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Für den Bau von Schneekanonen-Anlagen wird stark in die Natur eingegriffen.

Bericht über künstliche Beschneiung

Umweltsünder Schneekanone? CSU und SPD uneins über Folgen

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München - Das bayerische Umweltministerium spricht in einem aktuellen Bericht von schweren Schäden für die Tier- und Pflanzenwelt durch Schneekanonen. Die SPD fordert Konsequenzen – in der CSU versteht man die Aufregung nicht.

Man musste kein Fachmann sein, um sich die Schäden ausmalen zu können. Tonnenschweres Baugerät grub sich Mitte 2014 durch die Berghänge am Sudelfeld (Kreis Miesbach). Das Gebiet sah zeitweise aus wie ein von Mondgräben durchzogener Acker. Heute liegt an dieser Stelle ein ruhiger Speicherteich, mit dessen Wasser im Winter Schneekanonen gefüttert werden. Egid Stadler sagt: „Wir hatten mit der Wiederbegrünung kein Problem.“

Stadler ist Geschäftsführer der Lifte im Skigebiet Sudelfeld, über dessen Modernisierung heftig gestritten wurde. Naturschützer warnten vor bleibenden Schäden für die Natur. Befürworter künstlicher Beschneiung, auch die Staatsregierung, betonten den wirtschaftlichen Nutzen der Anlagen und verwiesen auf Ausgleichsflächen für das neu bebaute Gebiet. Nun schlägt ausgerechnet das bayerische Umweltministerium andere Töne an.

Baumaßnahmen verursachen Schäden

SPD-Mann Florian von Brunn (o.) ist einer der Gegner dieser Technik.

In einem Bericht erklärt das Ministerium, die Modernisierung von Skigebieten mit Schneekanonen könne die Natur in den Alpen für Jahrzehnte schädigen. Ursache dafür seien jedoch nicht die Schneekanonen, sondern die Baumaßnahmen. In dem Papier heißt es: „Bei der Verlegung von Wasser-, Druckluft- und Stromleitungen werden schwere Baumaschinen eingesetzt und gerade in höheren Lagen kann es viele Jahrzehnte dauern, bis sich Humusschicht, Bodenleben sowie Pflanzen- und Tierwelt von den Eingriffen erholen können.“

Angestoßen hatte den Bericht die SPD-Fraktion im Landtag. Sie fühlt sich in ihrer Kritik an künstlicher Beschneiung bestätigt. SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn spricht von „schwerwiegenden Eingriffen in die Natur“ und kritisiert die Genehmigungspraxis solcher Anlagen als zu lax. „Es gibt keinen Fall, in dem ein Antrag auf künstliche Beschneiung abgelehnt wurde.“ Die Vorschriften, sagt er, müssten verschärft werden.

Zudem fordert von Brunn, ab einer Höhe von 1400 Metern verpflichtend eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen. Im Ministeriums-Bericht ist nämlich festgehalten, dass der Einfluss künstlicher Beschneiung auf die Pflanzenwelt ab genau dieser Höhe „gravierend“ sei. Im Moment ist eine Verträglichkeitsprüfung gesetzlich ab einer Höhe von 1800 Metern Pflicht – nur wenige Skigebiete in Bayern erreichen diese Höhe. Von Brunn sagt: „Die Staatsregierung widerspricht sich hier doch selbst.“

"Diskussion völlig übertrieben"

Sein CSU-Kollege Klaus Stöttner kann die Aufregung um das Papier nicht verstehen, nennt die Diskussion „völlig übertrieben“. In der internationalen Alpenkonvention sei künstliche Beschneiung ausdrücklich vorgesehen. „Außerdem ist der Ministeriums-Bericht in großen Teilen eher ausgewogen.“

Tatsächlich nennt das Papier zum Beispiel die Anlage von Speicherbecken für die Entwicklung von Amphibien „eher positiv“. Außerdem macht es für Umweltsünden nicht allein die künstliche Beschneiung verantwortlich, sondern die Skipisten generell. Demnach sind Erosionsschäden auf planierten Pisten grundsätzlich größer – und damit auch die Gefahr von Erdrutschen oder Hangabbrüchen.

Auch die Auswirkungen der Beschneiung auf den Wasserhaushalt sind laut Ministerium „eher von geringer Bedeutung“. Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann hält das für absurd. Die Skiindustrie habe 2015 „so viel Wasser in die Schnee-Erzeugung gepumpt, wie eine mittelgroße Stadt, etwa Passau, im Jahr verbraucht“. Beschneiung hält er wie von Brunn für verantwortungslos.

Etwa 20 Prozent der bayerischen Skigebiete werden inzwischen beschneit. Nur, würde CSU-Mann Stöttner wohl sagen, der von großem Nachholbedarf spricht. Das Allheilmittel ist Beschneiung offenbar nicht. Egid Stadler vom Sudelfeld weiß das längst. Der milde Winter war für den Liftbetreiber ein Problem. „Wir hatten’s schwer.“

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