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Das Übertrittszeugnis entscheidet über den Übergang an weiterführende Schulen.

Gymi oder Hauptschule? Streit um Übertrittszeugnisse

München - Gymnasium oder Hauptschule? Rund 125 000 Grundschüler in Bayern haben am Montag ihre Übertrittszeugnisse bekommen - begleitet von heftiger Kritik der Opposition.

Die Opposition kritisiert das Verfahren beim Übergang auf weiterführende Schulen. SPD und Grüne forderten eine längere gemeinsame Grundschulzeit und verlangten, es müsse Schluss sein mit der zu frühen Auslese, die die Kinder unter Druck setze. Der Bayerische Philologenverband (bpv) bezeichnete die Trennung nach der vierten Klasse dagegen als sinnvoll.

Das seit 2009 an alle Viertklässler vergebene Zeugnis regelt den Übergang an weiterführende Schulen. Für den Besuch einer Realschule benötigen sie einen Notendurchschnitt von 2,66 und für das Gymnasium 2,33. Wie viele Schüler dieses Jahr aufs Gymnasium gehen können, werde das Kultusministerium erst in den nächsten Tagen bekanntgeben, sagte ein Ministeriumssprecher in München auf Nachfrage.

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“Das Zeugnis ist zu einem Instrument der Selektion und des Leistungsdrucks bereits in der Grundschule geworden“, bemängelte der SPD-Bildungsexperte Hans-Ulrich Pfaffmann laut Mitteilung. Er forderte eine Abschaffung des Übertrittsverfahrens und die rasche Offenlegung aller Übertrittsquoten von den Grundschulen an die Gymnasien. Höchst unterschiedliche Übertrittsquoten von Schule zu Schule seien “der Beweis dafür, dass das gesamte Übertrittsverfahren weder objektiv noch pädagogisch begründbar ist“.

Die Landtags-Grünen kritisierten den Übertritt nach der vierten Klasse als größte “Problemzone“ des bayerischen Schulsystems. “Das Ausleseverfahren in der vierten Klasse stellt Kinder, Eltern und Lehrer unter einen enormen Druck - und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Begabungen und Neigungen der Kinder auch entwicklungspsychologisch noch gar nicht ausgereift sind“, sagte der schulpolitische Sprecher der Grünen, Thomas Gehring.

Der bpv-Vorsitzende Max Schmidt erklärte dagegen, er halte in Übereinstimmung mit Entwicklungs- und Bildungsforschern den Übertritt nach der vierten Klasse für sinnvoll. “Gerechter ist eine begabungsorientierte frühe Förderung von Kindern. Das gegliederte Schulwesen leistet sie bereits gut, aber sie muss noch früher und systematischer einsetzen.“

Gegenwärtig können in Bayern Kinder, die die erforderliche Durchschnittsnote nicht haben, am Probeunterricht an Realschulen und Gymnasien teilnehmen. Bestanden gilt der Unterricht, wenn der Schüler in einem der beiden Fächer Mathematik oder in Deutsch mindestens eine 4 und im anderen Fach mindestens eine 3 bekommt. In diesem Jahr hat das Kultusministerium allerdings eine kleine Lockerung durchgeführt: Schafft der Schüler in beiden Fächern nur eine vier, können die Eltern selbst noch entscheiden, an welche Schule ihr Kind gehen soll.

dpa

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