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Wilhelmine Schaefer und Gerhard Beyl.

"Von Anfang an war Zuneigung da"

Ein ungewöhnliches Liebespaar: Sie 101, er 61

Augsburg - Ihre Liebe kann mehrere Jahrzehnte Altersunterschied überbrücken: Seit mehr als 20 Jahren sind Gerhard Beyl und Wilhelmine Schaefer miteinander glücklich. Der Augsburger ist 61 Jahre alt - seine Partnerin seit kurzem 101.

Die Liebe kennt kein Alter - und keinen Altersunterschied. Den früheren SPD-Chef Franz Müntefering und seine Frau Michelle trennen 40 Jahre. Den österreichischen Bauunternehmer Richard Lugner und das Model Cathy Schmitz sogar 58 Jahre. Aber umgekehrt? „Mich hat der Altersunterschied nie gestört. Von Anfang an war eine Zuneigung da - und die ist bis heute geblieben“, sagt Gerhard Beyl. Der 61-Jährige aus Augsburg lebt seit mehr als 20 Jahren mit einer Frau zusammen, die 40 Jahre älter ist als er. Vor wenigen Wochen haben sie gemeinsam ihren 101. Geburtstag gefeiert.

„Das Alter ist für mich nicht von außerordentlicher Bedeutung“, sagt Wilhelmine Schaefer und schenkt ihrem Lebensgefährten ein strahlendes Lächeln. „Ich habe früher immer mit jüngeren Männern Tennis gespielt - das war für mich nie etwas Besonderes.“

Tennis war Schaefers große Leidenschaft: „Ich habe fast 80 Jahre lang Tennis gespielt“, sagt sie stolz. Der Sport war es auch, der sie und Beyl zueinander führte. „Das war vor 24 Jahren“, sagt Beyl und erzählt von den Anfängen der ungewöhnlichen Liebesgeschichte. Er besuchte damals einen Sportkurs an der Volkshochschule. Eines Tages schickte ihn der Kursleiter Karl Schaefer zu sich nach Hause, weil er die Basketbälle vergessen hatte. Als die Frau des Sportlehrers die Tür öffnete, war es um Beyl geschehen. „Schon beim ersten Besuch habe ich eine Zuneigung gespürt“, sagt er.

Gut in Erinnerung geblieben sei ihm auch, dass Wilhelmine Schaefer ihn sofort darauf ansprach, ob er denn Tennis spiele. „Als ich das verneinte, sagte sie: „Dann lernen sie's!““ Das hat er dann auch getan. Dass die Frau, die damals vor ihm stand, 40 Jahre älter war als er, sei ihm nicht bewusst gewesen. „Sie sah schon immer deutlich jünger aus als sie ist.“ Zunächst entwickelte sich eine Tennisfreundschaft zwischen den beiden. Als Schaefers Mann wenig später starb, wurde eine Liebesbeziehung daraus. Seit über 20 Jahren leben sie in einer gemeinsamen Wohnung mitten in Augsburg.

Der große Altersunterschied sei für sie nie ein Problem gewesen, sagen beide. Sie führen das auf die vielen gemeinsamen Interessen zurück. Vor allem Reisen und Tennis sei ihnen immer wichtig gewesen. „Wir waren sogar in Melbourne bei den Australian Open“, sagt Schaefer. Auch heute noch genießen sie die gemeinsamen Unternehmungen - auch wenn die 101-Jährige nicht mehr so gut laufen kann. Auf den wöchentlichen Ausflug ins Allgäu will sie dennoch nicht verzichten. „Er schiebt mich im Rollstuhl um den Hopfensee - das ist wunderbar.“ Und Weihnachten und Silvester verbringen sie wie jedes Jahr im oberbayerischen Reit im Winkl.

„Es ist etwas Besonderes, wenn jemand im Alter von 101 Jahren noch eine Beziehung leben kann - vor allem, wenn es wie in diesem Fall eine Frau ist“, sagt Heidi Walter, Sozialpädagogin bei Pro Familia Augsburg. Weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben und es durch die beiden Weltkriege weniger Männer gibt, seien Frauen in ihren letzten Lebensjahren häufig alleine. Die meisten Menschen würden sich jedoch nichts sehnlicher wünschen, als mit dem Menschen, den sie mögen, schätzen und lieben, alt zu werden. „Beziehung ist das Lebensthema von Geburt bis Tod. Und eine zufriedene, glückliche Partnerschaft im Alter trägt zu einem sowohl seelischen als auch körperlichen Wohlbefinden bei“, sagt Walter.

Das Umfeld habe ihre Beziehung stets toleriert - trotz des Altersunterschieds von 40 Jahren, sagt Beyl. „Man weiß natürlich nicht, was hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird. Aber zu uns selbst waren die Menschen immer freundlich und nett.“ Dass man sie im Hotel schon mal als Mutter und Sohn angesprochen hat, habe ihm nie etwas ausgemacht. „Ich habe dann gesagt, dass sie meine Lebensgefährtin ist. Damit war für mich die Sache erledigt.“

Auch Schaefers Kinder haben den Partner der Mutter akzeptiert - obwohl sie weitaus älter sind als er. „Mein Sohn ist jetzt 80“, sagt Schaefer und schüttelt ungläubig den Kopf. „Meine Güte, 80 - und trotzdem bleiben sie die Kinder.“ Dass Tochter und Sohn die Beziehung gutheißen, habe vor allem einen Grund: „Sie sind froh, dass ich nicht alleine bin. Wenn ich ihn nicht hätte, wäre ich jetzt im Heim.“

Dass auch sie froh sind, einander zu haben, ist Schaefer und Beyl deutlich anzumerken. Immer wieder nimmt der 61-Jährige die Hand seiner Lebensgefährtin und hält sie fest. Mit ganzem Herzen steht er zu dieser Beziehung. Das zeigt er jedes Jahr am Geburtstag seiner Partnerin, indem er ihr öffentlich seine Liebe erklärt. „In tiefer und ewiger Treue zu Dir ziehe ich meinen Hut und sage Chapeau zu Deinem 101. Geburtstag“, stand kürzlich in der großformatigen Anzeige der „Augsburger Allgemeinen“. Und weiter: „Es ist ein Glück des Himmels, Dich als Lebensgefährtin haben zu dürfen.“

dpa

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