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Patienten in Oberbayern hören ungern auf das, was ihnen der Arzt rät. Dies ergab eine Studie.

So tickt der oberbayerische Patient

München - Der Oberbayer hört nicht auf seinen Arzt. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Studie. Was aber nicht heißt, dass der Bayer an sich Ärzten nicht traut - fast jeder Dritte geht mehr als fünf Mal im Jahr zum Doktor. Nur mit Medikamenten-Hinweisen hat er es nicht so.

Nehmen Sie auch brav Ihre Medikamente gegen den hohen Blutdruck und die Erkältungstropfen und das Nasenspray nur dreimal am Tag, so wie es der Doktor gesagt hat? Nein, machen Sie nicht? Sie therapieren sich nach eigenen Vorstellungen? Dann sind Sie bestimmt ein Oberbayer.

Denn es ist so: Fast die Hälfte der Oberbayern nimmt ihre Medikamente nicht immer so ein, wie es der Arzt oder Apotheker empfiehlt. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage unter 1004 Personen in Bayern, die die Techniker Krankenkasse (TK) in Auftrag gegeben hat. „Erschreckend“, sagte Christian Bredl, der Leiter der TK-Landesvertretung, bei der Präsentation der Zahlen in München. Die Oberfranken sind da vertrauensseliger, wenn es um Medikamenten-Ratschläge ihres Arztes geht. Nur 22 Prozent halten sich nicht daran. In der Oberpfalz sind es 26, in Niederbayern 32 Prozent.

Die Oberbayern sind ein Ausreißer in dieser Statistik, sie sind eigenwillig. Auch bei der Nachfrage nach Behandlungsalternativen halten sie sich zurück. Nur 29 Prozent wollen von ihrem Arzt wissen, ob es nicht auch andere Therapiemöglichkeiten gibt. In Oberfranken haken immerhin 42 Prozent der Patienten nach.

Insgesamt ergab die Studie, dass 30 Prozent aller Bayern mehr als fünf Mal im Jahr zum Arzt gehen. Fast ein Drittel bezeichnet sich selbst als chronisch krank, bei den über 65-Jährigen ist es jeder Zweite. Die Bayern kennzeichnet eine „hohe Inanspruchnahme und eine anspruchsvolle Haltung gegenüber dem Gesundheitssystem“, so Bredl. 38 Prozent der Bayern wünschen sich, dass sich ihr Arzt mehr Zeit für sie nimmt, 16 Prozent finden, dass der Arzt zu viele Fachbegriffe verwendet.

Beunruhigend: Jeder vierte Oberbayer fühlt sich nicht in der Lage, sich im Krankheitsfalle „alle für seine Behandlungen wichtigen Informationen zu besorgen“. Da ist der Oberbayer ausnahmsweise kein Einzelfall. Dem Niederbayer (22 Prozent), Mittelfranken (30) und Oberpfälzer (19) geht es fast genauso.

Stefan Sessler

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