Smartphone als Partnerersatz

Umfrage: So simsen die Bayern

München - Die Bayern lieben Technik, sie lieben ihr Handy, aber manchmal richten sie Katastrophen mit ihrem Smartphone an. Das sind die Ergebnisse einer teilweise überraschenden Umfrage. Mancher, der sie liest, wird sein Handy danach mit ganz anderen Augen anschauen.

Manchmal kommt der Schicksalsschlag per SMS. „Spatzerl, es ist aus mit uns. Tschuldigung. Ich bin jetzt mit der Hildegard zusammen. Dein Bussibär.“ So kann’s laufen. Die Trennung ploppt plötzlich auf dem Handydisplay auf. Eine emotionale Katastrophe, klar. Aber zehn Prozent der Bayern ist es so schon ergangen: So viele haben schon Schlussmach-Erfahrungen per SMS gesammelt. Sagt zumindest die Eon Energie-Studie 2014 „Energie-Trends“, bei der 2000 Menschen mitgemacht haben.

Das Handy als Beziehungskiller. Aber es geht auch andersherum. Bereits 30 Prozent der Bayern haben schon mal ihre Liebe per Smartphone oder SMS gestanden. 25 Prozent sagen sogar, dass es ihnen leichter fällt, Gefühle per Smartphone auszudrücken. „Schaumgeborene Hildegard, meine Liebe zu dir ist so groß wie der Watzmann. Die Andere hab ich abgeschossen. Jetzt nur noch wir 2.“

Solche Sachen werden verschickt. Man will das eigentlich gar nicht immer so genau wissen, aber verschickt werden sie. Da darf man sich keine Illusionen machen. Die Technik allein macht einen nicht zu einem besseren Menschen, das Gegenteil ist manchmal sogar der Fall. Aber sie macht das Leben entspannter. Drei Viertel aller Bayern sind laut der Emnid-Studie der Meinung, dass die zunehmende technische Ausstattung ihr Leben deutlich verbessert hat. Die Bayern lieben die Technik. „Liebste Hildegard, hab’ uns grad das Tina-Turner-Album runtergeladen, das du so gerne magst. Da drehen wir heute unser Wireless Hifi System auf, bis die Schwarte kracht. Bussi.“

Der ganze Fortschritt in einer SMS. Schon toll, was heute möglich ist. Gerade Smartphones sind bekanntlich wahre Wundermaschinen, die für einige moderne Menschen den gleichen Stellenwert haben wie, sagen wir, Arme und Beine. Mancher ist dermaßen mit seinem Handy verwachsen, dass es schwer zu sagen ist, wo der Mensch anfängt und wo die Technik aufhört. Das hat natürlich auch Folgen fürs Sozialverhalten. Fast jeder zweite befragte Bayer gab an, dass er das Smartphone beim Allein-Essen im Café, Restaurant oder Hotel benutzt. „Quasi als Partnerersatz!“ schlussfolgern die Umfragemacher auf der Stelle. Es ist verrückt, da wird gesimst, getwittert und gefacebooked – trotzdem wird der Mensch offenbar immer einsamer. Früher ist man mit seinem Hund Gassi gegangen, wenn man einsam war. Heute geht man mit seinem Handy zum Lieblingsitaliener. Verrückte Welt.

Aber es gibt auch Lichtblicke. 99 Prozent der befragten Bayern über 60 Jahren kommunizieren noch persönlich mit ihren Kindern und Enkeln. Das sind gute Nachrichten. Unklar ist allerdings, wie das fehlende Prozent handhabt. Womöglich per Fax oder Brieftaube.

Noch so eine gute Nachricht der Eon-Energie-Umfrage: 37 Prozent der Bayern würden ihr Wunschhaus am liebsten mit umweltfreundlicher Solarenergie heizen. Auch ein Blick über den weiß-blauen Tellerrand lässt das Herz vor Glück hüpfen: 94 Prozent der Thüringer fühlen sich besser, wenn ihre Wohnung eine schöne Beleuchtung hat. Sehr romantisch, diese Thüringer. Aber auch die Bayern haben es gerne hübsch. Das zeigt eine Frage, die direkt auf die Seele ziele. Nämlich diese: „Worauf würden Sie am wenigsten verzichten wollen, wenn Sie für sich ein neues Haus bauen?“. Darauf antworten 28 Prozent der Umfragebayern: einen „eigenen Garten, Terrasse oder Balkon“. Danach kommt mit 20 Prozent eine energieeffiziente Ausstattung. Weit abgeschlagen mit sieben Prozent: die geschmackvolle Inneneinrichtung. Da ist der Thüringer anscheinend weiter, wer hätte das gedacht.

Und sonst so? Nun ja, es gibt noch ein tolles Umfrageergebnis für alle hochmodernen Radl-Fans: 41 Prozent der Bayern könnte sich vorstellen, mit dem E-Bike zum Einkaufen zu fahren. In ganz Deutschland sind es nur 30 Prozent. Da ist der Bayer sehr fortschrittlich. Das war’s? Ja, so ziemlich. Vielleicht noch ein kleiner Schocker zum Abschluss. Obacht, geht los: Sieben Prozent der befragten Bayern haben sich tatsächlich schon mal von ihrem Partner getrennt, weil sie eifersüchtig darauf waren, dass nicht sie im Mittelpunkt standen – sondern das Smartphone. Wenn der Karren mal im Dreck ist, dann hilft auch keine Entschuldigungs-SMS mehr. „Liebste Hildegard, du Raketenfrau. Es tut mir leid, ich hätte mich mehr um dich kümmern müssen. Dein Gewicht stört mich auch nicht mehr. Wollen wir wieder Freunde sein?“ Vergiss es. Hilft nicht.

Stefan Sessler

Rubriklistenbild: © dpa

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