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Bayerns Umweltminister Marcel Huber ( CSU - r) steht am Sonntag auf einer Mangfall-Brücke in Bad Aibling und macht sich ein Bild von der Hochwasserlage.

Umweltminister Huber zum Hochwasser

"Die Lage hat fast eine katastrophale Dimension"

München - Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) über den Kampf gegen die Hochwasser-Fluten. Er betont: "Die Lage in Südostoberbayern hat fast eine katastrophale Dimension."

Bayerns Umweltminister Marcel Huber (CSU) koordiniert den Kampf gegen die Fluten. Vom Hubschrauber aus machte er sich am Sonntag ein Bild von der sich dramatisch zuspitzenden Lage. Bei einer Zwischenlandung in Bad Aibling haben wir mit Huber, der selbst auch seit Jahrzehnten aktiver Feuerwehrmann in Landkreis Mühldorf ist, telefoniert.

Bayern hat seit dem Hochwasser 1999 hunderte Millionen in Hochwasserschutz verbaut, viele Projekte waren umstritten. Retten uns diese Bauten?

Wir haben eine absolut außergewöhnliche Situation. Es wäre noch weit schlimmer, wenn die 1,6 Milliarden Euro, die wir in den letzten 13 Jahren verbaut haben, nicht stehen würden. Das ist die Hälfte unseres 3-Milliarden-Euro-Programms bis 2023. Ich bin gerade über das Mangfalltal geflogen, da konnte man sehen: Schwierig ist die Lage genau da, wo noch alte Dämme und Deiche stehen. Ähnlich ist es an der Donau.

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Über deren Ausbau und Schutz hat die Politik jahrelang nur geredet. Rächt sich die Tändelei?

Das kann man so nicht sagen. In Passau, wo es wirklich dramatisch wird, gibt es keine strittigen Maßnahmen des Donau-Ausbaus. Aber richtig ist: Weitere Maßnahmen im weiteren Verlauf der Donau werden dringend erwartet.

Fürchten Sie, die Lage wird schlimmer als beim sogenannten Jahrhundert-Hochwasser 1999?

Die Prognosen gehen in diese Richtung. Nicht überall gleichermaßen, aber die Lage in Südostoberbayern hat fast eine katastrophale Dimension. In Freilassing ist ein Damm gebrochen, die Autos stehen dort bis zum Dach im Wasser. Auch am Inn ist die Situation außergewöhnlich ernst.

Wo ist Ihre Sorge insgesamt am größten?

An der Mangfall. Ebenso bei Passau, wo wir in den frühen Morgenstunden eine Welle erwarten, die man so noch nicht gesehen hat, Pegelstände an die zwölf Meter.

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Die Bundeskanzlerin bietet die Hilfe der Bundeswehr an. Ist das nötig?

Auf jeden Fall. Wir brauchen die Bundeswehr für Passau und entlang der Donau. Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung und auch für finanzielle Hilfen. Wir werden sie brauchen können.

Haben die Vorhersage-Mechanismen im nötigen Maß funktioniert?

Sehr gut sogar. Schauen Sie: Ich war am Samstag in Kloster Weltenburg – die Donau hat völlig harmlos ausgesehen. Unter Hochdruck sind dort trotzdem Dämme zum Hochwasserschutz aufgebaut worden. Ich bin sicher: Damit hat man das Kloster gerettet.

Die Ehrenamtlichen sind bayernweit im Dauereinsatz. Sind sie es, die das Land vor der Flut retten?

Es ist das Zusammenspiel mit den Profis. Ich finde fantastisch, wie alle hinlangen. Überall sind meine Feuerwehr-Kameraden draußen. Mich beeindruckt, wie wir uns in Bayern auf Feuerwehr und Technisches Hilfswerk verlassen können.

Interview: Christian Deutschländer

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