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Zu wenig Unterstützung: Schüler und Lehrer in den Mittelschulen fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen. Eine Umfrage macht deutlich, wie ernüchtert die Mittelschullehrer von ihren Arbeitsbedingungen sind.

Lehrerbefragung zur Mittelschule

„Restschule finde ich beleidigend“

München – Die Lehrer an den Mittelschulen sind unzufrieden. Das zeigt eine Umfrage des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands. Der Präsident fordert: Mehr Lehrer müssen her.

Denise Besel und Andreas Czmaiduch sind es Leid, sich zu rechtfertigen. „Die meisten interessiert es eh nicht, wenn man sich verteidigt“, sagt Andreas. Der 18-Jährige geht in die 10. Klasse der Simmern-Mittelschule in München-Schwabing. „Wir werden öffentlich als Restschüler dargestellt“, sagt er. „Das ist ein krasses Wort. Ich finde es beleidigend“, sagt seine Mitschülerin Denise. Ständig hört sie nur Vorurteile über ihre Schulart. „Da gehen nur Kinder hin, die kein Deutsch können“ ist nur eines davon. Trotzdem ist für die 17-Jährige klar: „Die Mittelschule war für mich das Beste, das ich machen konnte.“

Die Bezeichnung „Restschule“ ist aber nicht nur eine despektierliche Perspektive von außen. Ein großer Teil der Mittelschullehrer selbst findet, dass der Begriff die Stellung der Mittelschule im bayerischen Schulsystem richtig wiedergibt. Das zeigt eine gestern vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband vorgestellte Umfrage unter Mittelschullehrern. Die Umfrageergebnisse seien alarmierend, erklärt BLLV-Präsident Klaus Wenzel. „Die Politik muss endlich mehr tun für diese wertvolle Schulart.“

Besonders die staatliche Unterstützung bemängeln viele der 530 befragten Mittelschullehrer. Nur knapp über die Hälfte der Umfrageteilnehmer halten die Lehrerversorgung in Bayern für ausreichend. Genügend Personal für eine individuelle Förderung von Schülern sehen sogar nur zehn Prozent. Mobile Reserven, die bei Personalmangel angefordert werden können, gebe es viel zu wenig, sagen 81 Prozent der Befragten.

Davon kann Tomi Neckov ein Lied singen. Der Leiter der Albert-Schweitzer-Mittelschule in Schweinfurt hat einen Stapel gelber Blätter mitgebracht. Es ist ein dicker Stapel: die Ausfallpläne an seiner Schule. „Am Schuljahresanfang sieht alles noch ganz gut aus. Aber wenn die Grippewellen kommen und Fortbildungen anstehen, wird es kritisch“, sagt er. Er zieht ein Blatt aus dem Stapel. Die Liste reicht nicht mehr aus, mit Tesa ist eine Verlängerung angeklebt, am anderen Ende ein weiterer Fetzen angetackert. „Dann brauchen wir mobile Reserven. Die sind in diesen Stoßzeiten aber äußerst knapp.“ Die Folge: Die Förderlehrer müssen Vertretungsstunden halten – statt den Schülern, die es brauchen, unter die Arme zu greifen. Keine guten Arbeitsbedingungen.

BLLV-Präsident Wenzel fordert deswegen nicht nur deutlich mehr Personal – „einige tausend Lehrer Minimum“ – sondern auch kleinere Klassen. Außerdem solle den Lehrern wegen der hohen Zahl von Flüchtlingskindern ein Netzwerk aus Dolmetschern und Therapeuten an die Seite gestellt werden – „sonst sind wir sprachlos“. Dazu müsse Deutsch als Zweitsprache Teil der Lehrerausbildung werden.

Von Seiten des Kultusministeriums heißt es: „Jede Einrichtung kann weiter verbessert werden.“ Gleichzeitig erklärt Sprecher Ludwig Unger aber detailreich, dass Bayern die Mittelschule mit zahlreichen Initiativen zu einer stark berufsorientierten Schule ausgebaut habe. Die Opposition sieht das naturgemäß anders: „Wir müssen aufpassen, dass die Mittelschule keine Sozialstation wird, sondern eine anspruchsvolle Bildungseinrichtung bleibt, damit sie nicht noch weiter im Ansehen der Eltern verliert“, sagt Martin Güll, Bildungssprecher der SPD-Landtagsfraktion. Dafür sei eine bessere Personalausstattung unumgänglich.

Neben der Personalsituation müsse aber nicht zuletzt am Ruf der Mittelschule gearbeitet werden, betont Wenzel: „Wir dürfen uns den Begriff der Restschule nicht zu eigen machen.“ Und da springt ihm Birgit Dittmer-Glaubig, Konrektorin der Simmern-Mittelschule zur Seite. „Wir sind kein Auffangbecken“, betont sie, „sondern eine passgenaue Schule“. Für Andreas und Denise stimmt das auf jeden Fall. Für sie passt es genau. Denise spielt mit dem Gedanken, Erzieherin zu werden. Andreas könnte sich sogar vorstellen, weiter auf die Schule zu gehen und später selbst Lehrer zu werden. Keine schlechten Aussichten für die angeblichen „Restschüler“.

Dominik Göttler

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