Nur der Einsatz einer künstlichen Lunge rettet ihm das Leben.

An die furchtbare Attacke, die 40 Sekunden die sein Leben veränderten, hat Alex keine Erinnerung. Der 36-Jährige war in dieser Nacht mit einem Bekannten unterwegs. Im Kulturtheater „Gloria“ hörte man Musik aus den 90er Jahren. Um vier Uhr morgens gingen die zwei dann noch auf einen Kaffee zu McDonald’s. Dann passiert es: Als sie das Schnellrestaurant verlassen, werden sie von einem Trio angepöbelt. Alex’s Bekannter wird über ein am Eingang stehendes Fahrrad gestossen und Alex? „Ich glaube, ich wollte ihm helfen …“

Der 36-Jährige hat keine Erklärung für das, was passiert ist. Er mag Menschen, setzt sich gern für andere ein. Schon in der Schule als Schülersprecher. „Es gibt niemanden, der ihn nicht mag“, sagt sein Vater. Und den Alex nicht mag. Auch nach dieser Tat. Hass ist Alex fremd.

Dabei hat ihn die brutale Attacke einer großen Chance beraubt. Am 1. Januar hätte der 36-Jährige, der einen Telefon-Shop leitet, einen neuen Job antreten sollen („Mit mehr Möglichkeiten und mehr Gehalt“). Doch da lag Alex im Koma. Ob’s noch klappt mit der neuen Herausforderung hängt davon ab, ob Alex wieder ganz gesund wird. Noch stehen einige Operationen und Heilbehandlungen aus – und noch ist Alex viel zu schwach: Mal schafft er an einem Tag sich 30 Minuten, mal für eine Stunde zu konzentrieren – für mehr reicht die Kraft nicht. Auch Essen mag er kaum. „Es schmeckt ihm nichts“, erklärt sein Vater, „er hat seinen Geschmackssinn verloren.“ Den Optimismus hat die Familie aber nicht aufgegeben. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hätte es Alex’s Leibspeisen gegeben: Rouladen und Hasenbraten. Die Eltern haben seine Portionen eingefroren.

WdP

80 Hinweise, aber keine heiße Spur

Mehr als 10 000 Mal wurde das Video, das die brutale Tat zeigt, bisher auf der Homepage der Bayerischen Polizei angeklickt, mehr als 80 Hinweise gingen dazu bei der 20-köpfigen Ermittlungsgruppe ein, doch bisher fehlt von den Tätern eine heiße Spur. Allerdings ist die Polizei zuversichtlich, dass man die drei Täter, die russisch gesprochen haben sollen, bald schnappt. Auch Opfer Alex S. und sein Vater glauben an den Fahndungserfolg der Polizei. „Irgendwann“, so ihre Vermutung, wird man den schnappen, der auf den Fotos gut zu erkennen ist. Der muss ja irgendwann einmal aus seinem Loch kommen – und dann kriegt hat man auch die beiden anderen.“ In Regensburg wurden über 3000 Fahndungsplakate verteilt. Das LKA hat eine Belohnung von 2000 Euro für die Klärung des Verbrechens ausgesetzt. Hinweise an die Kripo Regensburg, Telefon: 09 41/506 28 88.

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