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Nicht nur Organe wie die Leber lassen sich gewinnbringend vermarkten.

Unsaubere Geschäfte mit Leichenteilen

Neunkirchen - Die oberfränkische Pharmafirma Tutogen Medical GmbH mit Sitz in Neunkirchen (Landkreis Forchheim) lässt nach Spiegel-Informationen in der Ukraine Leichen ausnehmen, um daraus medizinische Produkte zu gewinnen.

Exakt 42,90 Euro für einen Oberarmknochen, ein Herzbeutel ab 13,30 Euro: Der Organhandel ist lukrativ – doch den Angehörigen seit oft überhaupt nicht klar, was mit den Überresten ihrer Verwandten geschieht.

Allein im Geschäftsjahr 2000/2001 wurden in der Ukraine 1152 Leichen für Tutogen genutzt. Der Leiter der Rechtsmedizin in Kiew, Wladimir Jurtschenko, bestätigte dem Spiegel, dass auch heute noch Leichen ausgenommen werden, deren Knochen dann bei der deutschen Firma Tutogen landen.

Die Beschaffung der Leichenteile erfolgt nach Spiegel-Informationen jedoch nicht immer ganz einwandfrei: Den Angehörigen soll in vielen Fällen nicht klar gewesen sein, was mit den Knochen ihrer Verwandten geschieht. So berichtet Lena Krat aus Kiew, dass sie überrumpelt wurde, den Leichnam ihres Vaters für eine Gewebespende zur Verfügung zu stellen. Ihr sei erzählt worden, dass nur Hautstreifen abgeschält würden. Tatsächlich wurde den Leichen aber ganze Sehnen, Knochen und Knorpel entnommen. „Wenn ich gewusst hätte, dass so viel herausgeschnitten würde, hätte ich nie zugestimmt“, so Lena Krat.

Gegen die ukrainischen Partner der Firma Tutogen ermittelt angeblich bereits die Staatsanwaltschaft in Kriwoi Rog in der südlichen Ukraine; Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Die aus Leichenteilen gewonnenen Produkte würden vor allem in den USA als Ersatzteile bei Patienten eingesetzt, ihr Nutzen sei allerdings umstritten. Die Branche sei in den vergangenen Jahren zu einem milliardenschweren Markt angewachsen. Würde eine Leiche in all ihre Einzelteile zerlegt, verarbeitet und verkauft, käme man auf einen Erlös von bis zu 250 000 US-Dollar.

Tutogen selbst lehnte nach Angaben des Spiegel jedes Gespräch ab. Auch der Direktor des ukrainischen Unternehmens Bioimplant, das dem dortigen Gesundheitsministerium gehört, reagierte auf schriftliche Fragen nicht.

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