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Wurde der weiße Rehbock von einem Auto überfahren?

Mystisches Tier sollte erschossen werden / Michael Aufhauser will verbliebene Rehe retten

Überfahren? Der weiße Rehbock ist tot

Obernzell - So mystisch sein Leben war – so geheimnisvoll ist sein Tod. Gleich einer Sagengestalt lebte in Obernzell, mitten im Naturpark Bayerischer Wald, ein schneeweißer Rehbock.

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Rettet den weißen Rehbock

Kein Jäger traute sich bis vor kurzem, ihm den tödlichen Flintenschuss zu geben, denn eine Legende erzählt: „Der Jäger, der ein weißes Reh schießt, stirbt innerhalb eines Jahres.“ Just diese Woche wollte ihn aber ein Trophäen-Jäger schießen. Doch offenbar ließ sich der Tod die Zügel nicht aus der Hand nehmen – kein Jäger sollte den Bock kriegen: Er wurde von einem Auto überfahren – das erzählt man sich zumindest…

„Bei uns herrscht dieser Aberglaube, keiner schießt ein weißes Reh“, sagt Jäger Richard Hirsch (56), der zusammen mit Jagdpächter Hans Urmann (65) das Revier betreut, in dem der Bock lebte. Zwölf Jahre alt durfte das wunderschöne Tier deshalb werden. Doch dann hatte es Urmann verkauft – an einen Trophäenjäger, der es schießen und den schneeweißen Kopf an die Wand nageln wollte.

Ein Fall für Michael Aufhauser! Der Tierschützer mit großem Herzen setzte alles daran, den Bock vor dem Todesschuss zu retten. Er bot an, ihn ins große Reh- und Hirschgehege von Gut Aiderbichl in Kärnten zu bringen oder ihn als Tierpate in seinem Heimatwald im Bayerischen Wald leben zu lassen.

Tagelang bangten die tz-Leser, ob es klappen würde, ob der Augsburger Jäger zustimmen würde, oder ob er auf den Todesschuss bestehen würde. Am Montag nun meldete Jagdpächter Urmann: „Der Bock ist überfahren worden.“ Er brauche nur noch eine letzte Bestätigung, dass es auch dieser eine Rehbock war. Wurde er vielleicht doch bereits heimlich geschossen – oder lebt er gar noch?

Das mit Sicherheit zu sagen, ist schwierig, denn: „Das Revier ist 1200 Hektar groß. Momentan wandern die Tiere, sie suchen nach neuen Territorien“, sagt Jäger Hirsch. Er könnte zum großen Retter werden. Denn es gibt in Obernzell noch weitere weiße Rehe – die verbliebene Familie des Bocks. Die soll Hirsch nun mit dem Betäubungsgewehr schießen und nach Aiderbichl bringen.

Zwei „Jährlinge“ sollen es sein, die im letzten Jahr geboren wurden, dazu eine weiße Rehgeiß und ein weißes Kitzlein. Werden wenigstens sie ein Leben ohne Angst auf Gut Aiderbichl haben? Hirsch sagt: „Es ist machbar.“ Allerdings könne es Monate dauern, bis er die Tiere erspäht und sich auf die nötigen 30 bis 40 Meter Distanz nähern kann, um sie zu betäuben.

Sie können überall sein, die weißen Rehe von Obernzell. Der Mais steht schon hoch, der niederbayerische Wald ist tief und dunkel. Wir sind gespannt, wohin ihre Wege noch führen werden.

Andrea Stinglwagner

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