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Bei einem tragischen Unfall auf einem Rodelberg im niederbayerischen Plattling (Kreis Deggendorf) ist ein elfjähriger Bub am Samstagnachmittag ums Leben gekommen.

Unglück am Rodelberg: Elfjähriger verblutet

Plattling - Er hatte keine Chance: Der elfjährige Felix hat sich am Samstag auf einem Schlittenberg in Plattling (Kreis Deggendorf) den Oberschenkel an einer abgebrochenen Bierflasche aufgerissen – er verblutete.

Wo sonst hunderte Kinder den Hang hinabflitzen, herrschte gestern Vormittag Stille. Die Menschen in Plattling stehen unter Schock, sie können nicht glauben, was hier vor ihrer Haustür passiert ist. Gestern Nachmittag gingen die Eltern noch einmal an den Ort, an dem der Elfjährige tödlich verletzt wurde. Sie stellten ein Holzkreuz auf, Blumen und Kerzen – und weinten vor dem Bild ihres Sohnes.

Bestes Winterwetter herrscht am Samstagnachmittag. Zig Kinder und Eltern nutzen den Schnee und vergnügen sich am Rodelberg. Felix und sein Freund rutschten kurz vor drei Uhr nicht wie die anderen den breiten Hang hinab, sondern auf der anderen Seite des Hügels, wo es extrem steil hinuntergeht. Felix hat keinen Schlitten, rutscht auf dem Hosenboden hinunter. Unter dem Schnee verdeckt liegt eine zerbrochene Flasche – das Glas ist messerscharf. Die Scherbe schlitzt ihm 16 Zentimeter lang den Oberschenkel auf, Felix blutet sofort stark. Seine Mutter eilt zu ihm, doch innerhalb nur einer Minute verliert er das Bewusstsein. Der herbeigeeilte Notarzt versorgt ihn vor Ort, Felix kann reanimiert werden – doch er stirbt etwa eine Stunde später im Krankenhaus.

Am Schlittenberg zurück bleiben schockierte Kinder und Erwachsene. Die Polizei sperrt den Gipfel des Bergs ab. Auch Bürgermeister Erich Schmid eilt sofort zur Unfallstelle. Er ist fassungslos: „Wir fragen uns nur immer wieder: Wie hätten wir das verhindern können? Aber es war nicht zu verhindern.“

Das bestätigt die Münchner Ärztin Dr. Nicola Fritz: „Nur ein erfahrener Arzt hätte wohl die verletzte Arterie rechtzeitig gefunden und den Blutfluss stoppen können.“ Felix hatte sich an der Bierflasche eine dicke Arterie im Oberschenkel aufgerissen. Sie ist bei Erwachsenen so dick wie ein Gartenschlauch. Wenn diese zerschnitten wird, müsste ein Arzt daneben stehen, der das Problem sofort erkennt und das pumpende Gefäß findet, das versteckt im Muskelgewebe liegt, erklärt Dr. Fritz. Auch ein Abbinden des Beines hätte Felix nicht gerettet. „Selbst wenn man das rechtzeitig macht, müsste man sehr viel Druck aufwenden, um das Bein komplett abzubinden. Das ist fast unmöglich.“

In der Nacht auf Sonntag haben viele Menschen in Plattling nicht geschlafen. Bürgermeister Schmid: „Der Bauhof-Leiter hat mich in der Nacht um drei Uhr noch angerufen und gefragt: Hätten wir nicht doch irgendetwas tun können?“

Der Schlittenberg wurde vor Jahren extra aufgeschüttet. Von dem 18 Meter hohen Hügel hat man eine schöne Aussicht in den Bayerischen Wald. Im Sommer finden dort oft Feste statt, es gibt eine Sonnwendfeier. Erika P. (Name geändert), die neben dem Rodelberg wohnt, sah noch den Sanka mit Felix in Richtung Klinik vorbeirasen. „Ich stell’ mir nur vor, wenn das meinem Enkel passiert wäre. Es ist so furchtbar. Und die Eltern und der Bruder – um Gottes Willen, die haben ja alle einen Schock.“

„Es ist für mich unfassbar, dass ich mit Dir nie wieder lachen und Spaß haben kann“, hat ein Freund von Felix in Kinderschrift auf eine Karte geschrieben und sie am Fuß des Rodelbergs hingestellt. „Ich werde Dich sehr vermissen.“ Bei allen, die den Buben kannten, etwa den Fußballbuben des SV Pankofen, wo Felix und sein Bruder Axel spielten, herrscht Trauer.

Eigentlich hätte Samstagnacht ein Nachtrodeln am Schlittenberg stattfinden sollen – die Feuerwehr sagte es ab. Erst gestern Nachmittag wagten sich die ersten Kinder wieder auf den Berg.

Andrea Stinglwagner / Jacob Mell

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