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Kein Schulstress mehr: Uwe Dörmann aus Hausham mit seinem Sohn John. Foto: privat

Am Donnerstag gibt's Zeugnisse

Übertritt: Realschule bevorzugt

Hausham - Übertrittsstress und Grundschul-Abi – darüber wird beim Übertritt nach der 4. Klasse diskutiert. Viele Eltern entziehen sich dem Druck – sie melden ihr Kind an der Realschule an, obwohl der Notenschnitt auch fürs Gymnasium reichen würde.

Irgendwann dämmerte es Uwe Dörmann, dass sein Sohn „die Lust an der Schule verloren hatte“. John, heute 10, war eigentlich ein guter Grundschüler – viele Einser, viele Zweier. Doch der Schüler aus Hausham fand die Schule einfach anstrengend. Wie würde es erst auf dem Gymnasium werden, fragte sich Uwe Dörmann. „Da haben wir entschieden, dass das Beste für John die Realschule wäre.“ Den Schritt, sagt Dörmann ein Jahr später, habe die Familie nicht bereut. John besucht die 5a in der Realschule Tegernseer Tal. „Wir sind sehr zufrieden, er hat Freude an der Sache und Nachmittags noch Zeit zum Spielen“ – Zeit, so mutmaßt der Vater, die ihm im Gymnasium vielleicht fehlen würde.

Über die Bealstung der Schüler durch den Übertritt gibt es seit Jahren jedes Mal aufs Neue erbitterten Streit. Das Kultusministerium sagt, die Eltern hätten das Verfahren akzeptiert – angesagte Proben und die Unterscheidung von Phasen mit und ohne Proben hätten den Leistungsdruck reduziert. Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel, hält dagegen. Er wird nicht müde, auf die Belastung der Schüler hinzuweisen. In der Grundschule gebe es „einen regelrechten Prüfungsmarathon“.

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Allerdings, sagt Wenzel, Kinder und Eltern wollten auf Gedeih und Verderb unbedingt aufs Gymnasium. John aus Hausham ist da eher ein Gegenbeispiel, und beileibe kein Einzelfall: In Oberbayern-Ost mit seinen 50 Realschulen habe sicherlich ein gutes Drittel der Realschüler Gymnasial-Eignung, sagt Kerstin Haferkorn. Die neue Bezirksvorsitzende des Realschullehrerverbands leitet die Realschule Prien. Auch nach der Übergabe der Übertrittszeugnisse an diesem Donnerstag erwartet Haferkorn wieder einen Ansturm bei den Realschul-Anmeldeterminen.

Über die Gründe, warum viele Schüler das Gymnasium meiden, kann sie nur spekulieren. „Die Diskussion über das G8 spielt sicher eine Rolle“, sagt sie. Auch gebe es viele Handwerker- und Landwirte-Familien, die die Praxis-Orientierung der Realschule schätzten. Wichtig auch: Wer auf die Realschule geht, der verbaue sich nichts. Mit einem Notenschnitt von 3,5 oder besser kann man auf die Fachoberschule wechseln, später über die FOS 13 sogar die allgemeine Hochschulreife erwerben – in 13 Schuljahren, wie früher beim G9.

Einer vom Kultusministerium gepriesenen Neuerung messen Schulpraktiker indes nur eine Nebenrolle bei. Die 5. Klasse in allen Schularten ist seit drei Jahren als sogenannte „Gelenkklasse“ definiert. Dies suggeriert den Eltern den problemlosen Wechsel von einer Schulart auf die andere. Doch den Übergang von der 5. Klasse Realschule auf die 6. Klasse Gymnasium schaffen wegen der strengen Anforderungen – mindestens Zweier in den drei Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch – die wenigsten. Wenn ein Realschüler nach der 5. Klasse wechselt, dann zumeist auf die 5. Klasse Gymnasium. „Man verliert also ein Jahr“, sagt Kerstin Haferkorn – in diesem Fall würde die Realschule nicht zum G9, sondern zum G10.

Dirk Walter

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