Koalition in Österreich perfekt!

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Heino Seeger leitete die Geschäfte der Bayerischen Oberlandbahn seit dem Jahr 1999.

Posse bei der Oberlandbahn

Überraschung bei der BOB: Ex-Chef bleibt an Bord

München – Die Bayerische Oberlandbahn ist möglicherweise nur knapp an einer Betriebseinstellung vorbeigeschrammt. Bei der Kündigung des BOB-Chefs Heino Seeger war nicht beachtet worden, dass dieser auch Betriebsleiter der BOB ist. Dieser ist für den Betrieb einer Eisenbahn aber zwingend vorgeschrieben.

Die Nachricht von der Ablösung des BOB-Chefs überraschte Anfang Dezember 2012 das Oberland. Heino Seeger (58), seit 1999 bei der Oberlandbahn der Macher des Unternehmens, wurde von der Führungsspitze des französischen Konzerns Veolia zum Rückzug gedrängt. Wegen der Kündigung schwebt ein arbeitsrechtliches Verfahren.

Die BOB gehört zur deutschen Verkehrssparte von Veolia. Seit längerem gibt es Gerüchte, dieses Segment des Konzerns könnte verkauft werden. Seeger, der sehr kundenorientiert denkt, war der Veolia-Chefetage offenbar zu wenig gewinnorientiert. „Der Konzern will Cash sehen“, so formulierte es im Dezember ein Insider gegenüber unserer Zeitung.

Für Seeger kam als Geschäftsführer der bisherige Veolia-Geschäftsführer Süd-West, Axel Sondermann (45), aus Berlin nach Holzkirchen.

Ganz reibungslos verlief der Wechsel aber nicht, wie jetzt bekannt wird. Seeger, der seine Karriere mit 14 Jahren als Schlosserlehrling bei der Deutschen Bundesbahn begonnen hatte, war nicht nur Geschäftsführer der BOB, sondern auch deren Oberster Betriebsleiter. Das ist nicht unwesentlich: Betriebsleiter sind für den Betrieb von Eisenbahnen zwingend vorgeschrieben, sie sind unter anderem für „das sichere Betreiben der Eisenbahninfrastruktur“ und „die sichere Durchführung der Zugfahrten“ zuständig. So steht es in der Eisenbahnbetriebsleiterverordnung.

Seegers Nachfolger Axel Sondermann indes ist Betriebswirt, die Funktion eines Betriebsleiters, für die langwierige Lehrgänge notwendig sind, kann er nicht übernehmen.

Als nun die Nachricht von Seegers Ablösung durchsickerte, wurde das Eisenbahn-Bundesamt, Außenstelle München, hellhörig: „Wir haben das zum Anlass genommen, um nachzufragen, wer dann Betriebsleiter ist“, bestätigt Pressesprecher Moritz Huckebrink. Eigentlich hätte Veolia von sich aus den Wechsel anzeigen müssen. Allem Anschein nach stürzte das EBA die BOB in einige Verlegenheit. Sondermann musste reagieren: Er habe Heino Seeger gebeten, unabhängig von den aktuellen Auseinandersetzung um das Beschäftigungsverhältnis als Betriebsleiter an Bord zu bleiben. „Dazu hat er sich bereit erklärt“, so Sondermann weiter, der Seeger als nunmehrigen stellvertretenden Betriebsleiter bezeichnet.

Den Job übernehme in der Hauptsache der BOB-Fahrdienstleiter Gunnar Bernstein (41). Er sei aber dabei, einen weiteren Betriebsleiter „zu organisieren“. Die Sicherheit des Betriebs, das bestätigt auch das EBA, sei gewährleistet.

Seeger, auf die Personalien angesprochen, reagiert erstaunt. „Es stimmt, ich bin Betriebsleiter. Ich habe mich dazu bereit erklärt, weil ich will, dass der Betrieb ungestört weiterläuft“ – allerdings habe er noch nicht gehört, dass er nunmehr nur noch Stellvertreter sei.

BOB-Geschäftsführer Axel Sondermann, der zum 1. Februar bei Veolia auch noch zum „Bereichsleiter Strategie und Außenbeziehungen“ ernannt wurde, hat indes noch weitere Baustellen: Er soll sicherstellen, dass der Betrieb des E-Netzes Rosenheim reibungslos anläuft.

Wie berichtet, hatte Veolia in der Ausschreibung das E-Netz, also die Strecken München-Rosenheim-Salzburg sowie -Kiefersfelden vom bisherigen Marktführer Deutsche Bahn gewonnen. Unter der Marke „Meridian“ sollen ab Dezember schicke neue, blau-gelb lackierte Triebzüge über die Strecke jagen. Bis jetzt haben aber die von der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft vorgeschriebenen 35 neuen Züge des Typs Flirt („flinker leichter innovativer Regional-Triebzug“) vom Schweizer Hersteller Stadler noch keine Zulassung.

Insider munkeln, allmählich müsse sich Veolia Gedanken machen, ob man fürs erste Züge von DB Regio oder gar von den Österreichischen Bundesbahnen ausleihen könne. Bis jetzt ist der hierfür zuständige „Chief Operating Officer“, Markus Resch aus Berlin, aber noch nicht tätig geworden. Ein Problem deutet sich aber schon an: DB Regio könnte die bisher in Rosenheim eingesetzten Züge selbst benötigen. Denn die DB muss ebenfalls ab Dezember auf dem Werdenfelser Streckennetz (München-Garmisch-Partenkirchen) zusätzliche Zügen einsetzen – und die dafür eigentlich vorgesehenen neuen Triebzüge des Typs „Talent 2“ von Bombardier lassen ebenfalls noch auf sich warten.

Dirk Walter

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