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Spenglermeister Richard Kugler neben seinem alten Hanomag mit Nostalgie-Kennzeichen.

Umfrage: Mehrheit will Altkennzeichen

München – Eine Hochschule aus Heilbronn führte in Bayern eine Umfrage durch, um herauszufinden, wie es der Bürger mit den alten Kfz-Kennzeichen hält. Ergebnis: Die Mehrheit will sie zurückhaben. Kritik an der Statistik kommt aus dem Wirtschaftsministerium.

Ein paar Monate ruhte der Streit um die Wiedereinführung der alten Kfz-Kennzeichen, jetzt könnte er neu auflodern. Die Hochschule Heilbronn, die in Bayern eine Umfrage zu der Wiedereinführung von WOR (Wolfratshausen) und WS (Wasserburg) durchgeführt hat, veröffentlichte nun ihre Ergebnisse.

Demnach wünschen sich 70,8 Prozent der Männer und Frauen in Bayern, die alten Autoschilder wieder einzuführen. Dazu hat die Hochschule Personen in 20 bayerischen Städten befragt. „Vor allem die junge Generation in Bayern will die alten Schilder haben“, sagt Ralf Borchert, Professor in Heilbronn und Verantwortlicher für die deutschlandweite Umfrage. Das sei eine Besonderheit, die sich nur in Bayern herauskristallisiert habe. Alle Befragten hätten ihre Entscheidung für die alten Bleche mit dem Wunsch nach Veränderung begründet. Bei der Generation der 16- bis 30-Jährigen, die die Gebietsreform der 70er Jahre nicht mehr erlebt haben können und die sich durchschnittlich zu rund 80 Prozent die Altkennzeichen zurückwünschen, gebe es noch einen Grund, den Borchert vorsichtig formulieren will: „Die Jungen wollen sich auf eine Stadt nur dann verorten, wenn sie ihre Zukunft auch dort sehen.“ Dazu sei die Bereitschaft in den reichen Bundesländern wie etwa in Bayern am stärksten.

Die Debatte um die Wiedereinführung der Kennzeichen, die auf der Verkehrsminister-Konferenz im April mehrheitlich beschlossen wurde, könnte auch durch eine Entscheidung des hessischen Verkehrsministeriums neue Nahrung erhalten. Wie etwa die Stadt Wetzlar bestätigte, will Hessen dort das alte Kennzeichen wieder einführen.

Auch im bayerischen Wirtschaftsministerium nimmt man die Umfrage zur Kenntnis – obwohl es laut Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) kein Thema ist, das bayernweit von Relevanz wäre. Jedoch: „In einzelnen Regionen Bayerns besteht ein starker Wunsch nach Stärkung der lokalen Verbundenheit, indem die ausgelaufenen Kennzeichen wieder eingeführt werden“, sagt Zeil. Nach seiner Erfahrung identifiziere man sich unabhängig von Autokennzeichen in einem viel stärkerem Maß mit der eigenen Kommune als mit dem Landkreis. „Ich bin der Überzeugung, dass eine freiwillige Wiedereinführung der Altkennzeichen im Interesse der Bürger ohne weiteres funktionieren würde“, so der bayerische Verkehrsminister. Eine Sprecherin schränkte aber ein, dass dies ohne weiteren bürokratischen Aufwand für die Behörden geschehen müsse; ein altes Kennzeichen als Wunschkennzeichen neben dem des Landkreises sei denkbar.

Das Wirtschaftsministerium übt aber auch Kritik an der Heilbronner Umfrage. Es seien nur Einwohner aus Städten befragt worden, bei denen so ein Kennzeichen eingeführt werden könnte. Diese Zahl kann allerdings nicht auf die Gesamtbevölkerung von Bayern bezogen werden, hieß es aus dem Ministerium.

„Eine Wiedereinführung kann nur auf Grundlage einer Rechtsänderung durch den Bund erfolgen. Bis zur Verkehrsministerkonferenz im Frühjahr 2012 werden auf Bund-Länder-Ebene Verhandlungen geführt“, so die Sprecherin.

Am Schluss muss dann der Bundesrat noch seine Zustimmung erteilen. Oder eine Wiedereinführung eben doch ablehnen.

Patrick Wehner

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