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Horst Seehofer in der Pfarrkirche von Rott. Viele CSU-Akteure fordern eine Modernisierung ihrer Partei.

Umfrage in der CSU Oberbayern: "Verlässlicher!" 

6,9 Prozent hat die CSU bei der Bundestagswahl verloren. Eine Schlappe? Eine Krise gar? Wir fragten Führungsfiguren der CSU in Oberbayern: Soll die Partei konservativer werden, wie es der CSU-Chef in Niederbayern, Manfred Weber, fordert? Hier die Antworten.

Bernhard Seidenath, Landtagsabgeordneter aus Dachau: „Wir brauchen keinen Rechtsruck der CSU. Unsere Konkurrenz ist nicht rechts von der CSU, sondern die FDP und die Freien Wähler. Von dort werden wir Wähler zurückholen, wenn wir das Profil, das wir in den letzten Jahren hatten, wieder schärfen. Wir brauchen eine Zukunftskommission und müssen raus aus dem Klein-Klein.“ (flg)

Johannes Loth, JU-Kreischef in Miesbach: „Wir müssen uns von nicht mehr zeitgemäßen Forderungen verabschieden. Beim Thema Energiepolitik ist ganz konkret der Ausstieg aus dem Atomausstieg nicht sinnvoll. Wir müssen umdenken, weil uns sonst die Wähler zu den Grünen weglaufen. Familienpolitisch steht der Ausbau von Krippen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, im Vordergrund. Die Ansicht, dass wir keine Krippen brauchen, ist überholt.“ (aa)

Marcel Huber, CSU-Kreischef in Mühldorf:  „Ich glaube, es tut der CSU gut, sich auf die christlich-konservativen Wurzeln zu besinnen, ohne die gewohnte innovative Gestaltungskraft zu verlieren. Um die Herausforderungen, die vor uns stehen, meistern zu können, braucht es eine solide Wertebasis.“ (jba)

Florian Herrmann, CSU-Landtagsabgeordneter aus Freising: „Ein Zurück-Kurs ist verkehrt. Wir sollten uns an Strauß orientieren, der kein Bewahrer, sondern Visionär gewesen ist. Die bayerische Gesellschaft steht allerdings Großprojekten viel skeptischer gegenüber. Viele Menschen wollen kein ,immer schneller, immer weiter’. Das muss die CSU zur Kenntnis nehmen, und das meint Seehofer, wenn er sagt, die CSU müsse grüner werden.“ (hob)

Martin Bachhuber, CSU-Kreisvorsitzender Bad Tölz-Wolfratshausen und Landtagsabgeordneter: „Die CSU muss nicht konservativer werden. Die CSU hat es wie keine andere Partei verstanden, Tradition und Fortschritt zu verbinden, und mit dieser Politik Bayern an die Spitze der Republik gebracht. Die CSU soll gerade jetzt in Berlin darauf großen Wert legen, dass auf das ,S’ geachtet wird. Wir müssen unsere Politik konsequent nach unserem Grundsatzprogramm ausrichten und zu den getroffenen Entscheidungen dann auch stehen.“ (job)

Peter Erhard, CSU-Bürgermeister von Böbing, Chef der CSU-Kreistagsfraktion von Weilheim-Schongau: „Konservativ heißt: Man ersetzt Altes erst durch Neues, wenn sich das mögliche Neue als besser erwiesen hat. So gesehen ist konservativ nicht mit Stillstand gleichzusetzen. Nur so kann die CSU erfolgreich sein. Eine konservative Ausrichtung bringt den Bürgern auch Kontinuität.“ (mm)

Thomas Karmasin, Landrat und CSU-Kreisvorsitzender in Fürstenfeldbruck: „Ich glaube nicht, dass die CSU konservativer werden muss. Wichtig ist es, Positionen zu halten und sie fortzuschreiben. Das ist wichtiger als Popularität. Die CSU ist eine wertegebundene Partei, die sich für eine solidarische Leistungsgesellschaft einsetzen muss. Wichtig ist, dass Leistungsträger andere mitziehen.“ (st)

Martin Bayerstorfer, Landrat und CSU-Kreischef in Erding: „Schon bislang hat die CSU eine ausgesprochen konservative Politik betrieben. Eher stellt sich die Frage nach der Zukunft der großen Volksparteien. Die Gesellschaft wird immer individueller, da tun sich Klientelparteien, die nur ein bestimmtes Spektrum abdecken, natürlich erheblich leichter als die CSU, die sich für die Bürger insgesamt zuständig fühlt.“ (ham)

Hannelore Gabor, CSU-Bürgermeisterin Garching: „Ich glaube nicht, dass ein Rückwärtsgehen erfolgreich sein kann, als Bürgermeisterin einer Universitätsstadt gleich dreimal nicht. Der Ruf nach mehr Staat und Polizei ist falsch. Besser investiert man das Geld in die Prävention, etwa in die Jugendsozialarbeit. Es ist auch nicht schlecht, in einer Koalition zu regieren. Man beschäftigt sich mit Dingen intensiver, wenn man andere Meinungen zulassen muss. Nur der CSU tut das eben noch besonders weh.“ (icb)

Sepp Ranner, Ex-CSU-Abgeordneter aus Bad Aibling: „Konservativ bedeutet für mich, Gutes bewahren und für Neues offen sein. In diesem Sinne sollte die Partei wertebewusster werden. Dazu gehören für mich vor allem die Bewahrung der Schöpfung und der Werte aus dem Christentum.“ (la)

Christa Stewens, CSU-Kreischefin in Ebersberg: „In unserem Grundsatzprogramm von 2007 werden langfristige Antworten auf Fragen unser Zeit gegeben, wie z.B. „Was bedeutet unser christliches Menschenbild für das politische Handeln heute und morgen“ oder „Wie fördern wir Familien und Kinder?“ Wir müssen also nicht konservativer, sondern verlässlicher und glaubwürdiger werden. Das Grundsatzprogramm und christliche Werte sollten unser Kompass sein, nachdem wir uns immer wieder ausrichten. Das bedeutet, es darf nichts versprochen werden, was nicht gehalten werden kann. Es müssen auch unbequeme Wahrheiten ausgesprochen werden und wir müssen für jeden verständlich und klar sprechen.“ (ac)

Ulrich Rieger, Vize-Kreischef der CSU in Starnberg: „Man tut Manfred Weber Unrecht, weil er verkürzt dargestellt wurde. Ihm geht es um eine breite Wahlanalyse. Die CSU darf nicht den Eindruck erwecken, dass die Anliegen konservativer Stammwähler nicht mehr das angemessene Gewicht haben. Die CSU muss aber gesellschaftliche Veränderungen positiv aufgreifen und auf junge berufstätige Frauen, die Beruf und Familie unter einen Hut bekommen wollen, Rücksicht nehmen sowie in ökologischen Fragen sensibler vorgehen.“ (mül)

Harald Kühn, Landrat und CSU-Kreischef in Garmisch-Partenkirchen: „Ich denke, dass es darauf ankommt, mit Horst Seehofer an der Spitze, die Sacharbeit in den Vordergrund zu stellen. Dabei müssen wir das ganze Spektrum unserer Programmatik abdecken. Die Festlegung auf ein Segment ist hier nicht zielführend. Wir müssen Politik machen für möglichst viele Menschen, das ist der Auftrag.“ (hut)

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