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Das Hochwassergebiet.

Bürgermeister von Triftern

Überschwemmung in Niederbayern: „Wir sind völlig eingeschlossen“

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Triftern - Erst Franken, jetzt Niederbayern. Mehrere Gemeinden sind gestern nach starken Regenfällen überschwemmt worden. Kinder saßen in Schulen fest, Hubschrauber flogen Menschen aus ihren Häusern, die Polizei zog Einsatzkräfte von der Grenze ab. Und die Unwetter hören nicht auf.

Walter Czech war gerade erst draußen – „Leute beruhigen“, sagt er, das sei seine Pflicht als Bürgermeister von Triftern. Allerdings konnte er nur mit den Menschen rund ums Rathaus sprechen, mit denen im benachbarten Ortsteil Anzenkirchen nicht. „Ich kam einfach nicht hin“, sagt Czech (CSU) nachmittags am Telefon. „Zu viel Wasser. Die Situation ist im Moment sehr angespannt.“

Nachdem es die ganze Nacht und am Vormittag geregnet hatte, trat gestern der Altbach, der sich durch den 5200-Einwohner-Markt in Niederbayern zieht, über die Ufer. Czech sagt, das Wasser habe den ganzen Ortskern überspült. Auch durch Tann und Simbach am Inn nahe der österreichischen Grenze wälzten sich dunkelbraue Wassermassen, rissen stellenweise Bäume und Autos mit. Vielerorts stand das Wasser meterhoch in den Straßen. In der Gegend waren laut Deutschem Wetterdienst (DWD) 45 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Der Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU), rief am Nachmittag den Katastrophenfall aus. Tote gab es aber nicht.

Das Hochwassergebiet.

Das Wasser kam plötzlich. Ein Sprecher des Landratsamts sagte: „Mit dieser Wucht hat niemand gerechnet.“ Nach kurzer Zeit waren Brücken und Zufahrtsstraßen in Triftern überschwemmt. „Wir sind von der Außenwelt abgeschlossen“, sagt Geschäftsführer Siegfried Schmied am Nachmittag. Schon am Morgen habe das Telefon im Rathaus nicht mehr still gestanden. „Manche Bürger haben panisch reagiert, aber wir kriegen das unter Kontrolle.“

Über dem Ort kreisten gestern im Minutentakt Hubschrauber, um Menschen aus ihren Häusern zu befreien. Andere wurden von Wasserwacht und Feuerwehr in Booten abgeholt. Das glückte allerdings nicht überall: Die Grund- und Mittelschule im Ort wurde ganz vom Wasser umschlossen, sodass die 250 Kinder das Gebäude zunächst nicht verlassen konnten. Bis zum Abend wurden dann doch 200 von ihnen abgeholt. „Wenn’s nicht besser wird, müssen die übrigen Schüler in der Turnhalle übernachten“, sagte Bürgermeister Czech. So erging es auch rund 350 Kindern der Mittelschule in Simbach am Inn. Sie saßen im Schulgebäude fest – und mussten sich darauf einstellen, dort zu übernachten.

Lkw-Fahrer retten sich auf die Dächer ihrer Fahrzeuge

Überall im Hochwassergebiet spielten sich dramatische Szenen ab. Auf der B 12 sollen Lastwagenfahrer auf die Dächer ihrer Fahrzeuge gestiegen sein, um sich vor dem Wasser in Sicherheit zu bringen. Außerdem mussten eine Asylbewerberunterkunft und die Polizeidienststelle in Simbach geräumt werden. Ein Polizeisprecher sagte: „Bei uns steht das Wasser meterhoch.“ Die Dienststelle war stundenlang nicht zu erreichen. Insgesamt waren rund 9000 Haushalte ohne Strom.

Überschwemmungen in Niederbayern: So sieht es vor Ort aus

Dass das Hochwasser gerade den Kreis Rottal-Inn trifft, ist ein seltsamer Zufall: Gestern Abend sollte die neue Katastropheneinsatzzentrale des Landkreises in Pfarrkirchen eingeweiht werden. Stattdessen musste sie sich gleich mit der Koordination des Einsatzes bewähren. Es wurden sogar Polizisten von den Grenzen abgezogen. Ein Polizei-Sprecher sagte: „Alles, was wir verfügbar haben, ist draußen.“

Erst am Sonntag hatte Dauerregen zu Überschwemmungen im Großraum Ansbach geführt und große Schäden angerichtet. Dort laufen noch immer die Aufräumarbeiten. Auch in Niederbayern sollen die Schäden immens sein – erste Schätzungen gehen von einer zweistelligen Millionenhöhe aus. Bayerns Finanzminister Markus Söder kündigte gestern bereits „schnelle und unbürokratische Hilfe“ an.

Landratsamt warnt vor Katastrophen-Tourismus

Ein Sprecher des Landratsamts Rottal-Inn warnte davor, als Katastrophentourist ins Hochwasser-Gebiet zu fahren. „Wir können keine Gaffer gebrauchen.“ Die Einsatzkräfte müssten in Ruhe arbeiten können. Zumal das Wetter sich nicht beruhigen wird. Laut DWD kann es in den nächsten Tagen zu starken Unwettern kommen – auch in anderen Teilen Bayerns. Passaus Landrat Franz Meyer (CSU) hat gestern schon den Katastrophenfall ausgerufen, weil die Wassermassen des Inn die Stadt überschwemmen könnten.

Teuflisches Glück hatte derweil eine Augsburger Schulklasse. Die Siebtklässler waren während einer Bootstour auf dem Schwarzen Regen in Ostbayern vom Wasser überrascht worden. Ein Teil von ihnen gelangte ans Ufer, die anderen konnten sich auf eine Insel retten.

Alle aktuellen Informationen, Entwicklungen und Bilder zum Hochwasser finden Sie in unserem News-Ticker.

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