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Für Kinder von Flüchtlingen (hier in einer Grundschule in München) gibt es Erleichterungen bei den herkömmlichen Übertrittsregeln. 

Heute gibt es Zeugnisse in der 4. Klasse

Die unbekannte Übertritts-Regel

München – Heute gibt es die Übertrittszeugnisse für die Viertklässler. Vor allem für Flüchtlingskinder ist aber der Wechsel aufs Gymnasium oder die Realschule schwer zu meistern. Es sei denn, ihnen wird mit einer wenig bekannten Ausnahmeregelung geholfen.

2,33 – diese Zahl kennen alle Eltern von Viertklässlern. Wer in Mathe, Deutsch und Heimat- und Sachunterricht (HSU) diesen Notenschnitt erreicht, der darf aufs Gymnasium wechseln. Mit mindestens 2,66 ist der Wechsel auf die Realschule möglich. Bayernweit sind die Wechselquoten seit einigen Jahren konstant – etwa 40 Prozent der Kinder, weit mehr als noch in den 1990er-Jahren, gehen aufs Gymnasium, je 30 Prozent auf Real- und Mittelschule. Regional gibt es freilich große Unterschiede In München etwa gingen zum Schuljahr 2015/16 53,4 aller Grundschulkinder aufs Gymnasium, im Landkreis München sogar fast 60 Prozent, in Mühldorf hingegen nicht einmal 30 Prozent.

Obwohl zum Beispiel SPD oder der Lehrerverband BLLV Jahr für Jahr fordern, den Elternwillen freizugeben und auf die Notengrenze zu verzichten, sollte man wissen: Gänzlich unüberwindbar ist die Noten-Hürde schon länger nicht mehr. Schon seit 2010 gibt es die Möglichkeit, auch bei einem schlechteren Notenschnitt einen Probeunterricht am Gymnasium zu besuchen – hat das Kind bei den Abschlusstests in Mathe und Deutsch jeweils mindestens einen Vierer, ist der Wechsel möglich.

Seit 2014 greift zudem eine Regelung, die künftig mehr und mehr Gewicht haben dürfte: Für Schüler „mit nichtdeutscher Muttersprache“ kann auch mit einem Schnitt von 3,33 die Eignung für Realschule oder Gymnasium festgestellt werden – „wenn dies auf Schwächen in der deutschen Sprache zurückzuführen ist, die noch behebbar erscheinen“, wie es in Paragraph 25, Absatz 5 der Grundschulordnung heißt. Eine entsprechende Regelung gibt es auch für nicht-deutsche Mittelschüler, die auf den M-Zug wechseln wollen.

Die ersten Flüchtlingskinder machen von der Regelung schon Gebrauch, bestätigt zum Beispiel die Schulamtsdirektorin im Landkreis München, Evelyn Sehling-Gebranzig. „Wir haben zwei Kinder, in denen uns die Schulleiter sagten: Das wäre jemand für Gymnasium oder Realschule.“ Entscheiden müsse darüber die Lehrerkonferenz. „Ich weiß, dass einige Kinder den Übertritt aufs Gymnasium nur geschafft haben, weil es diesen Paragraphen gibt“, berichtet auch Ute Schöder, Konrektorin der Grundschule am Ravensburger Ring in München-Pasing. Markus Rinner, Rektor der Mittelschule Kolbermoor (Kreis Rosenheim), hat den Paragraphen in der Mittelschulordnung ebenfalls schon angewendet. Zwei Schüler konnten in den M-Zweig wechseln.

Im Alltag angekommen sind die Regelungen aber eher noch nicht – sie werden in der offiziellen Übertrittsbroschüre des Kultusministerium („Der beste Bildungsweg für mein Kind“) auch nur in einer Fußnote erwähnt. Unserer Redaktion ist der Fall eines afghanischen Mädchens im Landkreis Fürstenfeldbruck bekannt, das trotz wiederholter Fürsprache einer Schulpatin noch nicht sicher weiß, ob es in den M-Zug wechseln darf.

Jeder Rektor müsste über die Regelung Bescheid wissen, sagt der Sprecher des Kultusministeriums, Ludwig Unger. Inwieweit sie schon greife, sei im Ministerium aber unbekannt. Rektor Rinner denkt, dass dies eine Zeitfrage ist: „Im Moment sind es Einzelfälle, meine Erfahrung ist, dass die Flüchtlingskinder erst Fuß fassen müssen“. In einem Jahr könne der Paragraph mehr Bedeutung haben. Dann könnte auch die Übertrittsquote auf Realschule und Gymnasium weiter steigen.  

Dirk Walter und Susanne Stockmann

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