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In Bad Endorf nahe dem Chiemsee wird nicht nach Erdgas gebort.

Umstrittene Bohrungen

Freude über Aus für Erdgasbohrung

Bad Endorf - Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) hat erleichtert auf das Aus für die geplanten umstrittenen Erdgasbohrungen in einem der ältesten Naturschutzgebiete Südbayerns reagiert.

"Wir hatten erhebliche naturschutzfachliche Bedenken“, sagte am Montag der BN-Referent für Energie und Klimaschutz, Herbert Barthel. Zwar habe der Bund Naturschutz generell nichts gegen Erdgasbohrungen, „aber bei dem vorgesehenen Standort handelt es sich um ein altehrwürdiges Naturschutzgebiet“.

Die österreichische Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft (RAG) hatte am Freitag mitgeteilt, ihre Pläne zur Bohrung von Erdgas in Bad Endorf (Landkreis Rosenheim) nahe dem Chiemsee nicht weiter zu verfolgen. Sie begründete dies mit einer Neubewertung des Vorhabens. Das Projekt an einer bei vielen Badegästen beliebten Seenplatte war nicht nur in der Bevölkerung ringsum auf breiten Widerstand gestoßen. In bis zu 3000 Metern Tiefe werden dort bis zu 300 Millionen Kubikmeter Gas vermutet.

Gegen die Bohrungen im Ortsteil Mauerkirchen hatte sich auch der frühere Münchner Stadtrat und Vorsitzende der Umweltorganisation „David gegen Goliath“ (DaGG), Bernhard Fricke, stark gemacht. Er hatte für den Fall des Festhaltens an den Bohrplänen Proteste wie einst gegen die geplante atomare Wiederaufarbeitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf angekündigt. Fricke sprach nun von einem Mut machenden Signal für alle, die sich „gegen die fortschreitende Zerstörung der Natur einsetzen“. Er forderte die Angleichung des „extrem bürgerfeindlichen“ Bergrechts an andere öffentliche Planungsverfahren mit Mitwirkungsrechten und gerichtlichen Überprüfungsmöglichkeiten.

Erdgasbohrungen orientieren sich am Bergrecht. Es gibt dagegen kaum Einspruchsrechte der Öffentlichkeit. Juristisch hätte das Vorhaben daher nach Überzeugung des DaGG-Vorsitzenden kaum verhindert werden können. „Wenn wir inzwischen so weit verkommen sind, dass wir aus wirtschaftlichen Erwägungen den Schutz eines der wenigen Naturschutzgebiete aufgeben, dann machen wir uns völlig unglaubwürdig“, mahnte Fricke.

Ursprünglich hatte die RAG an einer anderen Stelle am Rande des Naturschutzgebiets bohren wollen, nach Bürgerprotesten aber einen Alternativstandort ins Auge gefasst. Doch auch dort formierte sich rasch breiter Widerstand der Bürgerinitiative „Gegen Gasbohren am Langbürgner See“. Das Gewässer gehört zur Eggstätter Seenplatte - einem bei Einheimischen und Urlaubern gleichermaßen beliebten Naherholungsgebiet.

Die RAG bohrt seit 75 Jahren nach Erdöl und Erdgas. Sie hat seitdem nach ihren Angaben mehr als 15 Millionen Tonnen Rohöl und mehr als 24,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Die RAG ist außerhalb Österreichs auch in Deutschland, Ungarn, Polen und der Ukraine tätig. Im Erfolgsfall hätte das Gas unter dem Langbürgner See von der Bayerngas gefördert werden sollen.

dpa

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