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Arme Amseln: Das afrikanische Usutu-Virus wird von Mücken auf Vögel übertragen. Hunderttausende Tiere sind deswegen verendet – vor allem Amseln.

Übertragen durch Stechmücken

Das unberechenbare Usutu-Vogelvirus

München - Hunderttausende Vögel sind in den vergangenen zwei Jahren an einem afrikanischen Virus gestorben. Es wird durch Mücken übertragen. In Bayern gab es erst vier nachgewiesene Fälle – doch eines hat das Virus bereits bewiesen: Es ist unberechenbar.

„Wir hoffen, dass die Vögel inzwischen eine Immunität aufgebaut haben“, sagt Norbert Becker, der als wissenschaftlicher Leiter für die kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) das Virus erforscht. Bislang haben die Forscher einen Beweis dafür geliefert, dass der Erreger in den Mücken überwintern kann. Unbekannt ist noch, wie er übertragen wird. Denn nicht jeder Mückenstich bedeutet eine Infektion. Auch über die Ausbreitung haben die Virologen bislang viel zu wenig Informationen. „Wir wissen, dass vor allem die Regionen betroffen sind, in denen das Klima für Mücken günstig ist“, sagt Becker. Weinbaugebiete sind ideal zum Überwintern. Außerdem brauchen die Mücken Wasser. Die Experten hoffen zwar, dass der lange, kalte Winter für viele Mücken den Tod bedeutet hat und diesen Sommer weniger tote Vögel entdeckt werden – sie trauen sich allerdings noch nicht, Entwarnung zu geben. „Viren sind unberechenbar, man weiß nie, wie sie sich weiterentwickeln“, sagt Becker. „Der Schwerpunkt könnte sich in Deutschland wieder verlagern.“

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Die bayerischen Amseln, Stare und Sperlinge sind bisher großteils verschont geblieben. Zwölf tote Vögel wurden vergangenes Jahr untersucht, vier von ihnen trugen das Usutu-Virus in sich. In Baden-Württemberg waren es sechsmal so viele. „Es ist gut möglich, dass das Vogelsterben auch Bayern erwischt“, sagt Steffen Hannich vom Landesbund für Vogelschutz. Schon vergangenen Sommer kamen immer wieder Anrufe, erinnert sich der Artenschutzbeauftragte. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hatte damals darum gebeten, es zu melden, wenn tote Vögel gefunden werden oder sie direkt an das Bernhard-Nocht-Institut nach Hamburg zu schicken. Den Virologen bleibt nichts anderes übrig, als das Virus weiter zu erforschen – und zu hoffen, dass die Vögel von selbst Abwehrkräfte gegen die Viren entwickeln.

„Wenn ein Virus erstmal da ist, wird man es so schnell nicht mehr los.“

Ein bisschen Hoffnung haben sie allerdings. „Es sieht so aus, als ob es zuletzt nicht zu einem weiteren Einbruch der Population gekommen ist“, sagt Lars Lachmann, der NABU-Vogelschutzexperte. Er sammelt die Meldungen über tote Vögel. Zählungen im Januar haben Hinweise darauf gegeben, dass ein Teil der Tiere inzwischen immun gegen das exotische Virus ist, das die Vögel aus Afrika im Frühjahr mit nach Deutschland gebracht haben und das sich hier durch die Mücken verbreiten konnte. Gewissheit, dass sich der Erreger nicht weiter ausbreitet, gibt es erst bei einer erneuten Datenerhebung im Mai.

Eine Gefahr für den Bestand einiger Vogelsorten sehen die Experten nicht – obwohl es in den vergangenen Jahren vor allem bei den Amseln einen signifikanten Rückgang gegeben habe. Und auch für die Menschen ist der Erreger in der Regel nicht gefährlich, betonen die Forscher. Die Infektion ist mit Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlägen verbunden, bei geschwächten Menschen kann das Virus im schlimmsten Fall eine Gehirnentzündung auslösen. In Deutschland gab es erst einen Fall, der Mann aus Hessen hatte die Infektion nicht einmal bemerkt, bei einer Untersuchung wurden 2012 Antikörper in seinem Blut gefunden. Der Virologe Norbert Becker ist trotzdem etwas beunruhigt. „Wenn ein Virus erstmal da ist, wird man es so schnell nicht mehr los“, sagt er.

Von Katrin Woitsch

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