Bergbauern in Sorge

Ungewöhnlich viele Rinder verendet

Immenstadt - Bis Monatsende werden 50.000 Rinder von den Bergweiden Bayerns getrieben. Für viele Landwirte geht eine durchwachsene Saison zu Ende. Sorgen bereitet manchen, dass etliche Tiere auf rätselhafte Weise verendeten.

Auf den Bergweiden der Bayerischen Alpen sind in der zu Ende gehenden Sommersaison ungewöhnlich viele Rinder verendet. „Es waren auf jeden Fall mehr als im letzten Jahr“, sagte der Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins Allgäu, Franz Hage. Wie viele Tiere genau im Allgäu bei Abstürzen, durch Blitzschläge oder in Folge von Verletzungen ums Leben kamen, konnte er noch nicht sagen.

In Oberbayern bereitet manchem Almbauern Sorge, dass etliche Tiere neben den üblichen Verlusten an bisher unerklärlichen Vergiftungen eingingen. Zwar wird eine natürliche Ursache vermutet, etwa Schlangenbisse oder Allergien durch viele Wespenstiche, doch sei die Zunahme besorgniserregend, hieß es.

Bis Ende des Monats werden in Bayern mehr als 50.000 Jungrinder und Milchkühe von den insgesamt rund 1400 Alpen (Allgäu) und Almen (Oberbayern) ins Tal getrieben, wo sie ihre Winterquartiere beziehen. Das Ende des Bergsommers beginnt an diesem Donnerstag (11. September) mit dem ersten sogenannten Viehscheid in Bad Hindelang im Oberallgäu.

Die Bergbauern haben eine zuletzt verregnete Saison hinter sich. „Seit Mitte Juli hatten wir Regenwetter“, sagte Hage. Dennoch zeigte er sich nicht unzufrieden: „Für die Tiere war es eine gute Saison. Sie mögen es lieber feucht und kühl als zu heiß. Und durch den Regen war der Grasaufwuchs gut.“ Sogar auf den südseitigen Weiden, die in anderen Jahren häufig zu trocken sind, hätten die Tiere ausreichend Futter gefunden. Trotzdem hätten sich die Hirten zwischendurch ein paar trockene Tage gewünscht. „Das Vieh macht bei der Nässe viel Dreck und gräbt die Weiden um“, erklärte Hage.

In Oberbayern heißt es, zunächst habe es genügend saftiges Futter für die Tiere gegeben. Nach dem anhaltenden Regen im Juli und August sei der Ertrag aber rapide gesunken, berichten Almbauern. Deshalb müsse das Vieh teils bis zu zwei Wochen früher in seine Winterquartiere zurückkehren - nicht zuletzt deshalb, weil es das rar gewordene Futter auf den durchweichten Böden auch noch zertrat.

Wenn die Hirten mit dem Vieh nach etwa 100 Tagen von den Alpen ins Tal zurückkehren, wird das im Allgäu in den bergnahen Orten traditionell mit großen Volksfesten gefeiert. Für den Abtrieb werden den Rindern große, schwere Schellen aus Schwarzblech um den Hals gehängt. Mit ihrem Geläut kündigen sie schon von weitem ihre Ankunft an. Zehntausende Einheimische und Touristen lockt das Spektakel jedes Jahr an.

In Oberbayern wird das Ende des Bergsommers eher im Stillen gefeiert. Die Almabtriebe sind meist ein Fest für die Familie - Urlauber bekommen wenig davon mit.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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