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Schwierige Schulwahl: Diese Kinder aus Unterjoch/Allgäu werden in Tirol unterrichtet, weil das für sie näher ist.

Umfrage des Ifo-Instituts

Übertritt: Mehrheit gegen freie Schulwahl

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München/Berlin - Von wegen reformmüde: In Deutschland gibt es trotz zahlreicher Veränderungen in den vergangenen Jahren weiterhin eine hohe Bereitschaft, das Bildungssystem zu reformieren. Das zeigt das neue Ifo-Bildungsbarometer. Viele Forderungen sind auch in Bayern noch Zukunftsmusik.

Die Mehrheit der Deutschen ist einer Umfrage zufolge für einen kostenfreien Kita-Platz für Kinder ab vier Jahren. Nach dem in Berlin vorgestellten „Bildungsbarometer“ des Ifo-Instituts sprachen sich hierfür 77 Prozent von 4200 befragten Erwachsenen aus. Die Forderung nach einer „grundlegenden Reform der Finanzierung von Kindergartenplätzen“ (so Ifo-Bildungsökonom Ludger Wößmann) geht weit über das hinaus, was in Bayern üblich ist – hier gibt es für Kinder erst im letzten Kindergartenjahr einen Zuschuss von 100 Euro im Monat.

86 Prozent forderten laut Umfrage zudem bundesweite Qualitätsstandards in den Kindertagesstätten für die Gruppengröße und die Ausbildung von Erzieherinnen. Die Erhebung führte TNS Infratest im Mai durch. Dabei befürworteten gut drei Viertel der Befragten höhere Gehälter für diese Berufsgruppe – vor einem Jahr, als das Ifo-Institut diese Frage erstmals stellte, waren es nur 29 Prozent. Der bundesweite Kita-Streik habe hier wohl zur Bewusstseinsbildung der Deutschen beigetragen, vermuten die Bildungsforscher. Das Betreuungsgeld wird mit 57 zu 34 Prozent von einer Mehrheit der Befragten abgelehnt. Auch eine verfassungskonforme Wiedereinführung würde auf keine Zustimmung stoßen, erklärt Wößmann.

Bei der Schulbildung wollten 64 Prozent der Befragten, dass die so genannte Sprengelpflicht aufgehoben wird. Bislang sind die Eltern in den meisten Bundesländern, auch in Bayern, wegen der sogenannten Sprengelpflicht auf eine bestimmte Grundschule festgelegt. Vor allem in Großstädten wie München gibt es immer wieder Versuche, die Sprengelpflicht zu umgehen – etwa indem man sein Kind offiziell bei den Großeltern ummeldet.

Wahl der Schule: Ganztagesschulen finden viel Zustimmung

Ein weiteres Thema der Umfrage: die Bedeutung der Noten. Ebenfalls 64 Prozent sprechen sich laut Umfrage dafür aus, dass allein die Noten den Schultyp bestimmen, auf den die Kinder nach der Grundschule wechseln. Das bedeutet eine hohe Zustimmung für den in Bayern üblichen Weg. Die freie Schulwahl, also die Freigabe des Elternwillens, wie es zum Beispiel der Lehrerverband BLLV fordert, findet keine Mehrheit. Gefragt nach dem Stellenwert der Fächer und Kompetenzen gibt sich ein eindeutiges Bild: 79 Prozent der Deutschen finden, dass Lesen und Schreiben das Wichtigste sind, mathematische Kenntnisse oder die Beherrschung einer Fremdsprache rangieren mit 65 bzw. 52 Prozent weit dahinter. Sportliche und musische Kompetenzen sind nur 18 bzw. 15 Prozent der Eltern sehr wichtig.

Ganztagsschulen finden viel Zustimmung: 61 Prozent sind dafür, dass sie bis 15 Uhr dauert. Aber selbst eine Schuldauer bis 17 Uhr, die es in Bayern nur in Ausnahmefällen gibt, wird mit 47 zu 43 Prozent noch befürwortet.

Bei der Frage nach Studiengebühren, die in Bayern nach einem Volksbegehren wieder abgeschafft wurden, geht ein Riss durch die deutsche Bevölkerung: Rund 44 Prozent der Deutschen befürworten reguläre Studiengebühren an den Universitäten, 46 Prozent lehnen sie ab. 59 Prozent können sich Studiengebühren vorstellen, die sie erst nach dem Studium und ab einem gewissen Jahreseinkommen gezahlt werden müssen.

Trotz Griechenland, Flüchtlingen und Euro-Krise ist der Stellenwert von Bildungsthemen in der Bevölkerung sehr hoch. 73 Prozent der Befragten erklärten, die Bildungspolitik sei bei ihrer Wahlentscheidung „sehr wichtig“ (24 Prozent) oder „eher wichtig“ (49 Prozent). Unter den Eltern von schulpflichtigen Kindern ist der Wert sogar noch höher – er liegt bei 83 Prozent.

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