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Bernhard Gaßner überlebte den Horror von Bad Aibling. Er kämpft sich Schritt für Schritt in die Normalität zurück.

Beim Zugunglück starben zwölf Menschen

Überlebender von Bad Aibling: „Ich weiß, dass ich es schaffe“

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Bad Aibling - Bernhard Gaßner überlebte den Horror von Bad Aibling. Er kämpft sich Schritt für Schritt in die Normalität zurück.

Der 9. Februar des abgelaufenen Jahres hat unsagbares Leid über Dutzende Familien gebracht. Es war der Tag, als zwei Meridian-Züge bei Bad Aibling ineinanderrasten. Die Bilanz war grausam: Zwölf Männer starben in den Trümmern, 89 Menschen verletzten sich bei dem Zugunglück teils schwer. Einer von ihnen ist Bernhard Gaßner aus Flintsbach am Inn – wie durch ein Wunder überlebte der Familienvater den verheerenden Zusammenstoß. Am Ende des Jahres schaut der Lagerist wieder mit Zuversicht auf sein Leben. Nach vielen Operationen und Wochen im Krankenhaus sagt der 39-Jährige: „Ich weiß, dass ich es schaffe.“

Jeden Tag macht Bernhard Gaßner Fortschritte. „Manchmal kleine, manchmal große.“ Mit Krücken kann der 39-Jährige inzwischen schon ein paar hundert Meter auf den Wegen rund um sein Wohnhaus in Flintsbach spazieren gehen. „Das bedeutet Freiheit für mich“, sagt der gebürtige Rosenheimer. „Ich möchte so schnell wie möglich wieder zu meiner Arbeitsstelle bei der Firma Mayle & Fellermeier. Die haben das ganze Jahr zu mir gehalten. Dafür bin ich so sehr dankbar.“

An den Morgen des 9. Februar kann sich Bernhard Gaßner nur schemenhaft erinnern. „Vom Crash selbst weiß ich nichts“, sagt der Lagerist, der damals auf dem Weg zu seiner Arbeit in Heufeld war. Als um 6.48 Uhr die zwei Züge bei voller Fahrt ineinanderkrachten, saß Bernhard Gaßner im ersten Waggon des Rosenheimer Zugs. Er wurde durch den Meridian geschleudert.

Die Kopfverletzung, die er dabei erlitt, war so schwer, dass er das Bewusstsein verlor. „Erst zehn Stunden später bin ich im Krankenhaus aufgewacht.“ Mit einem aufgeschlitzten Kopf, einem zertrümmerten Bein und einem Körper voller Schnittwunden und Prellungen.

Sechs Wochen konnte er das Krankenhaus nicht verlassen. Es folgte eine monatelange Reha. Kraft in dieser schweren Zeit gaben ihm seine Frau und seine beiden Töchter im Teenager-Alter: „Sie haben mir immer so viel Mut gemacht.“

Bernhard Gaßner hat viel Zeit gehabt, über das Unglück nachzudenken – und über das Glück, das ihm widerfahren ist. „Mir hat jemand mal gesagt, ich war der Einzige im ersten Wagen, der überlebt hat.“ Für den kürzlich verurteilten Fahrdienstleiter Michael P. (40) hat der Flintsbacher indes kein Verständnis. „Handyspielen geht gar nicht. Das ist unverantwortlich!“ Wäre das Unglück nicht an jenem Faschingsdienstag, sondern während der Schulzeit passiert – Bernhard Gaßner möchte darüber gar nicht nachdenken. „Die Züge wären gesteckt voll gewesen – und die Zahl der Toten und Verletzten viel höher.“ Deshalb ist Bernhard Gaßner auch mit dem Urteil von drei Jahren und acht Monaten nicht zufrieden. „Es hätte die Höchststrafe von fünf Jahren geben sollen.“ Für das neue Jahr wünscht sich Bernhard Gaßner, dass der Knochen in seinem Bein endlich zusammenwächst. Damit er wieder ohne Krücken gehen kann…

Das Zugunglück von Bad Aibling am 9. Februar 2016

Das Zugunglück von Bad Aibling gilt als eines der schwersten in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Beim Frontalzusammenstoß zweier Meridian-Züge am 9. Februar dieses Jahres starben zwölf Menschen, fast 90 wurden teils lebensgefährlich verletzt. Um 6.48 Uhr waren am Stadtrand von Bad Aibling auf eingleisiger Strecke die zwei Züge ineinandergerast. Ein Triebwagen wurde aus dem Gleis geworfen, der andere bohrte sich in einen Waggon des anderen Zuges, schlitzte diesen regelrecht auf.

Noch am Abend wurde bekannt, dass das Unglück auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. Im November stand der verantwortliche Fahrdienstleiter Michael P. (40) wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht – er wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Beim Prozessauftakt hatte der Fahrdienstleiter schwere Fehler eingeräumt. Er habe ein Sondersignal gegeben, das er nicht hätte geben dürfen, und einen Notruf falsch abgesetzt, ließ der Angeklagte über seine Anwältin mitteilen. Eine Bewährungsstrafe war für das Landgericht Traunstein nicht infrage gekommen. Zu viele Fehler hatte der Fahrdienstleiter von Bad Aibling gemacht.

Im Urteil heißt es, der 40-Jährige sei zwar kein schlechter Mensch – aber dennoch für den Tod von zwölf Menschen verantwortlich. Das Gericht lastete ihm besonders die Nutzung seines Smartphones an, auf dem er am Unglücksmorgen während der Arbeit intensiv ein Fantasiespiel gespielt hatte. Davon abgelenkt hatte der Fahrdienstleiter laut Urteil mehrere Signale im Stellwerk falsch gestellt. Beim Absetzen eines Notrufes drückte der 40-Jährige zu allem Unglück auch noch eine falsche Taste. Der Alarm erreichte die Lokführer nicht. Der Frontalzusammenstoß auf eingleisiger Strecke war daraufhin nicht mehr zu verhindern.

JAM

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