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Polizeichef Alois Mannichl mit seiner Frau Anneliese beim Verlassen des Krankenhauses in Passau .

Unklarheit über Auflösung der Mannichl-Soko

Unklarheit über Auflösung der Mannichl-Soko

Passau/München (dpa) - Zwei Wochen nach dem vermutlich rechtsradikalen Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl ist unklar, wie die Ermittlungen fortgesetzt werden. Laut "Focus" steht die Sonderkommission der Passauer Polizei zur Aufklärung des Verbrechens vor der Auflösung.

Unter Berufung auf Polizeikreise schreibt das Magazin, nun solle sich eine vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) geleitete neue Ermittlungsgruppe des Falles annehmen. Die LKA-Beamten sollten noch einmal "bei Null" beginnen und in wirklich alle Richtungen ermitteln. Das bayerisches Innenministerium, das Landeskriminalamt und die Polizei in Passau bestätigten diese Informationen am Samstag jedoch nicht.

"Wir können das nicht bestätigen. Wir arbeiten ganz normal", sagte der Passauer Polizeisprecher Klaus Pickel zu dem "Focus"-Bericht. Ministeriumssprecher Oliver Platzer sagte: "Es ist ein ganz normaler Vorgang, dass man bei solchen Fällen verschiedene Möglichkeiten prüft, wie man die Ermittlungen fortführt." Eine Entscheidung über die weitere Sachbearbeitung sei aber bisher nicht getroffen.

Die 50-köpfige Sonderkommission "Fürstenzell" tappt unterdessen im Fall Mannichl weiter im Dunkeln. Die Soko habe mehrere Dutzend Hinweise erhalten und überprüft, sagte Polizeisprecher Pickel am Samstag. "Eine heiße Spur war nicht darunter."

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, warnte unterdessen vor weiteren Gewalttaten gegen Polizisten. "Gewaltbereite Neonazis greifen zunehmend Polizisten an. Das ist eine neue Strategie", sagte er der "Welt am Sonntag". Deshalb müsse die Polizeipräsenz in den Ländern deutlich erhöht werden. "Rechtsextreme müssen sich beobachtet fühlen." Das könnten die Länderpolizeien derzeit aber nicht leisten, weil Personal eingespart und auch zur Terrorbekämpfung abgezogen worden sei. Freiberg forderte insbesondere mehr Internet-Ermittler gegen Rechtsextreme. "Das Internet ist ihr wichtigstes Propaganda- und Kommunikationsmittel. Es dient zum Beispiel dazu, Aufmärsche oder Skinhead-Konzerte zu organisieren." Zudem sei auch ein härteres Vorgehen der Justiz gegen Rechtsextreme notwendig.

Am Samstagnachmittag gab es an Mannichls Wohnort Fürstenzell erneut Hausbefragungen. Gut 20 Beamte wollten Anwohner im Umfeld von Mannichls Wohnhaus nach Beobachtungen befragen. Damit sollten auch Nachbarn erreicht werden, die möglicherweise bei der ersten Befragung kurz nach dem Attentat nicht angetroffen worden waren.

Mit Phantombildern sucht die Polizei weiter eine fünfköpfige Gruppe, die am Tag des Anschlags an Mannichls Wohnort in der Nähe eines rechten Szene-Treffpunkts gesehen wurde. Zwei Bilder zeigen eine Frau mit zerzausten Haaren sowie einen Mann mit einer schwarzen "Hahnenkamm-Frisur" und vier Ringen im rechten Ohr. Die Gesuchten sind aber namentlich nicht bekannt.

Mannichl hatte den Mann, der ihm am 13. Dezember vor der Haustür ein Messer in die Brust gerammt hatte, als auffällig tätowierten Neonazi beschrieben. Seitdem wurden insgesamt vier Menschen festgenommen, unter ihnen ein Paar aus München, das zur rechtsradikalen Szene gerechnet wird. Alle Festgenommenen mussten jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt werden, da sich ein Tatverdacht nicht erhärten ließ. Mannichl ist den Angaben zufolge auf dem Wege der Besserung. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut.

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