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Triftern am Mittwoch (l.) während der Flut und nach dem Abfließen des Hochwassers am Donnerstag (r.)

Umweltministerin im Merkur-Interview

Scharf zum Hochwasser: „Diese Heftigkeit selten erlebt“

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Simbach - Wieder eine Flut-Katastrophe in Bayern – Tote, Verletzte, enorme Sachschäden, all das fast ohne jede Vorwarnung. Haben Alarmsysteme versagt? Wir telefonieren mit Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU), die in die am schlimmsten betroffenen Regionen in Ostbayern fliegt.

Überschwemmungen in Niederbayern: Der Tag danach

Milliarden werden für den Hochwasserschutz verbaut, doch erneut reißen Flüsse halbe Ortschaften weg. Versagt der staatliche Schutz vor den Fluten?

Nein. Wir haben ein Hochwasserschutz-Programm mit 3,4 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 aufgelegt, treiben das intensiv voran. Das schützt bereits tausende Ortschaften. Jetzt erleben wir aber Starkregen-Ereignisse, die punktuell wüten, während ein paar Kilometer weiter nichts passiert. Diese Intensität, diese Heftigkeit, haben wir selten zuvor gesehen. Mein Mitgefühl gilt in dieser Situation allen Betroffenen und den Angehörigen der Todesopfer.

Kleine Bäche werden zu reißenden Flüssen. Warum warnen uns die Meteorologen nicht früher?

Umweltministerin Ulrike Scharf.

Die Folgen der ganzen kleinen Gewitterzellen, die sich plötzlich formieren, kann der Wetterdienst so kaum messen und vorhersagen. Wir nähern uns hier den Grenzen der Beherrschbarkeit. Während wir jetzt telefonieren, bekomme ich die Meldung, dass Gewitterzellen die Oberpfalz erreicht haben, es werden Bahnstrecken und Straßen bei Cham gesperrt. Wir haben einen guten Hochwasser-Alarmdienst, der aber auf die Wetterdaten der Meteorologen angewiesen ist. Und die verändern sich gerade extrem schnell. Wir prüfen aber immer, ob es noch Optimierungsmöglichkeiten gibt.

Lässt sich das mit dem Klimawandel erklären?

Ich glaube, dass dieses Phänomen mit dem Klimawandel begründbar ist. Erfahrene Meteorologen sagen mir: Die Tiefs ziehen wegen der Erderwärmung – in Bayern 1,4 Grad seit 1881 – nicht mehr in der gewohnten Geschwindigkeit durch. Und wärmere Luft nimmt mehr Wasser auf. Kleine Gewitterzellen bleiben stehen, regnen sich plötzlich über einem Ort ab. Dann kommt es zu extremen Hochwassern auch an winzigen Bächen.

Der Staat will 1500 Euro Soforthilfe pro Haushalt auszahlen. Reicht das?

Das wichtigste ist, dass wir schnell und unbürokratisch reagieren. Ich habe in Ostbayern und Mittelfranken Familien getroffen, denen innerhalb einer Stunde ihr Haus weggerissen wurde. Sie haben alles verloren, keine persönlichen Dinge oder Unterlagen mehr. Da greift unsere Soforthilfe. In einem zweiten Schub will die Staatsregierung bis zu 5000 Euro pro Haushalt bereitstellen. Auch die Hilfe für Kommunen wird schnell folgen. Wir haben bei einem ersten Rundflug enorme Schäden an der Infrastruktur entdeckt, Brücken sind abgesackt, Schulen voll Schlamm – wer das nicht selbst gesehen hat, kann es sich kaum vorstellen.

Sind genügend Helfer vor Ort?

Ich bin sehr stolz auf die Rettungskräfte und unsere ehrenamtlichen Helfer, sie leisten Großes. Allein im Bereich Simbach sind rund 2000 Helfer vor Ort. Der Landrat, der die ganze Nacht im Einsatz war, hat mir gesagt, im Moment brauche man keine Verstärkung. Bald stehen aber die Aufräumarbeiten an, das wird massiv. Viele Orte sind auf Solidarität angewiesen.

Offenbar waren in Niederbayern Plünderer aktiv. Hat der Staat Kapazitäten, parallel auch dagegen noch zu kämpfen?

Ja. Ich finde es abstoßend, in diesen Stunden die extreme Notlage auszunutzen. Die Polizei ist in allen Orten präsent, die ganze Nacht durch, es hat schon Festnahmen gegeben. Auch die Bundespolizei bietet ihre Mithilfe an.

Ist das Gröbste jetzt überstanden?

Der Wetterdienst warnt: Das Tief hängt noch über uns. Wir müssen weiter mit örtlichem Starkregen rechnen.

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