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So klappt es nicht immer: Nicht selten werden Einsatz- oder Bergungsfahrzeuge bei Notfällen blockiert, weil Autofahrer keine Rettungsgasse bilden.

Rettungsgasse nach Unfällen

Platz da! So will Bayern seine Autofahrer erziehen

Hohenbrunn - Mitdenken ist eine Kunst – und manchmal einfach Pflicht. Nach einem Unfall auf der Autobahn etwa gilt: Rettungsgasse bilden. Klingt einfach, ist aber oft ein Problem. Per Kampagne will das Innenministerium das ändern.

Auf der A 8 bei Dachau ist passiert, was nicht passieren darf. Ein Lkw kippt auf der Fahrbahn um, zwei Autofahrer krachen in das Wrack, was übrig ist, fängt Feuer. Rettungsdienst, Polizei, Bergungsteams rücken sofort aus. Aber: Sie müssen sich vorkämpfen, kommen erst gar nicht, dann nur langsam bis zum Unfallort. „Wir sind massivst behindert worden“, wird Feuerwehr-Einsatzleiter Heinrich Schmalenberg später sagen. Viele hätten fotografiert und gefilmt. Aber eine Rettungsgasse? Fehlanzeige.

Ob aus Unwissen, Voyeurismus oder Ignoranz – dass Autofahrer Rettungsgassen für Einsatzfahrzeuge nur zögerlich oder gar nicht bilden, passiert häufig. Zu häufig, heißt es inzwischen selbst in der Regierung. Darum stellte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gestern in Hohenbrunn (Kreis München) die Aktion „Eins links – zwei rechts“ vor, die sein Ministerium gemeinsam mit dem ADAC auf die Beine gestellt hat. Ziel, laut Herrmann: „Wir wollen die Notwendigkeit der Rettungsgassen stärker ins Bewusstsein der Fahrer rücken.“

Geschehen soll das auf verschiedenen Wegen. Ein Faltblatt wird auf Rast- und Parkplätzen ausliegen. Zudem sollen die Stauberater, die der ADAC während der Sommerferien auf stark befahrene Autobahnen wie die A 8 oder die A 93 schickt, verstärkt auf die Regelungen zur Rettungsgasse hinweisen.

Die Aktion soll ein erster Schritt zu mehr Sicherheit sein. Ebersbergs Kreisbrandrat Gerhard Bullinger, der die Aktion maßgeblich mit initiiert hat, hält sie für dringend notwendig. Jährlich rückt er bei rund 70 schweren Unfällen aus. Busbrände, Massenkarambolagen und ähnliches. Er schätzt, dass die Bildung einer Rettungsgasse bei 50 bis 60 Prozent dieser Einsätze nicht richtig funktioniert. „Manche fragen sogar, was eine Rettungsgasse ist.“

Das Faltblatt hat einfache Antworten parat. Auf dreispurigen Autobahnen zum Beispiel muss die Gasse zwischen der linken und den beiden rechten Fahrstreifen gebildet werden. Ist die Straße zweispurig, sollten die Fahrer auf den jeweiligen Fahrbahnrand ausweichen. In Hohenbrunn betonte Innenminister Herrmann zudem, dass schon bei stockendem Verkehr eine Rettungsgasse gebildet werden müsse, ohne sie direkt wieder zu schließen.

Gerade letzteren Fall bemerkt Kreisbrandrat Bullinger immer häufiger. „Die Fahrer haben dann Angst, dass der Hintermann die Gasse für sich nutzt“, sagt er. Noch gestern Morgen habe er das bei einem schweren Unfall beobachtet. Dass das Bilden von Rettungsgassen in Paragraf 11 der Straßenverkehrsordnung geregelt ist und bei Verstoß ein kleines Verwarnungsgeld verhängt werden kann, scheinen nur wenige zu wissen.

Restriktivere Maßnahmen, etwa eine Geldstrafe von mehr als 2000 Euro, wie sie in Österreich gilt, sind laut Herrmann nicht in Planung. Auszuschließen sei das zwar nicht. „Aber die Menschen müssen die Notwendigkeit erstmal einsehen.“

Eine Ahnung davon, wie nötig die Rettungsgasse im Einzelfall sein kann, gibt die so genannte Golden Hour of Shock. Sie steht für jene 60 Minuten, die zwischen dem Unfall und der Einlieferung eines Verletzten in ein Krankenhaus maximal liegen dürfen. Danach wird’s lebensgefährlich. Zum Vergleich: Laut Bullinger dauert schon das Herausschneiden einer Person aus einem Autowrack gut 20 Minuten.

Die neue Aktion soll erste Erfolge bringen. Weitere Schritte sind geplant. Die Polizei, sagte Herrmann, teste zur Zeit Textsignale wie „Gasse bilden“ auf den Blaulichtbalken. Auch auf den Schilderbrücken der Autobahnen könnte bald auf Gassen hingewiesen werden.

Wer es ganz unkompliziert mag, hört Radio. Dort gibt es nämlich seit Kurzem Durchsagen, wann Gassen zu bilden sind.

Marcus Mäckler

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