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Emsiger Jungforscher: Bei den Kindergärten ist Deutschland überdurchschnittlich gut, sagt die OECD.

Lob für unsere Kindergärten

München - Wo viel Schatten ist, ist auch Licht: Die OECD hat ihren jährlichen Bildungsbericht vorgestellt und Deutschland dabei erwartungsgemäß soziale Schieflagen attestiert. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Vorweg das Negative: Ein sozialer Aufstieg durch bessere Bildung ist in Deutschland nach wie vor schwer. Der OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“ hat erstmals die Bildungsmobilität zwischen den Generationen untersucht – und kommt zu ähnlichen Resultaten, wie sie auch in den Pisa-Studien der vergangenen Jahre festgestellt wurden. Demnach erwerben in Deutschland nur 20 Prozent der jungen Erwachsenen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern. Im OECD-Schnitt sind es 37 Prozent. Hingegen erreichen 22 Prozent der jungen Menschen nicht das Bildungsniveau ihrer Eltern – im OECD-Schnitt sind es nur 13 Prozent.

Besonders Großbritannien, Frankreich, aber auch Italien und Polen verzeichnen hingegen hohe „Bildungs-Aufsteigerraten“.

„Mich wundert der Befund“, kommentierte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle, der von den Ergebnissen bei einer Reise in Israel überrascht wurde. Er hat andere Daten – die jüngste Studie „Bildung in Deutschland 2012“ kam nämlich zu genau dem entgegengesetzten Befund. Hinzu komme: Sozialer Aufstieg finde „nicht nur über Bildung statt“, so Spaenle. Die OECD vernachlässige die persönliche Entwicklung im Berufsleben.

Doch der OECD-Bericht enthält auch gute Nachrichten: Bei Vorschulen und Kindergärten sei Deutschland ausgesprochen gut. So besuchten 2010 rund 96 Prozent der Vierjährigen einen Kindergarten. Die Zahlen variieren innerhalb der Bundesländer kaum. Bemerkenswert auch: Deutschland hat sich gesteigert, denn 2005 waren es nur 93 Prozent. Die deutsche Quote ist weit höher als der internationale Durchschnitt. In Griechenland etwa besucht gerade einmal die Hälfte der Vierjährigen einen Kindergarten, in Polen nur knapp 60 Prozent. Der OECD-Schnitt beträgt 79 Prozent. Auch das Betreuungsverhältnis ist überdurchschnittlich gut: Mit 12,6 Prozent Kindern je ausgebildeter Erzieherin liegt Deutschland über dem OECD-Mittel.

In Bayern ist der sogenannte Anstellungsschlüssel maßgebend. Er soll von 1:11,5 auf 1:11 gesenkt werden – das heißt, auf elf Buchungsstunden kommt eine Arbeitsstunde der Erzieherin.

Auch die Zahl der Studienanfänger steigt weiter. Sie hatte 2011 mit 517.000 Jungstudenten den Höchststand erreicht. Die Studienanfängerquote im sogenannten Tertiärbereich A (Universitäten und Fachhochschulen) ist somit von 30 Prozent im Jahr 2000 auf 42 Prozent im Jahr 2010 gestiegen.

Das ist zwar unter dem OECD-Schnitt (61 Prozent) und weit hinter Größenordnungen, wie sie etwa Australien (96 Prozent) oder Island (93 Prozent) erreichen. Doch traditionell wertet die OECD die duale Berufsausbildung – also die Ausbildung in Berufsschulen oder Fachakademien – zu wenig, wie das Bundesbildungsministerium gestern kritisch anmerkte. So ist in vielen Ländern beispielsweise der Beruf der Kinderzieherin mit einem Studium verbunden – in Deutschland hingegen nicht.

Bei einem weiteren von der OECD kritisierten Befund klaffen Zahlen und Wirklichkeit weit auseinander. Laut EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou sind in Deutschland und Italien mehr als 50 Prozent der Lehrkräfte über 50 Jahre alt, in den weiterführenden Schulen in Deutschland sind es sogar 75 Prozent der Lehrer. „Europa droht Lehrermangel.“

„Ich weiß nicht, woher diese Zahl stammt“, wunderte sich gestern der Sprecher des Kultusministeriums, Ludwig Unger. Zumindest in Bayern zählten nur 38 Prozent der Realschul- und Gymnasiallehrer zur Generation „50+“. Ein besonderes Altersproblem gebe es nicht.

Von Dirk Walter

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