Uni-Protest gegen Baustopp

München - Die bayerischen Universitäten und Fachhochschulen befürchten Verzögerungen beim Ausbau ihrer Einrichtungen. Grund ist ein sofortiger Stopp für öffentliche Bauten, den das bayerische Kabinett vergangene Woche verfügt hat.

Eigentlich soll die Fachhochschule Ingolstadt in den kommenden Jahren ordentlich wachsen. Die Zahl der Studienplätze soll sich von 2500 auf 5000 verdoppeln, Hörsäle, Labore, Büros und eine Bibliothek sind neu geplant. Das 51-Millionen-Euro-Projekt war ausgeschrieben (Bewerbungsschluss 30. Juli), nun wäre die Vergabe fällig gewesen - vergangenen Dienstag aber verhängte der bayerische Ministerrat eine drakonische Maßnahme. Sämtliche Planungen, Baufreigaben und Ausschreibungen neuer Projekte im staatlichen Hoch-, Tief-, und Wasserbau werden „vorsorglich“ und „vorübergehend“ ausgesetzt.

„Ein fatales Zeichen“, erklärt der Verein „Hochschule Bayern“, in dem die bayerischen Fachhochschulen zusammengeschlossen sind. Die Folgen für den doppelten Abiturjahrgang, der im nächsten Jahr von den Gymnasien abgeht, könnten gravierend sein, warnt Prof. Gunter Schweiger, Vorsitzender des Hochschul-Vereins und Präsident der Hochschule Ingolstadt.

Ähnliche Sorgen haben die Rektoren und Präsidenten der bayerischen Universitäten, die mit einer fast gleichlautenden Erklärung gegen den verfügten Sparkurs protestieren. Sollte der Baustopp länger dauern, „so werden den zukünftigen Abiturienten keine angemessenen Studienmöglichkeiten mehr geboten werden können“, droht der Vorsitzende des Universitäts-Vereins, Prof. Karl-Dieter Grüske, der Rektor der Uni Erlangen-Nürnberg ist. Neben Ingolstdt sind auch die Hochschulen in Coburg, Regensburg sowie Freising-Weihenstephan betroffen. In Weihenstephan liegt ein Erweiterungsbau zur Grundlagenforschung auf Eis.

Ausgenommen von der Sparmaßnahme sind Bauten, die nach einem Sonderprogramm abgewickelt werden. Die Hochschule München prüft gerade, welche Bauprojekte von dem sofortigen Stopp betroffen sind. Präsident Prof. Michael Kortstock ist „glücklich“, dass große Bauprojekte abgeschlossen sind - die Fakultät für Tourismus mit ihren knapp 1000 Studenten ist von ihrem Campus München-Pasing an die Münchner Lothstraße gezogen, um den wachsenden Fakultäten Betriebswirtschaft und angewandte Sozialwissenschaften Platz zu machen. Noch im Planungsstadium ist indes der Bau einer Kinderkrippe sowie die Erweiterung der Bibliothek mit 1000 Quadratmeter Hauptnutzfläche.

Anfang des Monats wird die Steuerschätzung publik, unmittelbar danach soll es eine Spar-Klausur des Kabinetts zur Rettung des ausgeglichenen Haushalts und endgültige Beschlüsse geben. Der Planungsstopp beträgt derzeit sechs Wochen, ein „nur kurzer Zeitraum“, wie Christa Malesa, Sprecherin des bayerischen Wissenschaftsministers Wolfgang Heubisch (FDP), beteuert. „Wir hoffen, dass diese Verfügung dann aufgehoben wird.“

Dirk Walter

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